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Clemens Grünebach zum überarbeiteten zweiten Entwurf

Alles beim status quo zu belassen, stand nicht zur Debatte

Nun ist für viele überraschend ein zweiter Entwurf zur Raumgliederung noch vor dem 24. November erschienen.
Wie kam es zu diesem veränderten Verfahren?

Dies hatte mehrere Gründe: Bei der Sichtung der Rückmeldungen war sehr schnell erkennbar, dass an vielen Stellen ein Dominoeffekt einsetzt, wenn man substantiell die Raumgrenzen verschiebt. Es waren also von potenziellen Änderungen immer mehrere Pfarreien der Zukunft betroffen. Darüber hinaus gab es starke Resonanzen gerade in den Regionen, in denen die Menschen und/oder Räte mit dem ersten Entwurf aus verschiedenen Gründen unzufrieden waren. Unsere Annahme war, dass dort, wo der Raumentwurf gepasst hat, eher weniger Anlass zu sein schien, dies zurückzumelden. Daher war uns schon früh klar, dass vor der Versammlung der diözesanen Räte eine weitere, wenn auch kürzere Rückmeldeschleife benötigt wird.

Es war der Teilprozessgruppe darüber hinaus wichtig, dass im Vorfeld der Beratungen am 24. November der aktuelle Stand der Raumgliederung als zweiter Entwurf transparent kommuniziert wird, so dass dann die Mitglieder der diözesanen Räte auch vorbereitet und ausreichend informiert mitdiskutieren können. Durch die frühe Veröffentlichung war es sogar möglich, dass alle diözesanen Räte in einer eigenen Sitzung den Entwurf beraten und diskutieren konnten. 

Es gab sehr viele kritischen Stimmen, wie die Auswertung des Pragma-Instituts zeigt.
Gab es auch Bestätigung des Entwurfs?

Es stimmt, dass ein großer Teil der Rückmeldungen von Unverständnis und Ärger bestimmt waren. Das Presseecho und die vielen Leserbriefe in den regionalen Zeitungen zeugen davon. Und es stimmt auch, dass eine große Zahl eine Reform der Pfarreienlandschaft in dieser Art generell ablehnt.

Alles beim Status quo zu belassen, wie von nicht wenigen gefordert wurde, stand jedoch nicht zur Debatte, denn der Synodentext ist hier klar; und auch die Anzahl in der Größenordnung von 60 Pfarreien der Zukunft, die im Synodendokument stand, ließ sich bei näherer Betrachtung nicht plausibilisieren und mit den prognostizierten Personalentwicklungen, sowie den demographischen und den gesellschaftlichen Entwicklungen in Einklang bringen. Wir hätten Pfarreien der Zukunft bilden müssen, die zum Teil deutlich kleiner gewesen wären, als die größeren jetzigen Pfarreiengemeinschaften. Dies entsprach aber nicht dem Votum der Synode, die sich eindringlich dafür ausgesprochen hat, eben gerade nicht die jetzigen Pfarreiengemeinschaften zu „verlängern und aufzublasen“  Die emotionalen Reaktionen wurden jedoch ab dem Sommer mit dem Thema des Vermögens der Pfarreien der Zukunft vermischt, was die Wahrnehmung noch einmal in dieser Hinsicht verstärkt hat.

Wenn man differenziert auf die Rückmeldungen blickt, gab es relativ wenige konkrete Vorschläge für die Teilung einzelner Pfarreien der Zukunft (PdZ). Diese betrafen u.a. die PdZ Neuwied, Bad Kreuznach, Saarburg. In vielen Rückmeldungen war ein Erschrecken ob der Größe zu spüren, aber auch eine Einsicht in die Notwendigkeit, größer zu denken und die Pfarreien entsprechend zu dimensionieren. Einzelne Rückmeldungen bestätigten ausdrücklich unseren ersten Vorschlag.

Welche Reaktionen gab es auf den zweiten Entwurf?
Die Zeit für eine Rückmeldung zu diesem zweiten Entwurf ist ja nicht allzu lang gewesen.

Wir wollten in der zweiten Rückmeldephase insbesondere eine Rückmeldung der Räte in den Pfarreien des Bistums, daher wurden diese auch direkt informiert und angeschrieben.

Wie zu erwarten war, kamen sehr schnell Rückmeldungen aus den Regionen des Bistums, bei denen eine zum Teil deutliche Änderung gegenüber dem ersten Entwurf vorgenommen wurde. Es sind Lebach und die umliegenden Pfarreiengemeinschaften zu nennen, aber auch die Pfarreien der Oberen Kyll, dem Bereich rund um Schweich oder die Pfarreiengemeinschaft Blankenrath.

Hier sind die Reaktionen auch vielfach emotional, was gerade im Bereich Lebach verständlich ist. Die ersten Reaktionen, Resolutionen und Stellungnahmen zeigen aber eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den im Raum stehenden Fragen, die von einer außerordentlichen Qualität ist. Dies hat mich sehr gefreut und ich habe dies in einigen Telefonaten auch zurückgemeldet.

Die Pfarrorte werden erst im Laufe des nächsten Jahres festgelegt,
obwohl es dazu schon viele Rückmeldungen der Gremien vor Ort gab.
Haben die sich jetzt die Arbeit umsonst gemacht?

Sicherlich nicht! In vielen Brief z.B. vom Mittelrhein wurden viele Argumente für die Pfarrorte geliefert, die nicht in der Schublade verschwinden. Wir benötigen für eine abschließende Klärung dieser Frage jedoch noch eine Präzisierung dessen, was es genau bedeutet, dass der Pfarrort Sitz der Leitung und Verwaltungszentrale sein soll, oder was ein zentrales Pfarrbüro der Zukunft erbringen soll. Es gibt weitere Teilprozessgruppen, die genau an dieser Frage arbeiten; und diese Ergebnisse müssen berücksichtig werden. Ebenso muss auch die örtliche Immobiliensituation der in Frage kommenden Pfarrorte detaillierter in den Blick genommen werden. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Immobilienabteilung des Generalvikariats und ggfls. auch mit den örtlichen Verwaltungsräten. Derzeit planen wir, nach den Sommerferien einen entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten.

Was ist ihr abschließender Eindruck zur bisherigen Resonanz
und was möchten sie empfehlen?

Mein Eindruck ist: Die Synode ist im Bistum angekommen. Die vielen Rückmeldungen bedeuten in meinen Augen, dass vielen Menschen Kirche am Ort wichtig ist. Es war beeindruckend zu merken, wie viel Herzblut zwischen den Zeilen zu spüren war. Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass mich auch der Ton mancher Äußerung, das Misstrauen der bischöflichen Behörde gegenüber und auch schlicht manche Unterstellung, die auf falschen oder mangelnden Informationen beruhen, erschreckt hat.

Ich selbst bin Pfarrer in einer ländlichen Pfarrei, die sich vor zwei Jahren aus ehemals acht Pfarreien zusammengeschlossen hat, und kann deshalb viele Ängste nachempfinden. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich aber auch sagen, dass kirchliches Leben nicht maßgeblich an den Strukturen hängt, sondern an den Menschen und deren Bereitschaft liegt, aufzubrechen und sich herausrufen zu lassen. Und wenn wir Strukturen anpassen und Raumgrenzen verändern, heißt das nicht, dass ehren- oder hauptamtliches Engagement nicht wertgeschätzt würde, ganz im Gegenteil.
Gerade die ersten Rückmeldungen der zweiten Phase machen mir viel Mut, dass es ein ernsthaftes und faires gemeinsames Ringen um den weiteren Weg gibt. Diesen Weg sollten wir weiter beschreiten.

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