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Mormonen

Die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage"

Den Missionaren der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ (HLT) begegnet man auf den Straßen und Plätzen größerer Städte oder wenn sie an der Haustür klingeln. Es sind meist junge Männer, die seriös gekleidet sind und schwarze Namensschilder tragen. 

Entstehung und Geschichte
Der Gründer der Mormonen ist der Amerikaner Joseph Smith (1805-1844). Seit seiner Jugend suchte er nach der einen, wahren Kirche. Er berichtet, dass ihm im Alter von 14 Jahren in einem Wald Gott Vater und Jesus Christus erschienen seien. Gott habe ihm mitgeteilt, dass in seinen Augen die Glaubensbekenntnisse aller Kirchen ein Gräuel seien und Smith sich keiner dieser Kirchen anschließen solle.
In den darauf folgenden Jahren sei ihm, so Smith, mehrmals ein Engel namens Moroni erschienen, der Sohn eines amerikanischen Propheten mit Namen Mormon aus dem fünften Jahrhundert. Der Engel habe ihm im Jahr 1827 einen Stapel goldener Platten übergeben, die in einer geheimnisvollen Schrift verfasst und mehrere hundert Jahre versteckt gewesen sein sollen. Mit Hilfe einer besonderen Brille, die bei den Platten lag, sei es ihm gelungen, den Text zu übersetzen. Die Platten habe er, entsprechend der Weisung des Engels Moroni, wieder zurückgeben müssen. Den übersetzten Text der goldenen Platten veröffentlichte Smith 1830 als „Das Buch Mormon“. Daraus leitet sich der Name „Mormonen“ ab. Im selben Jahr gründete er eine neue Kirche, die seit 1838 „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ heißt. In dieser Kirche war Smith „Oberster Priester, Seher, Prophet, und Offenbarer“.
Joseph Smith wurde 1844 wegen der von ihm eingeführten und praktizierten Vielehe gelyncht. Unter Leitung von Brigham Young (1801-1877), seinem Nachfolger, zogen die Mormonen in den Westen der USA, in das Salzseetal der Rocky Mountains. Ihr Siedlungsgebiet wurde 1896 als Bundesstaat Utah in die USA aufgenommen. Vorbedingung dafür war allerdings die Abschaffung der bis dahin praktizierten Vielehe. Hauptstadt des Staates und weltweiter Hauptsitz der Mormonen ist bis heute Salt Lake City.

Heutige Situation

Heute gibt es mehrere voneinander unabhängige Mormonenkirchen. Die größte und wichtigste ist die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" (HLT), die weltweit über 14 Mio. Mitglieder hat. In Deutschland, wo 1843 die erste Gemeinde gegründet wurde, sind es etwa 39.000 (Stand: 2011).
An der Spitze der HLT steht der Präsident, der die Ämter des „Obersten Priesters, Sehers, Propheten, und Offenbarers“ innehat. Er hat nach mormonischem Verständnis eine direkte, exklusive Verbindung zu Gott. Der Präsident ist der Dienstälteste von 15 Aposteln, die das höchste Gremium, die  „Erste Präsidentschaft“ und das zweithöchste Gremium, das „Kollegium der zwölf Apostel“ bilden. Die örtlichen Gemeinden werden von Bischöfen geleitet. Mehrere Gemeinden bilden einen sog. „Pfahl“.
Die HLT finanziert sich aus Spenden, die meisten Ämter und Aufgaben werden ehrenamtlich ausgeübt.

Mission und Ahnenforschung
Nach Überzeugung der Mormonen  können nur getaufte Mormonen das Heil erlangen. Dieses exklusive Heilsverständnis ist der Grund, aus dem den Mormonen die Missionstätigkeit ausgesprochen wichtig ist. So sollte jeder  junge Mormone als Missionar eine selbst finanzierte ein- bis zweijährige Vollzeitmission in den Missionsgebieten der HLT erfüllen. Auch die mit enormem Aufwand betriebene Ahnenforschung dient dazu, die Lebensdaten von Verstorbenen zu Missionszwecken ausfindig zu machen. Diese Verstorbenen werden nachträglich stellvertretend mormonisch getauft und in die HLT eingegliedert. Selbst dann, wenn sie zu ihren Lebzeiten anderen Religionen angehörten. Dieses Vorgehen stößt nicht nur bei den Angehörigen anderer Religionen immer wieder auf Befremden, Kritik und Ablehnung. Nach heftigen Protesten gegen die mormonische Totentaufe von Anne Frank erklärte die HLT 2012, künftig keine Juden mehr nachträglich mormonisch zu taufen, die im Holokaust ermordet wurden.

Die Glaubenslehren der Mormonen

• Heilige Schriften und Offenbarungen
Für alle Mormonen ist das Buch Mormon die Grundlage ihrer Religion. Darin wird geschildert, dass Jesus Christus nach seiner Auferstehung auch in Amerika erschienen sei, um hier eine Kirche zu gründen. Neben der Gründungsurkunde, dem Buch Mormon, spielen noch weitere Visionen Smiths und seiner Nachfolger eine wichtige Rolle. Sie sind in den Büchern „Lehre und Bündnisse“ sowie „Die köstliche Perle“ dargelegt.
Die Bibel spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. Sie wird als fehlerhaft überliefert betrachtet und muss nach Ansicht der Mormonen durch weitere göttliche Offenbarungen ergänzt und berichtigt werden.
Dazu gehören auch die Offenbarungen, die der Präsident der HLT als „lebender Prophet“ empfängt. Diese Offenbarungen sind nach Überzeugung der Mormonen allen bisherigen Offenbarungen übergeordnet, auch dem Buch Mormon.

• Mensch und Gott
Mormonen glauben, dass alles Sein und Werden einem unveränderlichen, universellen „Gesetz des immerwährenden Fortschritts“ (Law of eternal progression) unterworfen ist. Dieses Gesetz gilt sogar für Gott.
Die christliche Vorstellung des einen dreifaltigen Gottes lehnen die Mormonen ab. Stattdessen sehen sie in Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist nicht den einen Gott, sondern drei verschiedene Gottheiten. Gott war nach Lehre der Mormonen nicht von Anfang an Gott, sondern vor unendlich langer Zeit ein unvollkommener und sterblicher Mensch, der sich durch das „Studium der kosmischen Gesetze“ zur Gottheit emporgearbeitet hat. Seine menschliche Gestalt veränderte sich dabei allerdings nicht: Gott ist immer noch ein Wesen mit „Fleisch und Bein, Gliedmaßen und Emotionen“ und residiert auf dem Planeten „Kolob“ in der Sternengruppe der „Kokaubeam“.
Vor ihrer Geburt haben die Menschen nach Vorstellung der Mormonen als Geister bei Gott Vater gelebt. Damit die Menschen Gott gleich werden können, habe Gott den Plan aufgestellt, der es den „Geistern“ ermöglicht, auf die Erde zu kommen. Während des Erdenlebens besteht für den Menschen daher die Möglichkeit, durch strenges Einhalten der Gebote, die für die Mormonen verbindlich sind, Gott ähnlich zu werden. Dies geschieht nach dem Tod. Nach dem Aufenthalt in einem Zwischenreich (Geisterwelt) und der Auferstehung leben die Menschen in einem vollkommenen unsterblichen Körper in der „celestialen Herrlichkeit“.
Der frühere Mormonenapostel Melvin Ballard (1873–1939) erklärt dazu in seinem Buch „Die drei Grade der Herrlichkeit“: „Das Gottwerden liegt in der Reichweite jedes Menschen; aber nur die werden es erlangen, die den Preis bezahlen, die Prüfung  bestehen und sich als würdig erweisen, indem sie alle Vorschriften und Bedingungen erfüllen“. Mit „Prüfung“ ist hier die Zulassung zum Tempeldienst gemeint.

• Taufe und Tempeldienst
Die Mormonen vollziehen die Taufe bei Kindern ab acht Jahren. Wer als Erwachsener Mormone wird, wird ebenfalls getauft. Die Taufe der christlichen Kirchen erkennen die Mormonen nicht an. Die HLT kennt zwei Priestertümer, das einfache „aaronische“ und das höhere „melchizedekische Priestertum“.
In den Gemeindehäusern der Mormonen finden die sonntäglichen Gottesdienste statt. Diese Gemeindehäuser stehen auch Nicht-Mormonen offen. Daneben haben die Mormonen Tempel als „besondere Heiligtümer“. Nur Mormonen, die einen „Tempelschein“ vorweisen können, haben Zutritt zum Tempel. Dort werden Rituale vollzogen, die geheim gehalten werden und über die Mormonen außerhalb des Tempels nicht sprechen dürfen. Dazu gehört  die sog. Siegelung, eine Eheschließung, die auch nach dem Tod weiter besteht. In der Totentaufe können Mormonen stellvertretend sakrale Handlungen für bestimmte Verstorbene an sich vollziehen lassen. Auf diese Weise sollen auch die Menschen gerettet werden, die zu ihren Lebzeiten keine Möglichkeit hatten, mit der „wahren Kirche der Heiligen der letzten Tage" in Kontakt zu kommen.
Diese und andere Rituale gehören zum sog. Tempeldienst und dürfen auch nur dort vollzogen werden. Die geheimen Tempelrituale bilden eine Mischung aus altjüdischem Tempelkult, Esoterik, sowie magischen und freimaurerischen Elementen. Durch häufige Teilnahme an diesen Ritualen erfüllt der Mormone das "Werk". So steigt er zur „himmlischen Herrlichkeit" auf und kann schließlich den Status eines „Gottes" erreichen.

Lebenspraxis
Die Mormonen legen großen Wert auf ein intensives Familienleben. Wöchentliche Familienabende montags, der sonntägliche Gottesdienst sowie zahlreiche weitere Versammlungen sind fester Bestandteil des Alltags der Mormonen. Viele Mormonen engagieren sich ehrenamtlich für ihre Kirche, die nur relativ wenige hauptamtliche Mitarbeiter hat. Die Mormonen verzichten aus religiösen Gründen auf den Genuss von schwarzem Tee und Kaffee sowie auf Alkohol und Nikotin.
Joseph Smith selbst praktizierte die Vielehe. Bis zum Jahr 1890 war es Mormonen erlaubt, bis zu zehn Frauen zu heiraten. Seit dem ist in der HLT die Polygamie verboten.

Die Mormonen aus christlicher Sicht

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ versteht sich selbst zwar als „die einzige wahre christliche Kirche auf Erden“, die erst 1830, nach hunderten von Jahren des Niedergangs wieder hergestellt worden sei. Aus Sicht der ökumenisch verbundenen christlichen Kirchen handelt es sich bei den Mormonen jedoch nicht um eine christliche Konfession, sondern um eine eigenständige neue Religion, die viele der grundlegenden gemeinsamen Überzeugungen der christlichen Kirchen nicht teilt. Aus diesen Gründen sind zwischen den Mormonen und den christlichen Kirchen keine ökumenischen Beziehungen möglich. Auch die Taufe der Mormonen wird von den christlichen Kirchen nicht als christliche Taufe anerkannt. Viele der zahlreichen mormonischen Sonderlehren sind mit einer christlichen Glaubens- und Lebenssicht nicht zu vereinbaren. Dazu gehören vor allem die besonderen Offenbarungsschriften, die geheimen Tempelrituale und die Übernahme von Elementen aus nichtchristlichen Religionen und Weltanschauungen.

Stand: September 2012

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