Das Fasten nimmt im Bahá’í‑Glauben einen zentralen Platz ein und gilt – neben dem Gebet – als eine der wichtigsten religiösen Praktiken. Jedes Jahr verzichten Bahá’í im Monat Ala (2.–20. März) zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen und Trinken, um sich innerlich zu sammeln und ihre geistige Kraft zu erneuern.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht der körperliche Verzicht selbst, sondern seine geistige Bedeutung. Die Fastenzeit wird als Phase der Meditation, des Gebets und der inneren Erneuerung verstanden, in der Gläubige ihr Leben ordnen, schädliche Gewohnheiten ablegen und sich stärker auf ihre spirituellen Ziele ausrichten. Sie ist eine Gelegenheit, Abstand vom Alltag zu gewinnen und sich auf das Wesentliche zu besinnen – auf die Beziehung zu Gott und auf die innere Entwicklung.
Nach den Lehren Bahā’u’llāhs soll das Fasten aus Liebe zu Gott gehalten werden. Es stärkt die geistigen Kräfte, vermindert den Einfluss des „niederen Selbstes“ und hilft dabei, Demut, Selbstdisziplin und Mitgefühl zu vertiefen. Viele Bahá’í erleben während des Fastens auch eine besondere Verbundenheit mit den göttlichen Offenbarern, die selbst gefastet haben, bevor sie ihre Botschaften empfingen.
Gleichzeitig betonen die Bahá’í‑Schriften, dass das Fasten kein Selbstzweck ist. Es ist eine persönliche, freiwillige Pflicht, die dem Gewissen des Einzelnen überlassen bleibt. Wer gesundheitliche Einschränkungen hat – etwa Schwangere, Kranke, Reisende oder ältere Menschen –, ist vom Fasten befreit. Entscheidend ist nicht die äußere Leistung, sondern die innere Ausrichtung und Aufrichtigkeit des Herzens.
Insgesamt ist das Fasten im Bahá’í‑Glauben ein Akt der Hingabe und spirituellen Erneuerung, der den Gläubigen hilft, ihr Leben bewusster zu führen, ihre Seele zu läutern und sich auf das kommende Jahr vorzubereiten. |