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Te Deum laudamus – Gott aufrichtig loben und danken

Silvesterpredigt 2020 im Trierer Dom

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! (Phil 4,4-9)

Zum Jahresschluss gehört nicht nur hier im Dom, sondern auch in unseren Pfarreien der Brauch des Te Deum, des großen Lobgesangs Te Deum laudamus (Dich, Gott, loben wir). Nach den beiden Anfangsworten wird er ja Te Deum genannt. Das Te Deum wird aber in der Regel nicht in seiner langen, wörtlichen Form gesungen (vgl. GL 679, 2.5.7), sondern – nachdem die ersten drei Worte lateinisch angestimmt sind – in der Form des Liedes Großer Gott, wir loben dich. Während des Gesangs werden traditionell alle Glocken geläutet, und es wird geschellt, um so den festlichen Dank zu verstärken.

Abgesehen davon, dass wir in diesem Jahr den Gesang nicht gemeinsam singen dürfen, sondern er von der Schola vorgesungen wird, stellt sich die Frage, ob Sie überhaupt in der Stimmung sind, das Jahr 2020 mit einem lauten Danklied zu beenden … Das Jahr 2020 war ein in vieler Hinsicht bewegtes und belastetes Jahr. Die vielen Jahresrückblicke der letzten Tage haben uns das noch einmal vor Augen geführt. Ich brauche hier keinen weiteren Jahresrückblick anzufügen.

Bewegung in der Pfarreienreform

Ich will in dieser Stunde nur daran erinnern, dass 2020 auch für die Entwicklung in unserem Bistum kein einfaches Jahr war. Vielleicht ist es aber bei der Bistumsentwicklung so ähnlich wie mit der Entwicklung und Zulassung des Impfstoffs, der das Jahr immerhin mit einem Lichtblick enden lässt: Nach der Aussetzung des Gesetzes zur Pfarreienreform durch die römischen Behörden und dem dadurch verursachten Stillstand („Lockdown“) konnten wir Ende Oktober nach vielen Überlegungen und Beratungen Schritte zu einer veränderten Umsetzung in den Blick nehmen, die zu Beginn des Neuen Jahres angegangen werden können. Es kommt also Gott sei Dank wieder Bewegung in das Thema. Allerdings werden auch die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie ihre eigene Dynamik entfalten. Das ist bei der Vorstellung des Haushaltsplans 2021 durch den Generalvikar schon deutlich geworden.

Ritual oder begründete Dankbarkeit

Liebe Schwestern und Brüder,
in den großen Horizont der globalen, gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen ist unser persönliches Leben eingebettet. Jeder einzelne von uns ist von diesen Entwicklungen mehr oder weniger betroffen.

Am stärksten berühren uns natürlich die Dinge, die sich – positiv und negativ – in unserem unmittelbaren Umfeld ereignet haben. Von ihnen wird es daher wesentlich abhängen, ob wir mit einem Grundgefühl der Dankbarkeit dieses Jahr abschließen und ins Neue Jahr gehen können, oder ob wir im Blick auf 2020 einfach froh sind, dass es vorbei ist und hoffen, dass das Jahr 2021 positivere Erlebnisse und Möglichkeiten bereithält als das zu Ende gehende Jahr.

Von der Antwort auf diese Frage wird es abhängen, ob man den Eindruck hat, das Te Deum im Jahresschlussgottesdienst ist halt ein Ritual, das dazugehört, aber in diesem Jahr nicht der Ausdruck des eigenen Empfindens ist, oder ob es eben doch – trotz aller Belastungen – Grund gibt, Gott aufrichtig zu loben und zu danken.

Nicht nur eine übliche Formulierung

Lassen Sie mich dazu eine persönliche Bemerkung machen:

Wenn ich in bestimmten Situationen nicht richtig weiß, wie ich die Frage „Gibt es Grund zu danken oder nicht?“ beantworten soll, hilft mir der Blick auf eine bestimmte Stelle im Evangelium. Sie kommt in jeder Messe vor. Sie leitet nämlich den sogenannten Einsetzungs- oder Abendmahlsbericht ein. Dort heißt es: Denn in der Nacht, da er (Jesus) verraten wurde, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es und reichte seinen Jüngern (III. Hochgebet der Messe/ vgl. Mk 14,23 par). Fast jedes Mal, wenn ich diese Stelle höre oder selbst spreche, wundere ich mich darüber, wie es sein kann, dass Jesus in der Nacht seines Verrates, den er ja schon kommen sieht, Gott, seinem Vater, Dank sagt.

Dass Jesus nicht einfach hinschmeißt, sondern dem Auftrag des Vaters und der Freundschaft zu den Jüngern trotz aller Widerstände treu bleibt, das verstehe ich. Aber in dieser Situation Gott, dem Vater, auch noch dankbar zu sein, das muss einen doch wundern. Denn wir ahnen, dass es hier nicht bloß um eine übliche Formulierung in einem Tischgebet geht. Es geht nicht bloß um den Dank dafür, dass etwas zum Essen auf dem Tisch steht. In der Geste, das Brot zu nehmen, es zu brechen und zu verteilen, ist vielmehr das ganze Geschick Jesu realsymbolisch dargestellt. So gesehen gibt es rein menschlich keinen Grund, dafür auch noch zu danken.

Jesus tut es trotzdem, weil es seiner innersten Haltung entspricht. D. h.: Er tritt auch in dieser bedrängenden Situation nicht aus seiner liebenden Beziehung zu Gott heraus. Wie kommt das?

Jesus (und nach ihm jeder Beter, der in schwierigen Situationen zunächst Gott dankt) bringt damit zum Ausdruck, dass er Gott zutraut, dass auch die schwierigste Situation irgendeinen Sinn hat, ja dass Gott sie möglicherweise noch ins Gute wenden kann, auch wenn der Betende dies selbst nicht sieht und nicht für möglich hält.

Der Dank, den Jesus im Abendmahlssaal dem Vater abgestattet, ist kein Dank, der voller Jubel und Halleluja ist. Und es ist auch nicht so, als ob Jesus die Realität nicht sehen würde. Nein, das Danken Jesu im Abendmahlssaal ist ein nüchterner Dank, der im Tiefsten nichts anderes ist als der Ausdruck seines unbändigen Vertrauens zu Gott, seinem Vater.

Dankbarkeit und Friede

Eben in der Lesung aus dem Philipperbrief haben wir gehört, wie Paulus die Haltung, um die es hier geht, in die wunderbaren Worte fasst: „Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.“ (Phil 4,6bf) Dankbarkeit und Friede sind im Grunde zwei Namen für ein und dieselbe Empfindung.

Liebe Schwestern und Brüder!

Können wir in diesem Sinn nicht auch am Ende des Jahres 2020 ein ehrliches Te Deum laudamus singen? Ich wünsche es jedem und jeder einzelnen von Ihnen von Herzen. Schließlich ist auch das Te Deum kein leichtfüßiges, oberflächliches Jubellied. Vielmehr ist es ein Lied, das sehr wohl um die Zerbrechlichkeit und die Bedrängnisse des menschlichen Lebens weiß.

Deshalb endet es mit den Versen:

Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe;
und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit …
Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Lass über uns dein Erbarmen geschehen,
wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr,
haben wir unsere Hoffnung gesetzt.
In Ewigkeit werden wir nicht zuschanden. Amen

Weiteres:

Silvester 2020

in der Predigt