Zwischenstand zur Umsetzung der Synode in die Praxis

heraus gerufen. Die nächsten Schritte in die Zukunft

In seiner Silvesterpredigt sprach Bischof Stephan Ackermann am 31.12.2016 von den "fünf Erlaubnissen", die von der Synode ausgehen - für das Bistum und alle Gläubigen. (Meldung der Pressestelle  Predigt im Wortlaut & mit Ergänzungen) || Die Saarbrücker Zeitung zitiert den Bischof am 2. Januar 2017: "So soll sich etwa das traditionelle Bild des Pfarrers ändern, und die Gläubigen sollen stärker eingebunden werden."  Das Interview mit KNA im Ganzen - hier bei uns.

Die Synode im Bistum Trier ist am 1. Mai 2016 zu Ende gegangen. Rund 280 Synodale haben mehr als zwei Jahre lang beraten, um mit dem Bischof eine Orientierung für das zukünftige kirchliche Handeln im Bistum zu erarbeiten. Die Synode ging aus von der Frage: „Wie wollen wir persönlich und gemeinsam unseren Weg des Glaubens im Bistum Trier gehen – in den sich rasant ändernden Rahmenbedingungen des Dritten Jahrtausends?“

Die rasanten Veränderungen haben die Synodalen besonders auf sich wirken lassen und nach den prägenden Entwicklungen unserer Zeit gefragt. Diese fordern die Kirche dazu heraus, sich sehr radikal auf die Menschen und ihre Lebensbedingungen einzulassen, um mit ihnen gemeinsam herauszufinden, was Jesu Botschaft heute bedeutet. Im Abschlussdokument wollen die vier Perspektivwechsel beschreiben, wie die Kirche in der heutigen Zeit glaubwürdig die Frohe Botschaft verkünden kann.

Die Kirche will entschieden an der Seite der Menschen stehen und vom Einzelnen her denken (Perspektivwechsel eins). Sie will bewusst von den Charismen leben (Perspektivwechsel zwei), die der Herr ihr in dieser Zeit schenkt.

Die Synodalen und die ganze Synode sind überzeugt davon, dass die Frauen, Männer, Kinder und Jugendlichen in unserem Bistum in weiten pastoralen Räumen ansprechende Gemeinschaften bilden (Perspektivwechsel drei) und einander im Glauben stärken können. In gemeinsamen Beratungen, im Miteinander-Ringen, im Stocken und im Vorankommen – also durch das synodale Prinzip (Perspektivwechsel vier) – lässt die Kirche sich von der Freude an Jesus Christus und von seiner Botschaft inspirieren.

Ein Veränderungsprozess, der längst schon begonnen hat

Die Synode konnte überhaupt nur gelingen, weil viele Christinnen und Christen sich ganz persönlich oder zusammen mit anderen fragen: „Wie geht das heute: Christ(in)-Sein?“ Diese Suche ist in die Synode eingeflossen. Auch die Erfahrungen und Kompetenzen der Seelsorgerinnen und Seelsorger, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Caritas und in den vielen kirchlichen Einrichtungen haben dazu beigetragen, dass im Verlauf der Synode deutlich geworden ist: Wir stecken mitten in einem umfassenden Wandel unserer Gesellschaft und der Kirche. Die Synode hat diese Veränderungen nicht hervorgerufen, sondern sie will in verbindlicher Weise darauf eine Antwort geben und Kirche unter den prägenden Entwicklungen unserer Zeit gestalten.

Im Dekret, mit dem der Bischof das Abschluss-Dokument der Synode in Kraft gesetzt hat, beschreibt er es „als verbindlicher Rahmen für das zukünftige kirchliche Handeln im Bistum Trier“.

Die Veränderungen gemeinsam gestalten:
jede/r Einzelne und als Gemeinschaft

Die Synode spricht zunächst alle Christinnen und Christen im Bistum Trier an. Alle sollen sich fragen lassen: Was ist Dir wichtig an der Botschaft Jesu Christi? Wo willst Du Dich einsetzen? Und für alle Ebenen kirchlicher Gemeinschaft stellt sich die Frage, zu der die Synode eingeladen hat: Wozu ist die Kirche da?

Die Kirche ist im Bistum Trier auch als Organisation zu betrachten, die mit finanziellen Mitteln, mit Personal und Immobilien ausgestattet ist. Die Ergebnisse der Diözesansynode zu verwirklichen heißt auch, die Organisation „Kirche im Bistum Trier“ weiter zu entwickeln und zu verändern, alte Aufgaben zu verabschieden, neue anzugehen, und so auch die Ressourcen verantwortlich zu planen und einzusetzen.

  • Erste Schritte zur Bildung der Pfarreien der ZukunftSwitch

    Zur Bildung der Pfarreien der Zukunft haben sich die Räte dafür ausgesprochen, dass einerseits das Bistum Rahmenbedingungen setzt und andererseits Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort wahrgenommen werden. Die Leitungskonferenz hat das Votum der Räte angenommen und aus den Diskussionen und Rückmeldungen den Vorschlag weiterentwickelt.

    TPG RAUMGLIEDERUNG entwickelt einen vorläufigen Gliederungs-Vorschlag

    Die Leitungskonferenz des Bischöflichen Generalvikariats, die Steuerungsgruppe und eine Teilprozessgruppe RAUMGLIEDERUNG erarbeiten bis März 2017 eine vorläufige Gliederung des Bistums in maximal 60 Pfarreien der Zukunft.

    Gemeinsam mit den Weihbischöfen haben die Dechanten im Rahmen der Bistumsdechantenkonferenz eine erste Einschätzung dazu erarbeitet. Danach haben die Dechanten weitere Hinweise und Einschätzungen aus ihrer Sicht an den jeweiligen Weihbischof eingereicht. Diese Einschätzungen hat die Teilprozessgruppe RAUMGLIEDERUNG aufgegriffen; Dechant Clemens Grünebach (Hermeskeil) leitet diese TPG. Für den Teilprozess wurden weitere Einschätzungen aus den Bereichen Verwaltung und Personal eingeholt.

  • Gemeinsame Sitzung am 24. März 2017Switch

    Beteiligung: Sitzung der Räte mit der Leitung

    Dieser Entwurf wird als vorläufige Gliederung des Bistums spätestens am 24. März 2017 bei der Sitzung aller diözesanen Räte zusammen mit der Dechantenkonferenz und der Leitungskonferenz vorgestellt und beraten.

  • Resonanz-Phase zur vorläufigen Raumgliederung: Rückmeldungen auf vielen WegenSwitch

    Nach der Vorstellung der vorläufigen Gliederung findet eine Resonanzphase statt. Die Resonanzphase beginnt mit der Vorlage der vorläufigen Gliederung spätestens am 24. März 2017. An diesem Tag treffen sich die Diözesanen Räte und die Bistumsdechanten wieder mit der Leitungskonferenz.

    Nach der Veröffentlichung der vorläufigen Raumgliederung sind die Räte auf Pfarreiund Dekanatsebene eingeladen, aus ihrer Perspektive und Verantwortung eine schriftliche Rückmeldung zu der vorläufigen Gliederung geben. Dies ist bis Oktober 2017 möglich.

    Es wird daneben eine Reihe von Veranstaltungen vor Ort geben, in denen die Hintergründe des Synodendokuments und vor allem die Ideen für die Gestaltung der Pfarreien der Zukunft sowie weitere Schritte vorgestellt und diskutiert werden.

    Die Teilprozessgruppe Raumgliederung und die Steuerungsgruppe werden alle in diesem Zeitraum (bis Oktober 2017) eingegangen Rückmeldungen in die weitere Planung einbeziehen.

  • Erkundungs-Phase in den (vorläufigen) Pfarreien der ZukunftSwitch

    Während der Synode: Im "visuellen Protokoll" skizzierte Pfarrei der Zukunft

    Die Erkundungs-Phase lädt ein, genau hinzusehen. Die Pfarreien der Zukunft sind etwas ganz Neues und nicht mit den bisherigen Pfarrstrukturen zu vergleichen. Die Räume werden größer, aber die vielfältigen Orte von Kirche finden sich weiterhin in der Nähe der Menschen. Der Schwerpunkt des kirchlichen Lebens liegt noch mehr als bisher bei dem, was den Menschen vor Ort wichtig ist: bei dem, was sie brauchen, und bei dem, was sie bereit sind einzubringen.

    Die Entwicklung dieser Art von Kirche vor Ort braucht Zeit. Die Erkundungs-Phase ist der Schwerpunkt der Gestaltung der Pfarreien der Zukunft. Es geht dann darum, gemeinsam Ideen zu entwickeln für das, was die jeweilige Pfarrei der Zukunft konkret ausmacht. Daher sollen die gesellschaftlichen, kirchlichen und kulturellen Gegebenheiten und vor allem die Menschen in all ihrer Vielfalt vor Ort im Mittelpunkt der Erkundungsphase stehen.

    Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort werden in der Erkundungs-Arbeit von Teams unterstützt. In dieser Phase können alle Beteiligten die Sozialräume und die Lebensbedingungen der Menschen intensiv kennenlernen, die zur jeweiligen Pfarrei der Zukunft gehören; sie können Neugier entwickeln auf neue Orte von Kirche und werden manches bislang Unbekannte entdecken.

    Dabei finden sich erste Antworten auf die Fragen: Wie kann diese Pfarrei der Zukunft als Netzwerk mit vielen Kirchenorten, Gemeinschaften, Einrichtungen, kirchlichen und außerkirchlichen Initiativen und engagierten Menschen aussehen? Wie geschieht diakonische und missionarische Kirchenentwicklung unter den konkreten Rahmenbedingungen?

    Diese Erkundungs-Phase dauert bis ins Jahr 2019. Die Pfarreien der Zukunft sollen zum ersten Advent 2019 (also nach Ablauf der jetzigen Wahlperiode der Räte) errichtet werden.

  • Im vierten Buch Mose (Numeri 13) ist berichtet, dass Mose Kundschafter aussendet, die schon einmal das gelobte Land Kanaan erkunden sollen - führende Männer aus dem Volk, wie es heißt. Ihr Auftrag: "Seht, wie das Land beschaffen ist und ob das Volk, das darin wohnt, stark oder schwach ist, ob es klein oder groß ist; seht, wie das Land beschaffen ist, in dem das Volk wohnt, ob es gut ist oder schlecht und wie die Städte angelegt sind, in denen es wohnt, ob sie offen oder befestigt sind und ob das Land fett oder mager ist, ob es dort Bäume gibt oder nicht..."

    Der Auftrag ist einerseits riskant - andererseits durchaus hoffnungsvoll und aussichtsreich. Er endet so: "Habt Mut und bringt Früchte des Landes mit!" - und das ist der Anfang einer Erfolgsgeschichte, einerseits: Die Kundschafter kamen "in das Traubental. Dort schnitten sie eine Rebe mit einer Weintraube ab und trugen sie zu zweit auf einer Stange, dazu auch einige Granatäpfel und Feigen." Ergebnis: Das ist ein fruchtbares Land - da werden wir gut leben können - so Riesen-Trauben; ein Land, wo Milch und Honig fließen! - Es wird darum gehen, das viele Gute zu entdecken, das tatsächlich in den vielen Räumen des Bistums Trier da ist - in Pfarreien und Gemeinschaften, in der Kirche und mehr "draußen" am Rand.

    Andererseits - und auch da scheint die alte Kundschafter-Geschichte nah dran zu sein am Auftrag der Kundschafter-/Erkundungs-Teams im Bistum Trier, sind ihre Berichte eher gemischt: "Wir können nichts gegen dieses Volk ausrichten; es ist stärker als wir." - so der Bericht einiger Teams. "Und sie verbreiteten bei den Israeliten falsche Gerüchte über das Land, das sie erkundet hatten..." - Es wird darum gehen, auch im Bistum Trier und vor Ort im ganzen Gottesvolk, sich den Schwierigkeiten ehrlich zu stellen und an ihnen zu arbeiten...

    Und - anders als in der Geschichte des Volkes Israel: Diese Erkundungs-Teams haben den Auftrag, das Gute vor Ort entdecken und ausbauen zu helfen - anders als die zwölf Stämme damals ist das Bistum (oder gar das Bischöfliche Generalvikariat...) Helfer und nicht Eroberer oder Besatzer.

    Was bleibt: in der Erinnerung und in der Bilder-Welt haben die guten Nachrichten sich durchgesetzt - deswegen auch die Kundschafter mit der Riesen-Traube - hier aus einer böhmischen Weihnachtskrippe, vor ein paar Jahren ausgestellt im Museum am Dom. Und das ist eine gute Nachricht - auch für die Erkundungs-Teams der kommenden Jahre...

    (agr)

  • Nach der Resonanzphase ist eine längere „Erkundungs-Phase“ geplant. „Erkundungs-Teams“ werden dabei die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort unterstützen.

    Die Erkundungs-Phase dient der Analyse und Erkundung der gesellschaftlichen, kirchlichen und kulturellen und räumlichen Gegebenheiten vor Ort. Aufgrund der Erkundungsergebnisse können erste Konzepte für die Gestaltung der Pfarrei der Zukunft als Netzwerk mit Themenzentren, Gemeinschaften und weiteren kirchlichen Orten erarbeitet werden. Diese kirchlichen „Knotenpunkte“ im Netzwerk der Pfarrei der Zukunft können unterschiedliche Akzente haben: einige Orte können beispielsweise stärker gottesdienstlich geprägt sein, andere mehr diakonisch-caritativ, wieder andere speziell durch Aktivitäten der Jugendarbeit.

    Die Pfarrei der Zukunft wird nicht mehr überall das gleiche pastorale Angebot vorhalten. Sie wird vielmehr zu einem Netzwerk etwa von Gemeinschaften, Gruppen, Personen, Orten und Institutionen.

  • Die genauen Rahmenbedingungen für diese Phase, die Zusammensetzung der „Kundschafter-Teams“ und deren Auftrag werden noch weiter ausgearbeitet. Dazu wird Beratung eingeholt.

    Ein detaillierter Zeitplan wird bis Jahresende 2016 veröffentlicht.

Zusammengefasst:

  • Eine vorläufige Raumgliederung wird zügig erarbeitet.
  • Eine längere Phase zur inhaltlichen Ausgestaltung, unterstützt durch vom Bischof beauftragte „Kundschafter-Teams“ schließt sich an.
  • Dieses Vorgehen greift ein Votum der Räte auf, nach dem nicht die Raumgliederung, sondern die inhaltliche Gestaltung Priorität haben soll.
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