Neue Gemeindereferentin:Ein Herz für Kinder und Jugendarbeit

Zell – Noch wenige Tage, dann wird die 27-jährige Miriam Ritter gemeinsam mit sechs weiteren Frauen von Weihbischof Robert Brahm für ihren Dienst als Seelsorgerin beauftragt. Die gebürtige Saarländerin stammt aus Theley, besuchte in Marpingen die Gemeinschaftsschule und machte ihr Abitur 2017. Dass sie mal im kirchlichen Bereich arbeiten möchte, sei schon lange klar gewesen, nur nicht genau, wo und wie, erzählt sie. „Ich habe damals erst einmal ein freiwilliges ökologisches Jahr in der BiberBurg in Berschweiler eingeschoben“, berichtet die junge Frau. Die Biberburg ist ein ökologisches Schullandheim, wo hauptsächlich Grundschulklassen Zeit verbringen. Ritter half beim erlebnispädagogischen Programm und wurde vom leitenden Pädagogen auch auf Streifzüge durch Wald und Wiesen und sogar zur Biber-Rettung mitgenommen.
Während dieser Zeit habe sie auf einer Berufsmesse von einem neu konzipierten Studiengang der Katholischen Hochschule in Mainz erfahren: Ab September 2018 sollte „Soziale Arbeit und Praktische Theologie“ starten – genau jene beiden Felder, die sie interessierten. „Ich wollte Theologie studieren – jedoch nicht als einziges Studienfach sondern mit einem zweiten Standbein. Und jetzt merke ich in der Arbeit mit den Leuten vor Ort in der Gemeinde, wie hilfreich der Studienanteil der Sozialen Arbeit ist. Im Bistum Trier wird inzwischen die Sozialraumorientierung großgeschrieben. Ich bringe eine andere Sichtweise auf diese Methode mit und kann das gut verknüpfen.“ Von den 18 Kommilitonen, mit denen sie anfing, waren es am Ende noch acht – eine „eingeschworene Truppe“ sagt Ritter. Die Corona-Zeit sei ein kleiner Wermutstropfen gewesen – insgesamt denke sie aber mit Freude an ihr Studium: „Meine Zeit in Mainz war richtig toll, und ich habe zu vielen meiner Studienfreunde noch Kontakt.“
Ab 2023 stand der nächste Schritt auf dem Weg ins Berufsleben an: Die Ausbildung zur Gemeindereferentin beim Bistum Trier. Die startet normalerweise mit einem berufspraktischen Jahr, bei dem die angehenden Seelsorgenden erst einmal begleitend in einer Pfarrei unterwegs sind. Doch für Ritter entfiel das Jahr wegen ihres bereits im Studium absolvierten Praxissemesters im Klinikum Saarbrücken. Dort war sie als Sozialarbeiterin beispielsweise für die Nachsorge oder Unterbringung bedürftiger Patienten zuständig. „Teilweise waren wir die ersten, die wirklich Zeit zum Reden mit den Patienten hatten. Die Leute sind verunsichert, stehen neben sich, und das medizinische Personal hat einfach weniger Kapazitäten. Als Praktikantin hatte ich das Glück, auch mal eineinhalb Stunden im Zimmer bleiben und mich kümmern zu können. Das ist dann schon eine seelsorgliche Arbeit gewesen.“
Die Gemeindeassistenz-Zeit startete sie in Zell an der Mosel, wo sie seit inzwischen zwei Jahren im Team mitwirkt. Ihr Schwerpunkt: Die Jugendarbeit. Von der Vorbereitung von Firmungen oder Erstkommunion, über die Mitarbeit in Jugendgremien, bis zur Messdienerarbeit, Sternsingeraktion und Organisation von Freizeiten sei alles mit dabei, berichtet Ritter. Besonders schön werden ihr verschiedene Ereignisse in Erinnerung bleiben, etwa die erste Firmung, die sie vorbereitet hat. „Am Anfang war das mit der Gruppe von Jugendlichen ein ziemliches Durcheinander. Aber im Laufe der Zeit hat sich das sehr gut entwickelt, am Ende haben sie mir einen Blumenstrauß mitgebracht und sich herzlich bedankt. Und es sind sechs Mädels übriggeblieben, die sich nach dem Firmprojekt weiterhin sozial engagieren wollen und mit denen ich weiterarbeite. Das finde ich total schön.“ Ihre berufliche Zukunft sieht Ritter weiterhin in der Kinder- und Jugendarbeit, da diese ihr „einfach unglaublich viel Spaß macht“. Dass sie selbst so gute Erfahrungen mit ihrer heimatlichen Messdienerarbeit gemacht hat, spielt sicher auch eine Rolle: Ritter erinnert sich an die gute Gemeinschaft, die Messdienerfreizeiten und die Verantwortung, die sie als Leiterin von Gruppen selbst übernehmen durfte. „Es wurde viel Zeit und Engagement in uns investiert und ich habe damals Gemeindereferenten und Priester kennengelernt, deren Arbeit ich interessant fand. Eine Inspiration war auch meine Religionslehrerin, die wirklich spannenden Unterricht gegeben hat.“ Glaubensvorbild und Unterstützerin sei vor allem ihre inzwischen verstorbene Oma gewesen.
Als Wahlspruch für ihren Beauftragungsgottesdienst haben die sieben Frauen sich den Spruch „In der Wüste bahnt den Weg des Herren“ ausgesucht. Symbolisch könnte das Motto immer mehr auch für die Arbeit der Seelsorgenden in den Gemeinden stehen, denn das Glaubensleben vor Ort schwindet immer mehr. Ritter bleibt dennoch positiv: „Der Job ist so vielfältig, und man kann kreativ und frei arbeiten – das gefällt mir einfach sehr gut daran.“ Und wenn sie doch mal Zeit zu viel haben sollte, findet man Miriam Ritter entweder in der Küche beim Backen – ihrer großen Leidenschaft – oder beim Gardetanz im Karneval.