Fasten hat im Judentum eine lange Tradition und ist eng mit Buße, innerer Einkehr und Versöhnung verbunden. Der bedeutendste Fastentag ist Jom Kippur, der „Tag der Versöhnung“. Er gilt als der heiligste Tag des jüdischen Jahres und ist der einzige Fastentag, der ausdrücklich in der Tora festgelegt ist. An diesem Tag enthalten sich Jüdinnen und Juden vollständig von Essen und Trinken, um ihre „Seele zu betrüben“ und sich ganz auf Reue, Gebet und die Rückkehr zu Gott zu konzentrieren.
Auch andere Fasttage – etwa Tischa beAw, der an die Zerstörung der beiden Tempel erinnert, oder das Esther‑Fasten, das an Esthers Fürbitte für ihr Volk erinnert – dienen der Besinnung auf historische Ereignisse, dem Ausdruck von Trauer oder der persönlichen Läuterung. Fasten wird dabei als ein bewusster Akt verstanden, der helfen soll, Gottesnähe neu zu suchen, die eigene Lebensführung zu reflektieren und moralische Erneuerung zu ermöglichen. Es ist nicht nur ein körperlicher Verzicht, sondern immer auch verbunden mit Gebet, Wohltätigkeit und dem Bemühen um innere Veränderung.
Insgesamt versteht das Judentum Fasten als eine Form der spirituellen Reinigung und Selbstdisziplin, die dem Menschen hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen und die Beziehung zu Gott zu erneuern.