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Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen... (Ps 121,1)

Exerzitien im Gebirge...

Es war 1985. Ich bin im Urlaub und sitze in einer Berghütte beim Abendessen; ungewollt höre ich, wie sich zwei Männer am Nachbartisch über ihr Leben in einer Art und Weise unterhalten, wie man das Leben sonst in Exerzitien in den Blick nimmt. Wenn ein Aufenthalt in den Bergen die Menschen so aufschließen kann - sollten die Berge dann nicht auch ein möglicher Ort von Exerzitien sein?, ging mir damals durch den Kopf. Schließlich hat Jesus sich öfter zum Gebet „auf einen Berg“ zurückgezogen. Und viele Gottesbegegnungen in der Bibel haben sich am oder auf einem Berg ereignet. Ein Gedanke in mir begann damals zaghaft Gestalt anzunehmen: Wie wäre es, Wanderexerzitien in den Alpen anzubieten?

Schon ein Jahr danach fand die erste Wanderexerzitienwoche statt. Auf diese Art und Weise der Exerzitien haben sich damals zunächst vier junge Erwachsene eingelassen. Der äußere Weg führte von Hütte zu Hütte durch das Karwendel. Der innere Weg orientierte sich am Thema: „Gottes Willen tun“.  Aus diesem ersten Angebot sind mittlerweile 65 Wochenkurse geworden. Teilgenommen haben Männer und Frauen aus allen Alters-, Berufs- und Bildungsschichten. Sie kommen aus dem nahen kirchlichen Umfeld, wie z.B. Erzieherinnen, Pfarrer oder Verwaltungsratsmitglieder; aber auch kirchlich eher fernstehende, nicht praktizierende oder gar der Kirche nicht zugehörige Menschen sind und waren schon dabei.

Verschiedene Schwierigkeits-Grade - ähnliche Inhalte

Aus Erfahrung weiß ich inzwischen, dass die Berge denen, die sich auf ihre Symbolkraft einlassen, zu einer unerschöpflichen spirituellen Lebensquelle werden können. Zwar biete ich mittlerweile mehrere Exerzitienwochen im Jahr in unterschiedlichen bergsteigerischen Schwierigkeitsgraden an; das geistliche Grundgerüst ist jedoch immer gleich: Morgengebet und Einstimmung in den Tag; Stille und Besinnung; Austausch im Partnergespräch; Meditationsstunde; Glaubensgespräch am Nachmittag oder frühen Abend, bei dem die Teilnehmer Erfahrungen und Gedanken des Tages miteinander austauschen können; zum Ausklang des Tages deutet das „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ nach Ignatius von Loyola  die Erlebnisse und das eigene Dasein in Gottes  Licht. Texte zum eigenen Beten, zum Lesen und Sich-Besinnen stelle ich in einem  jedes Jahr neu zusammengestellten Exerzitienheft zur Verfügung.

Existentielle Fragen

Die Exerzitienteilnehmer schätzen diese Wochen, weil Glauben und Gemeinschaftserlebnis miteinander verbunden sind. Große Vorträge braucht es in den Bergen nicht: die Strahlkraft des Raumes wirkt aus sich. Existenzielle Fragen der eigenen Lebenswirklichkeit drängen sich wie von selbst auf. Menschen tun sich dort oben im Gebirge anscheinend leichter, sich mit dem eigenen Leben und Glauben auf einer tieferen Ebene auseinanderzusetzen. Manche finden einen neuen Zugang zum Glauben. Und wie es bereits Menschen der Bibel erlebt haben: die Berge können auch Ort der Gotteserfahrung werden.

Die Bild-Sprache der Wirklichkeit

Ich halte es für sehr wertvoll, wenn Teilnehmer ihre Erfahrung und ihre Erlebnisse „am Berg“ für das „normale Leben“ fruchtbar werden lassen können. Einfache Beispiele: Nach einer Wanderung im Nebel mit sehr begrenzter Sicht sagt jemand: „Nur das Naheliegende kommt in den Blick und wird dann auch im Gespräch geschätzt – wenn ich im Leben nicht mehr weiter sehe, ist es gut, jemanden zu haben, der einen Weg sieht. Und es gilt als Geschenk zu sehen, was noch da ist.“ Oder: „Wenn ich vor einem Berg stehe, sehe ich nicht, wie ich nach oben kommen kann. Aber indem ich Schritt für Schritt gehe, manchmal auch ermuntert von den Mitwanderern, stehe ich auf einmal auf dem Gipfel. So ähnlich kann ich auch mein Problem angehen. Schritt für Schritt, immer ein Stück weiter, bis ich es bewältigt habe.“ Oder: Am Wegrand liegt ein umgestürzter Baumstamm, der am Vermodern ist. Aus dem alten Stamm sprießt ein junges Bäumchen. „So ist es in meinem Leben. Nachdem ich wie am Boden zerstört war  gibt es jetzt neue Hoffnung für mich. So zaghaft beginnt etwas Neues.“

Kooperations-Partner

Was zunächst aus meiner eigenen Begeisterung für die Berge und aus dem Gespräch in einer Berghütte begann, ist inzwischen zu einem besonderen spirituellem Angebot geworden; gerne angenommen und jedes Jahr rasch ausgebucht . Hilfreich ist dabei die gute Zusammenarbeit mit den Bergfreunden Saar, einer saarländischen Sektion des DAV, und meine Qualifizierung als Wanderleiter und Fachübungsleiter Bergsteigen beim DAV.

"Bergbischof" Reinhold Stecher

„Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge“, so ein bekannter Satz des in diesem Jahr verstorbenen Altbischofs von Innsbruck. Aus seiner Rede anlässlich des 150jährigen Bestehens des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) möchte ich zum Schluss einige Sätze zitieren:

„Mein letzter Dank geht in die Tiefe. ... Es ist der Dank der vielen, deren Herz in den Bergen Flügel bekommt. Die Bergwelt wirft der Natur den Mantel erhabener Majestät über und sie breitet den Teppich der Stille aus, auf dem das große Staunen und die Ehrfurcht Einzug halten kann. ... Ich weiß, dass man sich heute mit dem Glauben schwer tut, aber die Berge führen doch fast jeden auf den ‚Pfad der Nachdenklichkeit’,... . Und ist es nicht so, dass man im Erlebnis der Berge das erfährt, was Psychologen das Geschenkerlebnis des Daseins genannt haben? Beschenktsein drängt zum Dank. ... Und so gibt es in den Bergen Wege zum Schöpfer.“

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