Liebe Pfarrbriefmacherin, lieber Pfarrbriefmacher,
"Warum sagt die Kirche nichts dazu?" Da war sie wieder, gestern Abend, bei einer Pizza in geselliger Runde, die Frage, die mich immer ein bisschen verunsichert und ratlos zurücklässt. Natürlich ging es um Politik, aber auch um soziale Fragen, die in einer kleinen Stadt wie Trier schon mal sehr augenscheinlich auftreten können. Die Frage macht mich ratlos, denn eigentlich ist es ja keine Frage - auf diese könnte ich gut antworten - sondern ein Vorwurf: "Wo steht Kirche? Wofür steht Kirche? Wofür stehst Du?"
Vielleicht kennen Sie das auch selbst, in ihrer Arbeit in der Kirchengemeinde, im Pfarrbüro, im Feilen an den Inhalten des Pfarrbriefs oder der Internetseite, den Vorwurf, dass es auf der einen Seite die "Gesellschaft" gibt und auf der anderen Seite die "Kirche" und dazwischen klafft eine Schlucht, die den Austausch mindestens erschwert und bei der die "Gesellschaft" nicht mehr deutlich sehen kann, was die Ecken und Kanten, was das Profil von Kirche ist.
Ich nahm für mich aus der auf die Pizza folgenden Diskussion zwei Dinge mit: Es ist eines, auf eine vermeintliche Verzagtheit von "Kirche" zu zeigen, und es ist etwas anderes selbst die "Mühe des Begriffs" auf sich zu nehmen, sich eine Position im Ringen und im Diskurs zu erarbeiten und damit auch angreifbar zu werden. Aber anders geht es nicht. Die zweite Erkenntnis ist noch ein bisschen unangenehmer: Wer den Mund aufmacht, macht auch auch mal Fehler. Wer den Mund nicht aufmacht, schweigt.
Ich wünsche Ihnen diese Woche Mut und Zuversicht und...
... viel Freude beim Lesen
Ihr Stefan Schneider |