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Fiat Lux

Kurz nach ihrem 90. Geburtstag verstarb am 24.02.2019 Erika Bertschinger, die als "Prophetin Uriella" den umstrittenen "Orden Fiat Lux" gegründet hat. Durch ihre düsteren Prophezeiungen, die sie angeblich von Jesus selbst erhalten haben will und ihre Visionen vom angeblich kurz bevorstehenden Weltuntergang im Jahr 2000 ist sie viele Jahre lang immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Auch ihre umstrittene Tätigkeit als "Heilerin" und eine Reihe von Strafverfahren waren dafür Anlässe. In den letzten Jahren ist es um "Fiat Lux" ruhig geworden, viele Anhänger haben den "Orden Fiat Lux" verlassen. Ob "Icordo", Bertschingers Ehemann, die Lücke füllen kann, die durch den Tod von "Uriella" enstanden ist, und ob der "Orden Fiat Lux" über den Tod seiner "Prophetin" hinaus überhaupt Bestand haben wird, ist fraglich.

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    Der "Orden Fiat Lux"

    "Die Gründung erfolgte am 12.01.1980 durch Jesus Christus über sein Sprachrohr Uriella in seinem Heiligtum in Egg“, heißt es in einer Broschüre des "Ordens". Sein "Sprachrohr" war "Uriella", die aus Zürich stammende Erika Bertschinger, geb. Gessler (1929 - 2019). Sie hatte schon früh Kontakte zu Medien und Neuoffenbarern in England und den USA und war Mitglied der "Geistigen Loge Zürich". Nach einem schweren Reitunfall 1973 mit schweren Kopfverletzungen wurde Frau Bertschinger „hellsehend“. Bei einem Aufenthalt im „Lichtzentrum Bethanien“, einer Einrichtung in der Schweiz hat sie angeblich am 24/25.12.1975 ihre erste Offenbarung in Tieftrance empfangen. Nach dem Tod ihres ersten Mannes gründete sie in Egg/Kanton Zürich ein Heiligtum als Mittelpunkt der neu um sie entstehenden Bewegung. In den ersten Gottesdiensten, die sie dort arrangierte, gab sie unter der Selbstbezeichnung "Uriella" (abgeleitet vom Erzengel „Uriel“) ihre Offenbarungen weiter. Sie verstand sich als direktes Sprachrohr Jesu Christi. Späterwurde das sog. Heiligtum als Ausgangs- und Zentralpunkt der Bewegung an seinen heutigen Standort nach Ibach-Lindau im Südschwarzwald verlegt.
    Ab 1984 baute der spätere Ehemann von Erika Bertschinger, Kurt Warter, ein ehemaliger katholischer Priester, die Organisation aus und systematisierte die Offenbarungen. Kurt Warter, der sich "Uriello" nannte, verunglückte 1988 tödlich. Erika Bertschinger alias "Uriella" verstarb am 25.02.2019 nach langer Krankheit. "Fiat Lux" wird seit dem von Uriellas letztem Ehemann Eberhard Eicke, der sich "Icordo" nennt,  weiter geführt. Er wurde 1940 in Niedersachsen geboren. Er ist seit Herbst 1987 Mitglied bei Fiat Lux und war seit Mai 1991 mit Uriella verheiratet. Vor seinem Eintritt in den "Orden" war er im Marketing diverser Firmen der Lebensmittel- und Kosmetikbranche tätig.  

    Die Lehre von „Fiat Lux“ beruht auf Uriellas Neuoffenbarungen, die in Ich-Form von Jesus oder Maria als eingegeben vorgestellt werden. Sie wollen einen tieferen Einblick in Gottes Pläne vermitteln und zur Umkehr vor dem Weltende anleiten. Die Lehre besteht vor allem aus einer Mischung von Reinkarnationslehre, Karmadenken, Farbenlehre, spiritistischen Quellen, alternativer Medizin und ökologischen Ideen.
    Positive und negative „Strahlungen“ beherrschen diese Weltanschauung. Durch helle, weiße Kleidung meinen die Anhänger, sich vor Negativstrahlungen schützen und die positiven Strahlungen anziehen zu können. Die Lehre wird als göttlich offenbart vorgestellt und bedient sich christlicher Begriffe und Symbolik. Als einzige Vermittlerin dieser Lehre trat Erika Bertschinger auf. Ihre Offenbarungen nehmen für sich in Anspruch, das gesamte Bibelwissen und alle Weisheitsbücher der Erde übertreffen zu können. Daraus wird für die Anhänger von Fiat Lux, die sog. "Lichträger", ein nichthinterfragbarer Wahrheitsanspruch abgeleitet. Die angeblich bevorstehende Endzeitkatastrophe, die im Zentrum dieser Offenbarungen steht, trifft demnach alle Menschen. Einig die Mitglieder der Bewegung können die Hoffnung auf Rettung durch eine Vielzahl von Raumschiffen haben, die sie von der Erde holen sollen.

    Die Ordensregel „Beugung unter den göttlichen Willen“ verlangt im Wesentlichen, die Offenbarungen, wie sie Frau Bertschinger vorlegt, widerspruchslos zu befolgen. In Kleidung, Ernährung, bis hin zu geistigen Namen, Meditationspraxis u. a. ordnen sich die Mitglieder in ihrer Lebensführung diesen "Offenbarungen" unter.

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    Juristische Auseinandersetzungen

    1991 wurde „Fiat Lux“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, denn der WDR-Journalist Felix Kuballa berichtete in einer Fernsehreportage unter dem Titel „Gesucht wird... das Sprachrohr Gottes“ über Uriella und ihren „Orden“. Hatte Fiat Lux ursprünglich gehofft, durch den Film positive Publicity zu erhalten, musste die Gemeinschaft erleben, dass der äußerst kritische Bericht Ermittlungen der Justiz nach sich zog, die sich vor allem mit Uriellas Tätigkeit als Heilerin befassten. Die Heiltätigkeit Uriellas war seither immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen mit den Behörden. Neben Medikamentenschmuggel wurde Uriella v.a. vorgeworfen, den Tod zweier Anhängerinnen verschuldet zu haben, denen sie von einem möglicherweise lebensrettenden Arztbesuch abgeraten haben soll. Uriella betrieb seit Anfang der 80er Jahre in Schwellbrunn/Kanton Appenzell-Ausserrhoden eine Naturheilpraxis. In Deutschland hatte sie zwar ebenfalls Heilungen vorgenommen, sie war jedoch nicht als Heilpraktikerin staatlich anerkannt. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim fällte 1994 das Urteil, dass von Uriella eine „Gefahr für die Volksgesundheit“ ausgehe, „weil sie in grenzenloser Selbstüberschätzung ihrer Fähigkeiten“ behaupte, alle Krankheiten ohne körperliche Untersuchung und durch Gottes Kraft heilen zu können. Bei den Diagnosen, die auch als Ferndiagnosen möglich sind, berief sich Frau Bertschinger auf ihre hellseherischen Fähigkeiten und Offenbarungen. Als Heilmittel wurde ein Heilwasser empfohlen, das Frau Bertschinger mit dem sog. Athrumsstrahl, d. h. kosmischen Energien auflud, sowie weitere „Medikamenten“ aus der „Apotheke Gottes“. Vom Vorwurf, den Tod der beiden Anhängerinnen verschuldet zu haben, wurde Uriella jedoch 1996 vom Landgericht Waldshut aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Hinzu kam ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung, das sogar mit einer Hausdurchsuchung in Lindau einherging. Außerdem wurde Uriella am 29. Juni 1994 die Ausübung der Heilkunde mit Androhung eines Zwangsgeldes von 20 000 DM im Falle des Verstoßes gegen die Verfügung untersagt. Widersprüche wurden kostenpflichtig zurückgewiesen.

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    Düstere Prophezeiungen

    Aufsehen erregte Uriella auch immer wieder mit ihren düsteren Prophezeiungen. Am 8. August 1998 veröffentlichte „Fiat Lux“ eine Pressemitteilung, in der Uriella vor gigantischen Katastrophen warnte: „Im August 1998 werden der Mord an einem wichtigen Regierungsoberhaupt, der Weltbörsencrash mit dem anschließenden Weltwirtschaftszusammenbruch, zufolge Computerviren, sowie der Einmarsch der Russen in Deutschland erfolgen. Nach 3 Monaten wird ein Meteorit in die Nordsee fallen. Die davon betroffenen Küstenländer werden für immer im Meer verschwinden. (...) Eine mehrere hundert Meter hohe Flutwelle wird sich mit Jetgeschwindigkeit ausbreiten.“ Vorausgesagt wurden außerdem Vulkanausbrüche und Seebeben. Los Angeles und Hollywood würden im Atlantischen Ozean (sic!) verschwinden. Doch der August 1998 ging relativ undramatisch vorüber, sodass sich „Fiat Lux“ genötigt sah, am 3. September eine weitere Presseerklärung herauszugeben. Titel: „Kurzer Aufschub für die allerletzte Reinigungsphase der Erde von Gott gewährt. - Uriella ist eine wahre Prophetin“. Dennoch wurden die Drohungen wiederholt: „In wenigen Monaten werden sich auch jene Prophezeiungen verwirklichen, die aus Gnade unseres SCHÖPFERS nun aufgeschoben wurden. (...) Ende 1999 wird die grosse Prüfungszeit beendet sein. Das übrig gebliebene Drittel der Menschheit, also etwa 2 Milliarden Bürger, sollen dann auf dieser Erde ein ‚Goldenes Zeitalter´ erleben.“ Doch auch das Jahr 1999 verstrich ohne die beschriebenen Katastrophen.

    Nachdem auch das Jahr 2000 ohne Weltuntergang auskam, wurde in der internen Zeitschrift "Der reinste Urquell" die "Gnadenzeit zur Bewährung" ausgerufen. Das Ausbleiben der Endzeit wurde folgendermaßen begründet: "Am Schachbrett des Weltgeschehens" säßen „zwei polare Mächte: Licht und Finsternis." Deshalb werden „die göttlichen Projektierungen (...) laufend jenen des Widersachers angepasst.“ Das heißt also konkret, dass Gott das Weltgeschehen eben wie ein Schachspiel mit Rücksicht auf die Züge des Gegners lenkt - eine theologisch haarsträubende Aussage, denn Gott wäre ja dann in gewisser Weise dem Willen Satans unterworfen!

    Nach diesen Fehlschlägen veröffentlichte Uriella keine Offenbarungen mehr, die ein konkretes Datum für die angeblich kurz bevorstehende kosmische Katastrophe enthielten. Vielmehr erhielt sie angebliche eine Offenbarung Jesu, die das begründet: "Über die Konsequenzen, die für Mitteleuropa erwachsen, will ICH keine Prognosen stellen, denn ICH kenne eure Mentalität! Lasst euch überraschen!".

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    Neuere Entwicklungen

    Zu Beginn des neuen Jahrtausends geriet der „Orden Fiat Lux“ eine schwere Krise: Die hohen Geldstrafen, das durch die falschen Prophezeiungen angeschlagene Image sowie die relativ zahlreichen Austritte und Ausschlüsse hatten Fiat Lux stark geschwächt. Hinzu kamen nach Ansicht von Sekten-Experten Machtkämpfe um die Nachfolge Uriellas nach deren Tod. 2002 wurden sogar die Offenbarungen eingestellt.

    Kurz vor ihrem 75. Geburtstag meldete sich Uriella 2004 noch einmal in der Öffentlichkeit zurückt. Gemeinsam mit ihrem Gatten „Icordo“ (Eberhard Bertschinger-Eicke) trat sie am 19. Januar in einem Zürcher Lokalfernsehen auf und gab folgendes bekannt: Jesus Christus habe ihr am 28. Dezember 2003 offenbart, dass eine „außerordentlich dramatische“ Zeit bevorstehe, denn „ein blutrünstiger Falke“ plane „seinen Einflug vom Nahen Osten nach Europa“. Dieser „blutrünstige Falke“ sei ein Symbol für die USA. Deren Präsident George W. Bush sei nur eine Marionette und Schachfigur „superproblematischer“ Kräfte. Jeder Christ sei inzwischen aufgerüttelt, weil Bush zwar laufend das Wort „Gott“ in den Mund nehme, aber in Wahrheit schwarzmagischen Ritualen huldige, und dies mit Hilfe von Hostien, die aus katholischen Kirchen entwendet worden seien. Europa drohten Zustände wie im Irak, denn Uriella habe „Einblick in die Unterwelt“, d.h. Bergwerke, die als gigantische Munitionslager dienten. Die USA wollten deshalb gegen Europa vorgehen, weil der starke Euro eine Bedrohung für die amerikanische Wirtschaft darstelle. Vom Moderator auf die nicht gerade hohe Treffsicherheit ihrer bisherigen Prognosen angesprochen, verteidigte sich „Uriella“ mit dem Hinweis, dass ihre Voraussagen deshalb falsch sein könnten, weil Naturgeister ihr Eintreffen verhinderten. Angesprochen wurden auch die sinkenden Mitgliederzahlen bei „Fiat Lux“. Icordo und Uriella behaupteten zwar, dass der Mitgliederbestand für den "Orden" keine Rolle spiele, immerhin gaben sie aber zu, dass "ein Kommen und Gehen" herrsche und längst nicht mehr alle Anhänger – wie eigentlich früher verlangt – zum "Gottesdienst" kämen. Im Übrigen sei der angebliche Mitgliederschwund die Theorie von "so genannten Sektenexperten".

    Zweierlei war an dem Auftritt des Ehepaars Bertschinger-Eicke interessant: Zum einen empfing "Uriella" zwischenzeitlich wieder offiziell göttliche Botschaften, nachdem diese zu Beginn des Jahres 2002 versiegt waren. Das sorgte unter ihren Anhängern für erhebliche Unruhe. Zum anderen war das Eingeständnis, dass es im "Orden Fiat Lux" ein "Kommen und Gehen" gäbe, ein recht deutlicher Hinweis darauf, dass die Gemeinschaft viele ihrer Anhänger verloren hatte. "Uriella" hatte, abgesehen von ihren treusten Anhängern, deutlich an Ausstrahlung und Bindungskraft verloren.

    In den letzten Jahren vor Uriellas Tod am 24.02.2019 wurde es ruhig um „Fiat Lux“ und Uriella. Immer wieder brodelte die Gerüchteküche. Es wurde bekannt, dass Uriella schwer erkrankt war, auch wenn offiziell nur die Rede von einem Klinikaufenthalt wegen Zahnbehandlung war. Die Live-Offenbarungen wurden eingestellt, so dass es bei den Treffen von "Fiat Lux" nur Tonband-Konserven zu hören gab. Icordo jedenfalls stellte diese Entwicklungen so dar, als habe sich der "Orden Fiat Lux" ganz bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Er stellt jedoch in Aussicht,  man werde "in alter Frische" (O-Ton Icordo) in in die Öffentlichkeit zurückkehren, vor allem in Form Fernsehauftritten. Genaue Daten wollte er jedoch nicht nennen. So drängte sich der Eindruck auf, dass der Rückzug aus der Öffentlichkeit keinesfalls freiwillig erfolgte. Der – für das Image einer Heilerin nicht unwesentliche – Gesundheitszustand Uriellas war offenbar schlechter, als es dem "Orden" lieb sein konnte.

    Die Leitung des "Ordens Fiat Lux" hat seit dem Tod von Uriella ihr Ehemann Icordo übernommen. Ob er die Lücke füllen kann, die durch den Tod von "Uriella" enstanden ist, und ob der "Orden Fiat Lux" über den Tod seiner "Prophetin" hinaus überhaupt Bestand haben wird, ist fraglich. Dafür spricht auch die geringe Zahl der überwiegend älteren Anhänger von "Fiat Lux", die an der Beerdigung von "Uriella" in Ibach teilnahmen.

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    Einschätzung

    Die Fixierung auf die angeblich höheren Erkenntnisse von „Uriella“ kann zur Einschränkung der Wirklichkeitswahrnehmung und Eigenverantwortung führen und Menschen dazu bringen, eigene Antworten auf zentrale Lebensfragen selbstständig erst gar nicht zu suchen. Die Möglichkeit, aus der christlichen Botschaft des Evangeliums heraus in kleinen und realistischen Schritten an der Gestaltung und Verbesserung der eigenen Lebenssituation und auch der „Lage der Menschheit“ mitzuarbeiten, wird durch die Vorstellungswelt und die angeblich höheren Gewißheiten und Überzeugungen von Fiat Lux und ihrer Leitfigur verhindert. Trotz des teilweise christlichen Wortgebrauchs ist die von Fiat Lux vertretene Lehre in wesentlichen Punkten nicht mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren. Höchste Vorsicht ist daher angesichts vieler problematischer Lehren von "Fiat Lux" geboten. Das gilt auch für den überhöhten Geltunganspruch der den angeblichen "Offenbarungen" von Frau Bertschingers im "Orden Fiat Lux" nach wie vor beigemessen wird.

Zuletzt bearbeitet am 2. April 2019

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