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Fußballwallfahrt – ein anderer Zugang zu altbekannten Fragen

An Gott kommt niemand vorbei

Von Tempeln, Fußball und dem fußballGOTT“ und „An Gott kommt niemand vorbei“ – das waren die Titel unserer Fußballwallfahrten im Ruhrgebiet 2011 und 2012. Das Angebot richtete sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die auf der Suche sind und die Spaß an Fußball haben. „Auf der Suche“ sind sie: sie suchen nach Worten und Bildern, um einen neuen und anderen Zugang zu ihrem Glauben und ihrer Spiritualität zu finden. Diese Suche führte die Teilnehmenden in unterschiedliche Gotteshäuser der verschiedenen Religionen, an kulturelle und andere wichtige Orte und an die großen Fußball-Pilgerorte im Ruhrgebiet. Mit der Sprache und mit den Bildern des Fußballs gelang der Bau einer Brücke zur Sprache und zu Bildern des Glaubens und der Spiritualität.

„…wieder pilgern Zehntausende heute Nachmittag in die modernen Fußballtempel der Bundesliga, um ihre Mannschaft anzufeuern und zu hoffen, dass der Fußballgott heute auf ihrer Seite ist.“ Eine Anmoderation vor der Fußballberichterstattung am Samstagnachmittag im Radio. „Pilgern – Fußballtempel – Beten – Fußballgott!“ Uns vertraute Glaubensvokabeln.

Auf meiner Suche nach einer anderen Sprache, um über den Glauben und die Spiritualität ins Gespräch zu kommen, finde ich im Themenfeld „Fußball und Glaube“ eine inspirierende Dimension. Bereits im Jahr 1954 spielte im deutschen Fußball der „Fußballgott“ eine wichtige Rolle. Toni Turek, der deutsche Nationaltorwart des Wunders von Bern, wurde vom legendären Kommentator Herbert Zimmermann als „Teufelskerl und Fußballgott“ bezeichnet. Dass Zimmermann im Überschwang den „Fußballgott“ ausrief, hätte ihn damals fast den Job gekostet. In der katholischen Welt gab es einen Aufschrei. Das sei Gotteslästerung und müsse Konsequenzen haben. Hatte es nicht.

1990 wurde Guido Buchwald auf den Rängen als Fußballgott gefeiert. Bis heute bejubeln Fußballfans weltweit lautstark ihre Superstars auf dem „Heiligen Rasen“ der modernen „Fußballtempel“ als „Fußballgötter“.

Der "Heilige Rasen" ist die Bühne, auf der sich je nach Blickwinkel und Fanzugehörigkeit das Drama des Lebens abspielt: Sieg und Niederlage; Leben und Tod; Freude und Trauer. So ist für einen Manager eines großen Vereins der „Fußballgott heute gestorben“, nachdem sein Team ein wichtiges Spiel verloren hat. So weinen Fans bei einem verlorenen Spiel, sehen ihre Existenz gefährdet, wenn ihr Team in eine niedrigere Klasse absteigt. All das ereignet sich in mehr oder weniger als einer Gottesdienstlänge.

Der samstägliche Pilgerweg in voller Fanmontur zum faneigenen Wallfahrtsort, damit auch ja jeder erkennt, wo ich mich zugehörig fühle (und damit: wer ich bin), gleicht einem Gang zum Gottesdienst. Der Einzug der Mannschaften unter dem (Einzugs-)Gesang des Stadionchores. Die Mitte ist bereitet und der Pfiff startet den Gottesdienst. Aufstehen, setzen, singen, jubeln: All das kennen wir auch aus unseren Gottesdienstfeiern.

Doch nicht nur der große Gottesdienstraum des Spielfeldes zeigt eine Nähe zu religiösen Dimensionen auf. In einigen Stadien finden sich gar Kapellen, in denen getauft, geheiratet, getrauert wird. Sogar Friedhöfe auf alten Spielflächen in alten Stadien werden für die Fangemeinde angelegt. Es scheint also um mehr zu gehen als nur um Fußball.

You'll never walk alone

Die Gemeinde, die sich vierzehntäglich im eigenen Stadion trifft, ist äußerlich durch ihre Fantrikots, die unzähligen Fanschals und all die Vereinsfahnen deutlich als Gemeinschaft erkennbar. Unser Kreuz ist ihr Vereinswappen. Unser Gottesdienst ist ihr Fußballspiel. Unser Gottesjubel ist ihr Fußballhalleluja.

Die Kapelle der Gelsenkirchener Fußballarena hat in ihrer Gestaltung die Geschichte und die Thematik der Emmausjünger aufgenommen. Die beiden Jünger sind Symbol dafür, dass Gott auf unserem Lebensweg uns nahe und mit uns unterwegs ist. Die wohl bekannteste Fußballhymne „You’ll never walk alone“ gibt dieser biblischen Geschichte Töne und eine Melodie und hält den Inhalt der Geschichte in Erinnerung.

Sprache, Bilder und Geschichten des Fußballs sind für junge Menschen, die sich für Fußball interessieren, verständliche Bilder und verstehbare Sprache. Der Besuch eines Fußballtempels und verschiedener Gotteshäuser lässt im Vergleich Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede deutlich zu Tage treten. Wer sich mit dem Themenfeld beschäftigt, entdeckt in diesem bekannten Rahmen (Fußballwelt…) auch andere Fragen zum eigenen Glauben, zur eigenen Spiritualität, zu den eigenen Zweifeln. Es entwickelt sich ein Gesprächs- und Nachdenk-Raum, der den Jugendlichen und jungen Erwachsenen weniger fremd ist. Sie finden Analogien und Parallelen zum eigenen Leben, zu den eigenen Fragen und Lebensthemen. Und sie entdecken bei sich und in ihrem Leben neue Fragen nach Gott.

Dem Projekt „Fußballwallfahrt“ ist es gelungen, dieses Setting für Jugendliche und junge Erwachsene herzustellen. Die in den vergangenen Jahren steigende Zahl der Veröffentlichungen im weiten Themenfeld „Fußball und Religion“ zeigen: Es lohnt sich, hier genau hinzuschauen und dieses Feld zu erschließen und Programmpunkte und Aktionen zu entwickeln.

You’ll never walk alone!

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