Unsere WebSeite verwendet Cookies (kleine Textdateien, die sie auf Ihrem Rechner ablegt); dadurch bleibt bistum-trier.de für Sie möglichst leicht zugänglich und komfortabel. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung . Sie können in den Einstellungen Ihres Browsers bestimmen, ob er Cookies akzeptiert oder nicht. Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Predigt von Weihbischof Jörg Michael Peters zur Beauftragung

Auf Sendung - im Vertrauen auf DICH

Um zwölf Frauen und Männer, die sich für einen Dienst in unserer trierischen Kirche senden lassen, geht es heute Morgen, in diesem Gottesdienst, vor allem. Und doch richtet sich das Wort Gottes, wie wir es gerade in Lesung und Evangelium gehört haben, zunächst an uns alle.

„Seht auf eure Berufung“, hören wir im ersten Korintherbrief. In der Tat ein Wort, das uns alle angeht und herausfordert – ganz persönlich. Denn das Christ-Sein in einer pluralen, weitgehend auf Selbstbestimmung des Einzelnen beruhenden Gesellschaft, ist alles andere als leicht oder gar selbstverständlich. Darum die Einladung und Ermahnung: Seht auf eure Berufung, Schwestern und Brüder!

Joachim Wanke, der langjährige Bischof von Erfurt, versucht, das Unterwegs-Sein in eine neue Sozialgestalt der Kirche, dem ja auch unsere Synode diente, mit einem, wie ich meine, einleuchtenden Vergleich auf den Punkt zu bringen. Er sagt, die gewohnten ‚religiösen und kirchlichen Imprägnierungen’ aus der Vergangenheit werden blasser. Es braucht daher das tastende Suchen und Ausprobieren für neue ‚Einkleidungen’ des Christlichen. Denn in einer Kleidung, die farb- und formlos geworden ist, würden wir uns auch nicht gerne öffentlich zeigen.

Nach-Modernisierung – nicht Anpassung

Darum hat es solche Prozesse immer gegeben, ja sie waren bei Umbrüchen in der Geschichte des Glaubens und der Kirche stets aufs Neue notwendig. Bei solchen ‚Nachmodernisierungen’ geht es nicht falsch verstanden um eine Anpassung an den Zeitgeist; sie waren aber stets verbunden mit der schmerzlichen Erfahrung, Liebgewordenes – und waren es nur die angeblichen Selbstverständlich¬keiten – lassen zu müssen.

Wie gut, liebe Kandidatinnen und Kandidaten für den Beruf der Gemeinde- und Pastoralreferenten, dass Sie während der Zeit des Berufspraktischen Jahres und in der Berufseinführung Erfahrungen sammeln und teilen konnten, wie das gehen kann: Den persönlichen Glaubensweg als getaufter und gefirmter Christ und eine zeitgemäße Kirchengestalt (einerseits) mit einer gesellschaftlichen Grundgestimmtheit (andererseits) zusammenzubringen, die nicht oder nicht mehr zuerst nach Gott und seiner Wirklichkeit für mein Leben fragt. Einfacher gesagt, wie das gehen kann, die alltäglichen Herausforderungen des Lebens und mein Getauft-Sein zusammenzubringen. Dass man getauft ist, sagt ja noch lange nichts darüber aus, wie sich das praktisch in der eigenen Biographie bemerkbar macht.

Und genau um diese praktischen Erfahrungen ging und geht es Ihnen in Ihrem Engagement in der Kinder- und Jugendpastoral, der Arbeit in den Kitas, mit Familien und Senioren, in der Begegnung mit Flüchtlingen und deren Schicksalen. Nicht zuletzt werden diese bereits gemachten Erfahrungen Sie heute Morgen mit einer frohen Spannung hier sein lassen, wenn Sie diese Berufung im Sinne der Worte der eben gehörten Lesung für sich verstanden haben und künftig als Beruf leben wollen.

„Auf Sendung – im Vertrauen auf DICH“.

Unter diesem Leitwort haben Sie dann ja auch das Liedblatt zu diesem Gottesdienst gestaltet. „Im Vertrauen auf DICH“. Was das bedeutet, wurde uns am Ende der Lesung sehr nachdrücklich gesagt: dass es einen Dienst oder ein Amt, ja einen Weg der Kirche nur vom Urbild Christi und im Maßnehmen an ihm geben kann. Sie sind bereit, sich in Dienst nehmen zu lassen von IHM, der Sie kennt und Sie in Freiheit entlässt mit großem Vertrauen und Zutrauen; damit Sie an der Seite der Menschen, zu denen der Bischof Sie aussenden wird, die Hörbereitschaft für seine Botschaft immer wieder neu wecken, selber dieser Funkturm sind und sich so als Werkzeug für sein Reich zur Verfügung stellen.
Ihm und nur ihm werden wir am Ende Rechenschaft schuldig sein. Daran erinnert das Evangelium des Tages. Wir kennen sie ganz gut, die Sache mit dem anvertrauten Vermögen und den Talenten, die je nach Fähigkeiten zugeteilt werden.
Das hat aber auch etwas Entlastendes: Wir sind nicht alle gleich und brauchen es auch nicht zu sein. Und: Der Herr lässt seine Diener frei walten; er gängelt sie nicht.

Talente – gegeben und an-vertraut

Wie können wir dieses Evangelium für uns verstehen? Es ist Gott, der Schöpfer, der uns, seinen Geschöpfen, sein ‚Vermögen’ anvertraut hat, jedem nach seinen Möglichkeiten, auf ganz persönliche Weise. Alles, was unser Leben ausmacht, hat er uns geliehen, nicht damit wir es ängstlich verwahren, sondern damit wir es zur Entfaltung bringen.
Gott ermutigt uns, Mut zu haben, aus unseren Begabungen etwas zu machen; Mut zu haben, dass der, der uns das Leben geschenkt hat, nicht der Gott der Strenge ist, sondern der Gott des Zutrauens. Auch das, was wir zum Wachstum seines Reiches einbringen, kann und wird fruchtbar werden.

Helfen, das Geschenkte neu zu entdecken

Was das für Ihre Sendung als Gemeinde- und Pastoralreferenten und -referentinnen konkret bedeutet: Vielleicht zunächst an der Seite der Menschen zu sein, dass viele das Talent ihrer ‚Taufidentität’ neu oder wieder entdecken, sie das Geschenk ihrer Taufe nicht achtlos oder vergraben liegen lassen, sondern gerne als Christen leben, als Menschen, die schon um das Geschenk ihres Erlöst-Seins wissen und mit Zuversicht an dieser unserer Welt mitgestalten.

Eine große Aufgabe und wunderbare Herausforderung, wozu wir alle Ihnen Gottes Segen und Kraft wünschen. Amen.

Weiteres: