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40 Jahre PastoralreferentInnen im Bistum: Festvortrag von Generalvikar Georg Bätzing

Gut, dass es sie / Sie gibt...

Beim Jubiläums-Festakt "40 Jahre Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten im Bistum Trier" hat Generalvikar Dr. Georg Bätzing die Fest-Rede gehalten. Wir dokumentieren sie hier in Auszügen - das vollständige Manuskript der Rede (mit Anmerkungen...) finden Sie hier.

„Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen sind Männer und Frauen, die ein theologisches Hochschulstudium absolviert haben, ebenso wie eine pastoraltheologische Ausbildung. […] Pastoralreferenten/innen sind daran gewöhnt, über den eigenen Kirchturm hinauszusehen. Sie setzen sich nämlich mit Gleichgesinnten und Andersdenkenden zusammen, um Zeitanforderungen, Gesellschaftstendenzen, Kritisches einerseits, Positionen der Kirche andererseits zu klären und derart am Ball zu bleiben. […] Das bedeutet immer wieder, Sachgebiete sachkundig zu betreuen, gesellschaftspolitische Kontakte und Öffnungen auf verschiedenen Ebenen herzustellen und nicht zuletzt Vorstellungen zu realisieren, die einer modernen Seelsorge entsprechen. […]“
(Berufe der Kirche / Bistum Trier / online)

In diesem Jahr feiert also der jüngste der vier Pastoralen Berufe in unserem Bistum 40. Geburtstag. […] Wem darf ich heute gratulieren? Zuerst der ganzen Bistumsfamilie, denn der Einsatz hunderter hauptamtlicher Frauen und Männer in diesem Beruf gilt der Verlebendigung unserer Ortskirche in Trier. […]

Dank für allen Mut

Dank (habe ich zu sagen) für allen Mut, alle Risikobereitschaft, Experimentierfreudigkeit und Mühe bei der Arbeit an Profil und Ordnungsrahmen dieses Berufes: Bischof Dr. Bernhard Stein will ich nennen, aber auch Hermann Josef Leininger, Anton Arens, Berthold Zimmer, die beiden ersten Beauftragten Josef Bormann und Manfred Henkes und nachfolgend Beauftragte, nicht zuletzt Georg Köhl, der diesen neuen Beruf nicht nur erlernt, ausgeübt und angeleitet, sondern durch seine pastoraltheologische Begleitforschung entscheidend geformt hat. In unserem Bistum gibt es niemand, der dem Beruf des Pastoralreferenten auch nur annähernd so viel theologische Reflexionsarbeit gewidmet – und unter dem Stichwort „Seelsorge lernen“ Grundlagen für Ausbildung, Konturierung und Professionalisierung aller Seelsorgeberufe geleistet hätte, und zwar immer im Zusammenspiel, nie als Solist. […]

Ich bin zuversichtlich und will das mit Blick auf die Entwicklung des Pastoralreferentenberufs in den vergangenen 40 Jahren begründen, um anschließend die Frage aufzurufen, was an Entwicklung ansteht und wo es hingehen könnte bis zum nächsten Jubiläum in 10 Jahren.

  • Neuer Pastoraler Beruf: Teil der Selbstfindung der Kirche Switch

    Die Einrichtung dieses neuen Seelsorgeberufes ist Teil der Dynamik des „Selbstfindungsprozesses der Kirche“, der durch die Reflexion im 2. Vatikanischen Konzil ausgelöst und in der Würzburger Synode (1971-1975) für die konkrete Situation der Kirche in Westdeutschland bear¬beitet wurde. […] So wurde aus der veränderten kirchlichen Situation heraus ein neuer Seelsorgeberuf „geboren“ mit dem Auftrag, die vielfältigen Dienste der Gläubigen zu unterstützen und zu fördern. „Alle kirchlichen Dienste und Ämter sind in Situationen entstanden, in denen sich die Kirche vor neue Aufgaben gestellt sah. Sie waren notwendig“, schreibt Georg Köhl. […] „Die theologische Deutung erfolgte im Nachhinein, um ihre bleibende oder vorübergehende Bedeutung für die kirchliche Praxis herauszustellen.“

    Ich finde das klug, denn so darf die oft befeuerte Diskussion um die Frage, ob der Pastoralreferentenberuf nun „kirchlicher Dienst“ oder „Amt“ ist, einstweilen offen bleiben. […]

  • Übernahme von Verantwortung - Zusammenspiel mit andern (Berufs-)Gruppen Switch

    Ein wichtiger Schritt bei der Etablierung des Berufs ist die wachsende Übernahme von Verantwortung; [seit Anfang der 80er Jahre …] der Berufsverband konturiert sich; die Mitarbeit in Kommissionen zur Erarbeitung von Statuten und Ordnungen wird selbstverständlich; Einsatzreferat, Berufseinführung und praktisch-theologische Ausbildung werden mit Berufsträgerinnen und -trägern personalisiert; die Einsatzfelder stellen sich diversifiziert dar, neben die Arbeit auf Pfarrverbandsebene – und hier vor allem im Jugendbereich – treten die kategorialen Felder des schulischen Religionsunterrichtes, der Erwachsenenbildung, der Krankenhaus-, Hochschul-, Gefängnis- und Militärseelsorge, um nur einige Beispiele zu nennen.

    Seit 1998 wurden vermehrt Pastoralreferentinnen und  –referenten auch in großen Pfarreiengemeinschaften eingesetzt, dieser „Ausflug“ auf eine neue Ebene der territorialen Seelsorge wurde allerdings bereits nach wenigen Jahren (2005) wieder beendet, weil es nicht gelang, die beiden Seelsorgeberufe von Laien genügend konturiert zu beschreiben und gut zu unterscheiden. […]

    Das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Seelsorge braucht pastorale Planung und Zielformulierung, Reflexion und Kooperation, Teamarbeit und sinnvolle Delegation – und vor allem regelmäßige Kommunikation. Einen  Rückfall unter diese Standards können wir uns im Blick auf die zu Recht geforderte Professionalität der Seelsorge keinesfalls leisten. […] Das ist keine leichte Aufgabe, denn in allen Berufsgruppen sind die Personen nun einmal sehr unterschiedlich: Da gibt es solche, die brennen und Zukunft gestalten wollen, und solche, die sich müde und frustriert dabei ertappen, an die Rente zu denken. Da gibt es gescheite Theologinnen und nimmermüde Praktiker; Fundis und Realos im Blick auf die virulenten Fragen zur Kirchenentwicklung; ängstlich bewahrende Strukturkonservative und experimentierfreudige Wagemutige; und es gibt in jedem pastoralen Beruf gleichzeitig Akteure verschiedener Generationen mit unterschiedlicher Sozialisierung und Kirchenerfahrung, spiritueller Prägung und theologischer Akzentsetzung. […]

Mehr Verantwortung übernommen...

  • Entwicklungs-Perspektiven (1): Einsatz-Ebenen und Komplexitätsgrade Switch

    a)    […] Das Zueinander von Pfarrei und Dekanat bedarf neuer Klärungen, eine Fortschreibung der Dekanatsordnung auf Grundlage einer Aufgabendiskussion steht an.Das hat unmittelbare Auswirkungen für viele Pastoralreferentinnen und –referenten, denn es ist ihre Einsatzebene.

    Auch nach einem solchen Klärungsprozess brauchen wir Kollegen und Kolleginnen in den Dekanaten. Aber wir brauchen die theologisch fundierte Kompetenz von Pastoralreferenten zur Prozesssteuerung und Organisationsentwicklung künftig auch in Pfarreien bestimmter Größen, Zuschnitte und Komplexitätsgrade. Dazu müssen wir allerdings Leitungsmodelle offener gestalten, wie wir es ansatzweise für die Übergangsphase einer Vakanz in den verschiedenen Modellen ja bereits tun...

  • Entwicklungs-Perspektiven (2): Orientiert am Menschen - Charismen-orientiert Switch

    b)    In den Diskussionen der 3. Vollversammlung unserer Synode konvergierten viele Wortbeiträge in zwei Einschätzungen:

    • Der konkrete Mensch mit seinen Bedürfnissen und Sehnsüchten müsse mehr als bisher zum Ausgangs- und Orientierungspunkt für unser kirchliches Handeln werden, und
    • der Wunsch nach Verlebendigung der Kirche werde nicht über die Fortschreibung bekannter Strukturen, sondern auf dem Weg konsequenter Charismenorientierung verwirklicht werden.

    Beides wurde als „Paradigmenwechsel“ bezeichnet. […] Ich stimme dem zu, frage mich allerdings, wie unter diesen Bedingungen Kirchenbildung gelingen kann. […] Was führt dazu, dass aus Einzelnen […] „Kirche“ wird mit allen Wesensmerkmalen, die das Glaubensbekenntnis nennt: einig, heilig, katholisch und apostolisch? […]  Wir brauchen Netzwerker, die experimentieren, Erfahrungen sammeln, verdichten und bewerten und solche „fresh expressions“ als Nuklei (Kirstallisations-Kerne) zur Kirchenbildung implementieren helfen.

    Darin sehe ich eine dringliche Zukunftsaufgabe, für die Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen besonders prädestiniert sind – weil sie sich wesentlich komplexer darstellt, als die Förderung und Begleitung Einzelner auf ihrem Glaubensweg.

  • Entwicklungs-Perspektiven (3): Kundschafter & "mobile Einsatzgruppen" Switch

    c)    Denn der Zustand der Kirche ist in der Tat prekär. […]

    „Der Glaube ist im Unterschied zur Religion, die vererbt wird und durch Tradition und Autorität gebunden ist, eine Erfahrung, welche durch Umkehr entsteht.“ Wenn dies am Horizont steht, dürfen wir unsere personellen Ressourcen und Kompetenzen jetzt schon nicht mehr gänzlich in den Strukturen binden, […] der territorialen wie der kategorialen Seelsorge.

    Wir brauchen Personen, die als Kundschafter mit missionarischer Leidenschaft freigesetzt sind, um die Gläubigen auf eine Zukunft ohne flächendeckende Strukturen und institutionelle Absicherung vorzubereiten, indem sie sie auf dem Weg der Umkehr (oder besser einer „zweiten Bekehrung“) zu einem entschiedenen Glauben animieren. „Wandermissionare“ brauchen wir – wenn Sie so wollen; eine mobile Einsatzgruppe aus Menschen aller pastoralen Berufe, die ihren Auftrag so selbstlos ausführen, dass sie sich wieder verabschieden und gehen können – und es genau darauf anlegen. 

Wir brauchen neue Leitungsmodelle, Netzwerker, "Wandermissionare"...

„Die Risikoreichen“ – so haben wir vor über zwanzig Jahren den Werbeprospekt für pastorale Berufe in der Kirche betitelt. Für mich kann ich sagen: Ich habe damals nicht geahnt, wie risikoreich das Unternehmen werden würde. […]

Gut, dass es sie auch in Zukunft gibt, die Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen im Bistum Trier. Danke!

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