Unsere WebSeite verwendet Cookies (kleine Textdateien, die sie auf Ihrem Rechner ablegt); dadurch bleibt bistum-trier.de für Sie möglichst leicht zugänglich und komfortabel. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung . Sie können in den Einstellungen Ihres Browsers bestimmen, ob er Cookies akzeptiert oder nicht. Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

„Wer einmal aus dem Blechnapf aß“ - oder:

„My home is my knastle“

Ein Napf ist es zwar mittlerweile nicht mehr, aber in Blechgeschirr wird das Essen immer noch ausgeteilt in der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken. Da bin ich gelandet nach wenigen Jahren Tätigkeit im (damals noch so genannten) Pfarrverband. Um auch die kulinarische Seite einer JVA kennenzulernen, habe auch ich ein paar Monate lang mein Mittagessen aus Blechgeschirr gegessen. Vielleicht liegt es ja an der traurigen Wahrheit dieser geflügelten Redewendung, dass ich seit 1985 und heute immer noch als Pastoralreferent in der JVA Saarbrücken wirke – und dass die JVA jedenfalls als Zweitwohnsitz mein „home“ und „castle“ geworden ist.

Wie aller Anfang, so war auch dieser schwer und wäre ohne vorherige Zusatzausbildung zum seelsorglichen Berater noch schwerer gewesen. Ein Hochsicherheitsgefängnis ist ein exotischer, weitgehend autarker Lebens- und Gesellschaftsbereich mit ausgeprägter Subkultur. Es gibt kaum eine Persönlichkeitsstruktur, mit der man unter den Inhaftierten nicht konfrontiert wird – von „ganz normal“ bis „hochgradig psychopathisch“. Zum Glück genießt der Seelsorger im Gefängnis einen großen Vertrauensvorschuss und ist fast immer ein gern gesehener Helfer, dem man sich anvertrauen kann. Es gehört zum Allgemeinwissen der Inhaftierten, dass der Seelsorger zur Verschwiegenheit verpflichtet ist.

„Ich kann dir nicht helfen, aber ich bin da, um das mit dir durchzustehen.“

Natürlich liegt im Zuhören und Mitgehen schon eine große Hilfe; seelsorgerlich möchte ich die am ehesten mit „Trösten“ beschreiben. Zu vermitteln ist ein Glaube an einen Gott, der menschliches Schicksal trägt und Halt gibt, auch wenn alle Hilfsmöglichkeiten von einzelnen und von Institutionen nichts mehr ausrichten können.

Natürlich steht neben dem Trösten auch die Vermittlung von christlich-ethischen Werten als Angebot für Orientierung, Sinnfindung und als Lebenshilfe im Mittelpunkt der Gefängnisseelsorge. Dem Gefallenen zeigen, dass und wie er sich selbst aufrichten kann; dem Hilflosen zeigen, wie er sich in Zukunft selbst helfen kann: Das kann geschehen durch seelsorgerische Beratung und durch die Herstellung von Kontakten zu dem sozialen Umfeld vor den Mauern – leider kaum zu Kirchengemeinden.

Diese Grundorientierungen und Zielsetzungen konkretisieren sich in unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkten. Meine wichtigsten zähle ich hier auf: Sonntägliche Wortgottesdienste; Einzelgespräche; Gruppenarbeit; Ehe- und Partnerschafts-Beratung oder Eltern-Kind-Beratung; Telefonseelsorge mit verzweifelten Angehörigen (meist Eltern), für die durch eine Inhaftierung eine Welt zusammen gebrochen ist; Vorträge in Gruppen außerhalb der Mauern; Mitarbeit bei der Einführung von Justizvollzugsbediensteten; Begleitung von Ausgängen, wenn nach einigen Jahren Haft bestimmte Erleichterungen oder Lockerungen gewährt werden. Denn fast alle Gefangenen – in der Regel sogar die zu lebenslanger Haft Verurteilten – sehen irgendwann ein Licht am Horizont. Das heißt „Entlassung und (hoffentlich ein geglückter) Neubeginn“.

... und die Opfer?

All die Jahre hindurch begleitet mich eine Frage: Wie geht es eigentlich den Opfern der Straftaten? Wer kümmert sich um diese oft lebenslänglich traumatisierten Menschen? Von wenigen spektakulären Tragödien abgesehen scheinen deren Nöte für Gesellschaft und Politik ja offensichtlich genau so bedeutungslos wie für die Medien...

Weiteres: