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Berufsweg: Pfarrei(engemeinschaft), Pfarrverband, Dekanat, JVA - und "immer noch ein Tor"?

Habe nun - ach - durchaus studiert

…auch Theologie; obwohl das für einen Schüler der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung des Deutsch-Französischen Gymnasiums nicht selbstverständlich war. Da war Maschinenbau eher angesagt. Aber es gab die Jahre in der Jugendarbeit in Saarbrücken St. Johann – und  es gab als Religionslehrer Kaplan Manfred Höhenscheid. Das prägt. Nun gut.

Nach dem Studium ging es dann los: den damals neu eingerichteten Bewerberkreis hatte ich verpasst; also habe ich erst mal ein Jahr lang Schülern der Berufsschule Trier „Religion“ beigebracht. Im April 1982 hieß es dann: „Pastoralkurs“. Im Herbst ging es endlich „raus“: ein Jahr als Pastoralassistent in St. Anna, Trier-Olewig: Kommunionvorbereitung, Gremienarbeit, Jugendgruppen und immer wieder Predigt – mit Tonbandaufzeichnung und Nachbesprechung...

Erster beruflicher Einsatz: "Pfarrverband"

Nach der zweiten Dienstprüfung erste Festanstellung: im Pfarrverband Neuerburg-Eifel. Als Pfarrverband frisch gegründet, „weil der Bischof es so wollte“. Mein Vorgesetzter war der zweitjüngste Pfarrer im Pfarrverband – geweiht in meinem Geburtsjahr. Die Suche nach Arbeitsfeldern begann. „Grunddienste“ in Utscheid, 700 Einwohner, 7 Dörfer: Krankenkommunion, Wort- und Kommuniongottesdienste (so hieß das damals) waren angesagt. Auf der Ebene Pfarrverband traf mich die Aufgabe, Jugendarbeit im ländlichen Raum aufzubauen – der Jüngste macht das eben. Dazu kamen Schulendtage – wir in der Eifel nannten das „Tage der Orientierung“ für zwei  Hauptschulen und eine Sonderschule, daneben Gruppenleiterausbildung und als Highlight die „Route Echternach“. (Route Echternach ist eine nächtliche Sternwallfahrt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Echternacher Springprozession – in der Nacht von Pfingstmontag auf den Prozessions-Dienstag.) Und natürlich hatte ich Predigtdienst (und zwar in der Eucharistiefeier…).

Nach drei Jahren waren einige Pflöcke eingehauen, es war aber auch eine Menge Energie verbraucht. In Absprache mit Mentor Berthold Zimmer wechselte ich in den Pfarrverband Welschbillig. 1988 begann die Arbeit in diesem PV. Die Hauptamtlichen im bisherigen Dekanat hatten sich bei der Gründung Zeit gelassen: sie wollten erst mal wissen, warum sie „Pfarrverband“ werden sollten.

Die fünf Priester und der Gemeindereferent hatten ziemlich genaue Vorstellungen. Wieder hieß es: Aufbau kirchlicher Jugendarbeit im ländlichen Raum und Mitarbeit bei der Vorbereitung und Gestaltung der Firmkatechese im Pfarrverband sowie religiöse Angebote für junge Leute. Das bedeutete Mitarbeitergewinnung vor Ort, Schulungsarbeit, Bergwandern im Sommer und jährlich zwei religiöse Wochenenden – und natürlich: „Route Echternach“.

"Pfarrverband" wird Dekanat

Dann wurde aus dem Pfarrverband wieder ein Dekanat. Bei der Integration der zwei Pfarreien, die vorher nicht beigetreten gewesen waren, war meine Mitarbeit gefragt. Später kam noch die Arbeit mit den Erzieherinnen der Kitas in der Verbandsgemeinde Trier-Land, also in kirchlichen und kommunalen Einrichtungen, hinzu. „Grunddienste“ waren in der Seelsorgeeinheit Zemmer-Schleidweiler: die obligate Krankenkommunion, aber auch Messdiener- und Jugendarbeit sowie Predigtdienst standen an.

Im Dekanat Welschbillig gab es auch Arbeit mit belasteten Jugendlichen: das Haus Wehrborn (Mädchen) und der Helenenberg (Jungen) gehörten zum Dekanat. Die Zusammenarbeit mit dem Helenenberg war über Diakon Klaus Book sehr eng, seine Jungs waren bei den religiösen Wochenenden, bei der Sommerfreizeit und bei der Route Echternach Stammgäste.

Zwischenspiel: Pastoralreferenten in Seelsorge-Einheit(en)

Nachdem das Bistum und Bischof Spital den Einsatzort Pfarrei für Pastoralreferenten „entdeckt“ hatten, bot sich mir 2000 die Gelegenheit, in der Seelsorgeeinheit Hangard – Münchwies – Wiebelskirchen zu arbeiten: Schwerpunkt Jugendarbeit im "sozialen Brennpunkt". Im Jugendtreff High Life konnte ich zwei Jahre lang mitarbeiten – danach lief die Kooperation aus, leider. Es galt, eine 20köpfige Jugendgruppe, die irgendwie in der Seelsorgeeinheit existierte, zu begleiten, zu qualifizieren, sie auch für religiöse Aspekte zu begeistern und mit ihnen ein jährliches Zeltlager zu organisieren; das war bewusst niederschwellig angesetzt - angefangen beim Teilnehmerbeitrag bis zum traumhaften Betreuerschlüssel von 1 zu 4,5. Natürlich gab es auch die ökumenische Arbeit mit der evangelischen Schwesterpfarrei – als Laie hat man es da etwas leichter, nennen wir es den „Kein-Amt-Bonus“...

Nach zwei Jahren kam dann noch die Mitarbeit im Beerdigungsdienst dazu; Wiebelskirchen war „protestantisch geprägt", deswegen gab es hier viele Beerdigungen ohne Sterbeamt: die Stunde des Pastoralreferenten. Auf Grund „römischer“ Entscheidung war der Predigtdienst inzwischen in den Hintergrund getreten – jedenfalls verlagerte er sich mehr auf die zahlreichen nicht-eucharistischen Sondergottesdienste.

Als dann das „Projekt 2020“ heraufzog (neue pastorale Strukturen auf der Ebene der Pfarreien und Dekanate - www.struktur2020.bistum-trier.de), begann die Arbeit an der Zukunft der bisherigen Seelsorgeeinheit, inzwischen „Pfarreiengemeinschaft“ genannt. Fusion zu einer großen Pfarrei – oder Nichtfusion, in der die weiter bestehenden Pfarreien verbindlich zusammenarbeiten: das war die Frage. An den ersten Entscheidungen durfte ich noch mitarbeiten: die Tendenz bei den Räten ging in Richtung Fusion… (Die Fusion ist inzwischen in trockenen Tüchern).

"In den Knast"

2007 wurde dann die Stelle eines Pastoralreferenten für die Seelsorge in der Justizvollzugsanstalt Ottweiler ausgeschrieben; das wäre einerseits etwas für mich – aber ich wollte doch noch etwas in Richtung Fusion bewirken...? Es gibt Momente, da hat man eigentlich keine Wahl: Ich bewarb mich und durfte die Stelle im April 2008 antreten.

Das war jetzt was ganz anderes: ein Gesprächskreis, zwei Konferenzen und ansonsten Einzelgespräche, Einzelgespräche, Einzelgespräche. Und natürlich: Sonntagsgottesdienst am Samstagnachmittag. Seelsorge an einem „Andersort“ nennen manche das.

Habe nun ach durchaus studiert... eben nicht nur an der Uni und nicht „leider auch Theologie“. Studium, Ausbildung und Leben haben mich an viele Orte geführt: In die Pfarrei, den Pfarrverband, das Dekanat und wieder die Pfarrei(engemeinschaft), zuletzt auch noch in die „Kategorie“. („Kategoriale Seelsorge“ ist der Oberbegriff für Seelsorge für bestimmte Zielgruppen oder eben „Kategorien“ von Menschen – zB Häftlinge, Patienten in Kliniken, Studierende…).

Vielseitig und spannend waren diese 31 Jahre: ich bin zwar immer noch ein Tor, weiß aber einiges mehr als zuvor.

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