Liebe Pfarrbriefmacherin, lieber Pfarrbriefmacher,
„Was bekomme ich dafür?" Abgesehen davon, dass eine Gegenfrage selten eine gute Antwort ist, ärgert mich in diesem konkreten Fall auch die - wie soll ich es nennen? - 'Geisteshaltung', die sich hier verbirgt. Ich habe keine Probleme mit den Grundprinzipien unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, und jede und jeder, die oder der sich hier im Bistum auf eine freie Stelle bewirbt, sollte sich auch fragen: Was bekomme ich dafür? In der Situation, die mir hier noch ein bisschen nachgeht, ging es um die Bitte sich als Wahlhelfer für die anstehende Landtagswahl zu bewerben. Das aber ist ein Ehrenamt, dafür gibt es einen Kaffee und - wenn der Wahlleiter nett ist - ein paar trockene Keckse. Also: „Was bekomme ich dafür?"
Es wäre sehr einfach, jetzt mit den Prinzipien des Ehrenamtes zu kommen, wonach eine Gesellschaft auf das Engagement des Einzelnen angewiesen ist, der 'Lohn' ein funktionierendes Gemeinwesen ist, oder mit psychologischem Fachwissen zu glänzen, wonach Helfen zufriedener macht - und wer will das nicht? Ich probiere es mal biblisch. Eine meiner (aktuellen) Lieblingsstellen in der Bibel findet sich im Jakobus-Brief, der ja meist ein bisschen im Schatten steht. Da steht im 17. Vers des vierten Kapitels: "Wer also das Gute tun kann und es nicht tut, der sündigt." Ich lese das für mich aber nicht so sehr 'moralisch', sondern lebenspraktisch: Wenn Du weißt, was zu tun ist und Du hast die Möglichkeiten - also die Zeit und die Kompetenz - es zu tun, dann mache es. Alles andere wäre eine Ausrede, also feige. Wer will schon gerne als Feigling dastehen 🙂?
Also: Welche Möglichkeiten bieten sich Ihnen? Ich verspreche Ihnen: wenn eine oder einer mal anfängt, dann machen bald zwei oder drei weitere mit.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen
Ihr Stefan Schneider |