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Wie ich als Journalist die Berufsgruppe der Pastoralreferent/-innen wahrnehme

Nicht von der Hoffnung abbringen lassen

„Als der Versicherungsvertreter nach der ‚Berufsgruppe’ gefragt hat, da hat das Computerprogramm keinen passenden Eintrag gefunden’. Das Formular der Versicherung war nicht eingestellt auf diesen kirchlichen Beruf. Die Berufsgruppe der ‚Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten’ ist immer noch recht unbekannt...“. Mit diesem Erlebnis einer Pastoralreferentin habe ich vor einiger Zeit einen Artikel begonnen, den ich für die Kirchenzeitung des Bistums Mainz zur Sendungsfeier der Pastoralreferentinnen und –referenten geschrieben habe. Und irgendwie kam es mir vor wie ein Déjà-vu.

Seit bald 20 Jahren schreibe ich als Journalist über die Berufsgruppe. Schon so manche Beauftragungs- oder Sendungsfeier habe ich journalistisch begleitet, habe die zu Sendenden vorgestellt, habe Fotos aus dem Berufsalltag gemacht – und so mancher Artikel ist noch dazugekommen, in dem ich Berufsträger porträtiert habe: Was sie tun als „Pastoralreferenten“, warum sie es tun, mit welcher Motivation sie angetreten sind und was sie froh macht an ihrem Beruf; wie sie den Sinn suchen im Alltag und wie sie auch so manches mal frustriert wurden. Wie gesagt: Immer auch déjà-vu, denn wie ein roter Faden zieht sich die Frage durch: Was sind eigentlich Pastoralreferent/-innen? Was tun sie?

"So wie Priester - aber..."

Die Antworten lesen sich oft ähnlich: „Brücke zwischen Kirche und Welt“ wollen sie sein. Aber was heißt das konkret? Manche versuchen zu erklären, dass sie „so sind wie die Priester, aber...“; andere erklären, dass sie „nicht so sind wie die Priester, weil...“ – die Berufsgruppe definiert sich, ob sie es will oder nicht, bewusst oder unbewusst, immer über die (derzeit noch?) bekanntere Gruppe der Priester. Das kann dauerhaft keine Lösung sein. Aber was ist die Alternative? Eine innerkirchliche Quasi-Opposition, die so „ganz anders“ sein will? Auch das wäre wohl zu wenig.

Auf der Suche nach dem Profil

Die spürbare Suche nach dem Profil dieses neuen kirchlichen Berufes macht es für einen Journalisten nicht leicht. „Begrifflichkeiten“ haben was mit „begreifen“ zu tun: „Pastoralreferent/-in“ klingt nach Bürokratie, weit weg von den Menschen. Wo bleiben da die Inhalte? Wir Journalisten sind es gewohnt – zumindest schätzen wir es sehr – wenn einer eine klare Position hat, wenn er klar und deutlich Stellung bezieht. Das machen Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten auch; aber der intellektuelle Background – schließlich waren sie ja jahrelang an der Uni – macht es manchmal mit dem vielleicht dort gelernten Differenzierungsvermögen ein bisschen schwierig, ein klares Wort zu formulieren. Und die Welt ist ja auch nicht schwarz-weiß – gottlob! – auch wenn sie uns schwarz und weiß in den Buchstaben der Zeitungsausgaben entgegenkommt: Einerseits – andererseits, schon jetzt und noch nicht, das „katholische et – et“ sowohl als auch: theologisch geschliffen, aber für einen Journalisten ein Graus: Wie erklär’ ich’s meinem Leser – auch ohne Theologiestudium? Schade, wenn dann einzelne meinen, sie müssten den Artikel „korrigieren“ und das journalistische Handwerk verbessern. Aber das geht ja vielen so, dass andere meinen, sie könnten’s besser: dem Pfarrer wie dem Bundestrainer.

Die Überschriften über den Artikeln – meist wurden sie von der Redaktion so ausgesucht - lesen sich dann auch wie eine Sammlung des Nebulösen: „Amt und Strukturen entsprechend der Zeit entwickeln“, oder: „Pastoralreferentenanwärter diskutieren Zukunft“, oder: „Wir sind Laien, keine Anfänger“, oder: „Keine kleinen Kapläne“, oder: „Pastoralreferenten sehen sich als ‚Notnagel’ ohne Rechte“.

Ringen um ein Selbstverständnis

Das klingt alles zu negativ? Ich denke nicht. Denn es zeigt ja auch, wie sehr die Berufsgruppe um ihr Selbstverständnis ringt. Das zeugt von Lebendigkeit, das signalisiert Energie, das ist Ausdruck von Potenzial. Aber es darf nicht um sich selbst kreisen, sondern muss nutzbar werden für andere, sich im Alltag bewähren. Klar, in den letzten vierzig Jahren wurde vieles weiter entwickelt, wurde profilierter und auch selbstverständlicher – Gott sei Dank! Und ich bin sicher, beim Jubiläum wird der unvermeidliche Satz fallen, ebenso gut gemeint wie abgenutzt: „Wenn es keine Pastoralreferent/-innen geben würde, man müsste sie erfinden!“

Noch einmal vierzig Jahre...

Der Beitrag, von dem ich am Anfang berichtet habe, endet mit: „Ob der Computer des Versicherungsvertreters irgendwann ein neues ‚Berufsprofil’ zur Auswahl einfügt, wenn das nächste Mal ein Pastoralreferent zu ihm kommt, ist eher unwahrscheinlich. Vielleicht braucht es auch noch weitere 40 Jahre oder mehr, bis der relativ neue kirchliche Beruf auch im Bewusstsein der Gemeindemitglieder und vieler anderer angekommen ist.“

Um das zu erreichen, braucht es die Frauen und Männer der Berufsgruppe selbst. Vor Ort können sie ganz selbstverständlich durch ihr Leben und Wirken dazu beitragen, dass ihr Beruf bekannter und profilierter wird: mit jedem Gesicht eines Berufsträgers. Das ist das eigentliche Potenzial der Pastoralreferentinnen und –referenten: Sie sind nach ihrem Selbstverständnis „nah bei den Menschen“, können raus an die Peripherie des kirchlichen Lebens, wie es Papst Franziskus immer wieder einfordert. Sie können „den Geruch der Schafe“ annehmen, wenn sie sich nicht in Strukturfragen und im bürokratischen Klein-Klein bewegen.

Wir Journalisten können darüber berichten nach dem alten journalistischen Grundsatz: News is what’s different! Anpassung oder „so ähnlich wie...“ ist kein Thema, Kreisen um innerkirchliche Strukturfragen auch nicht. Menschen sind interessant! Deshalb: Mut zum eigenen Profil, Mut zum Mit-Mensch-Sein! Vielleicht ist das das eigentliche Profil der „Pastis“, so banal es (nur) auf den ersten Blick klingen mag.
Der Artikel in der Kirchenzeitung war übrigens überschrieben mit: „Nicht von der Hoffnung abbringen lassen“. Na dann... – herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

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