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Freude und Leid miteinander teilen:

„Du gehörst dazu! “

Es war ein Neuanfang, mit dem ein Wunsch in Erfüllung ging. Nach zehn Jahren im Pfarrverband mit den Aufgaben Kinder-, Jugend- und Familienarbeit wechselte ich auf eine der neuen Stellen in der Behindertenseelsorge.

Seitdem arbeite ich in den Einrichtungen Maria Grünewald in Wittlich und St. Martin Düngenheim.

Geistliche Begleitung hilft leben

Montag-Morgen: Freudig begrüßen mich die Mitarbeiter und Beschäftigten einer Gruppe der Tagesförderstätte; hier kommen der Erwachsene mit schwerer geistiger Behinderung „zur Arbeit “ zusammen. Gemeinsam beginnen sie den Tag und die Woche mit einem besinnlichen Angebot. Dabei helfen Symbole wie etwa in der Fastenzeit ein selbst hergestelltes Kreuz. Es wollte vermitteln, dass Jesus Christus jedem Menschen in frohen und schweren Stunden Halt kann. Dazu wurde das Kreuz rundgereicht; für jeden Teilnehmer, also Bewohner und Mitarbeiter, sangen alle zusammen ein Lied mit seinem Namen.

Ich bin im Gespräch mit den Mitarbeitern dieser und der vielen anderen Gruppen in den Tagesförderstätten der beiden Einrichtungen und gebe ihnen Impulse für die religiöse Begleitung in ihrer Arbeit mit den ihnen anvertrauten Menschen – und damit auch für ihre eigene Spiritualität. Für mich selbst ist es immer wieder eine Herausforderung und Bereicherung, den Glauben auf elementare Weise mit allen Sinnen und in leichter Sprache erfahrbar zu machen. Dazu helfen auch biblische Figuren.

Meine Aufgabe in den Einrichtungen ist es, mit den anderen Seelsorgern die Mitarbeiter bei der religiösen Erziehung und Begleitung der Bewohner vom Kindesalter bis zum Tod zu unterstützen. Im Rahmen der ganzheitlichen Lebensbegleitung hilft der Glaube bei der Alltagsbewältigung und bei besonderen Lebenssituationen. So trägt die religiöse Begleitung zum Gelingen und zur Bereicherung des Lebens bei. Dazu gehört auch, dass wir gemeinsam am Leben vor Ort und in der Pfarreiengemeinschaft oder bei Veranstaltungen des Dekanates oder des Bistums teilnehmen – etwa an der jährlichen Wallfahrt der Behinderteneinrichtungen nach Maria Martental oder an den Heilig-Rock-Tagen. Dort können Menschen mit und ohne Behinderung als christliche Gemeinschaft beispielhaft erleben, was „Teilhabe“ und „Inklusion“ im Sinne der UN-Behindertenrechts-Konvention bedeuten: Du gehörst dazu!

Inklusion auch "nach außen"

Die Seelsorger der Pfarreiengemeinschaften und Kirchengemeinden und ich sind Brückenbauer zwischen den Menschen in den größeren kirchlichen Einheiten und denen in den Einrichtungen. Deshalb arbeite ich auch in der Dekanatskonferenz und Fachkonferenz Jugend in Wittlich mit.
Um die religiöse Einbindung und Begleitung zu gewährleisten, engagieren sich Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Bewohner mit mir in Projekten und Gruppen. Im Arbeitskreis „Religiöses Leben“ bzw. in der Pastoralkonferenz machen sich Seelsorger  und Mitarbeiter Gedanken über die Gestaltung der Seelsorge und die Kontakte zur Pfarreiengemeinschaft Wittlich bzw. Kaisersesch, zu den Dekanaten und den evangelischen Kirchengemeinden. Es gibt Messdienerrunden, Gesprächskreise und verschiedene religiöse Arbeitskreise in den Tagesförderstätten, die ich leite oder an denen ich mitwirke.  Der Arbeitskreis „Taizé-Meditation“ in Maria Grünewald gestaltet besonders in der Fasten- und  Adventszeit besinnliche Treffen mit Gesängen aus Taizé – und einmal jährlich ein Abendlob des Dekanates in der Einrichtung.

Beim Grünewaldfest helfen Ehrenamtliche aus der Pfarreiengemeinschaft mit. Umgekehrt beteiligen sich Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung beim Pfarrfest. In der Fastenzeit nehmen wir am Hungermarsch des Dekanates Wittlich teil. Bei den Sonntagsgottesdiensten, den Schulgottesdiensten, den Gottesdiensten der Tagesförderstätten und des Integrativen Kindergartens sowie in den Pfarrgemeinden können sich die Bewohner und Mitarbeiter einbringen. Seit 1997 kommen jedes Jahr im Mai Pfarrangehörige, Bewohner und Mitarbeiter zur Eucharistiefeier in St. Markus zusammen und begegnen sich anschließend zwanglos bei einem Umtrunk vor der Kirche. In St. Martin Düngenheim gestalte ich einen monatlichen, thematischen Singkreis und zweimal jährlich mit einer Mitarbeiterin Partnerschaftliche Exerzitien im Kloster Maria Martental oder im Altenheim in Kaisersesch.

Das Kirchenjahr mit seinen Festen und Bräuchen bietet viele Möglichkeiten, Glauben und Leben zu verbinden. Zur Sternsinger-Aktion kommen z.B. Kinder und Jugendliche der Pfarrgemeinde St. Markus mit Begleitpersonen nach Maria Grünewald. Sie bringen gemeinsam mit Bewohnern allen Gruppen in der Einrichtung Gottes Segen für das Neue Jahr. Die Messdiener in den Einrichtungen setzen sich bei der Sternsingeraktion, wie bei der Misereor-Aktion, für Projekte ein, damit Menschen besser leben können. Im Juli 2014 besuchte die Messdienerrunde von Maria Grünewald das Kindermissionswerk in Aachen und den Dom. In St. Martin Düngenheim werden das Jahr über die Namenstage gefeiert, da die Wohngruppen nach Heiligen benannt sind – und besonders der Heilige Martin als Namensgeber und Schutzpatron der Einrichtung.

Sakramente führen mit anderen zusammen

Im Laufe ihres Lebens mit seinen Höhen und Tiefen können die Bewohner Gottes Nähe als Zusage seiner Liebe und Stärkung erfahren. Schon viele habe ich gemeinsam mit anderen Mitarbeitern auf die Sakramente der Taufe und der Erstkommunion sowie auf Firmung oder Konfirmation vorbereitet. Ein besonderer Höhepunkt ist der Besuch eines Weihbischofs zur Firmspendung. 2013 nahm ein Bewohner im Sinne der inklusiven Firmvorbereitung und Firmung am Projekt einer Firmbewerbergruppe im Altenheim St. Wendelinus in Wittlich und an verschiedenen Jugendgottesdiensten teil. Die Firmgruppe hatte ihn vorher auch in seiner Wohngruppe in Maria Grünewald besucht und so Einblick in die Einrichtung und das Leben dort bekommen. Er wurde dann in der Pfarrgemeinde mit den anderen gefirmt. Die Bewohner freuen sich über Begegnungen mit anderen Firmlingen aus den Pfarrgemeinden. In St. Martin Düngenheim nehmen dieses Jahr wieder Bewohner an der gemeinsamen Firmvorbereitung der Pfarreiengemeinschaft Kaisersesch in den Räumen der Einrichtung teil. Ein Firmtermin ist dann auch in der Kirche dort.

Persönliche Begleitung in schweren Lebens-Situationen

Die  Begleitung in der Krankheit, wenn jemand im Sterben liegt oder gestorben ist, beim Begräbnis und in der Trauer ist für Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige wichtig und hilfreich. Da bin ich als Seelsorger vor Ort besonders gefragt – weil ich die Menschen kenne. Totengebete und Gedenkgottesdienste, auch ein Jahr nach dem Tod, in den Kirchen  der Einrichtungen oder den betroffenen Wohngruppen helfen bei der Trauerbewältigung. Die Einrichtung St. Martin Düngenheim hat einen eigenen Friedhof; Bewohner und Mitarbeiter besuchen ihn bei einem Spaziergang immer wieder gerne - und ich beziehe ihne auch in meine Arbeit ein.

Angebote auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter und für die Auszubildenden biete ich Fortbildungen zur Gestaltung des Kirchenjahres, zur Vorbereitung auf die Sakramente oder Themen wie „Begleitung in Tod und Trauer“ an; dazu kommen auch  Wanderungen mit Bibel und Rucksack und Einkehrtage. Bei ihrer nicht immer einfachen Aufgabe bringen die Mitarbeiter viel  Kompetenz, Engagement, Geduld und Nächstenliebe ein. Sie geben viel, werden aber ebenso durch die Freude und Dankbarkeit der Bewohner beschenkt. Auch als Seelsorger erlebe ich das immer wieder.

So ist mir der vielfältige Dienst für die und mit den Menschen, die in den Behinderteneinrichtungen leben und arbeiten, auch nach vielen Jahren eine wichtige und erfüllende Aufgabe.

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