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Interkulturelles Projekt „Meet Klezmer!“ führt Jugendliche an jüdische Musik und Tradition heran – Abschlusskonzert am Sonntag in der Synagoge:Wenn Töne Brücken bauen

Mit Musik ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit setzen, Vorurteile abbauen und Begegnungen zwischen Kulturen fördern – das ist die Idee des Musikprojekts „Meet Klezmer!“
Eine Gruppe mit Blasinstrumenten probt für einen Auftritt
Datum:
18. März 2026
Von:
Ute Kirch

Saarbrücken – Mit Musik ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit setzen, Vorurteile abbauen und Begegnungen zwischen Kulturen fördern – das ist die Idee des Musikprojekts „Meet Klezmer!“, das in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet. Schülerinnen und Schüler von vier saarländischen Schulen lernen in Orchester-Workshops und Präsentationen mit dem bekannten Klarinettisten Helmut Eisel die jüdische Musikkultur kennen. Am Sonntag, 22. März, 17 Uhr, findet das öffentliche Abschlusskonzert in der Synagoge Saarbrücken (Lortzingstraße 8) statt. 

Zum zweiten Mal dabei sind die bischöflichen Willi-Graf-Schulen in Saarbrücken. Am Dienstag proben die Sechstklässler der Bläserklasse gemeinsam mit Helmut Eisel und Clara Wigger in der Synagoge. „Viele Schülerinnen und Schüler waren noch nie in einer Synagoge. Mein Eindruck ist, dass sie fasziniert sind von den anderen Bräuchen“, sagt Lehrer und Orchesterleiter Jochen Clemens. Bevor es mit der Probe losgeht, führt sie Benjamin Chait, der Kantor der Synagogengemeinde Saar, durch das Gotteshaus. „Er hat uns aus der Tora vorgesungen“, erzählt die 12-jährige Ella Maria. „Die Schriftrolle darf aber nicht angefasst werden“, ergänzt der gleichaltrige Daniel. Nachdenklich stimmte es die Klasse, dass es am Eingang eine Sicherheitsschleuse gibt – das kennen sie von Besuchen in Kirchen nicht. „Überall auf der Welt werden Hass und Hetze propagiert. Antisemitismus ist wieder hoffähig, und viele von uns be- und verurteilen zunehmend wieder Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer sexuellen Orientierung oder Hautfarbe“, sagt Eisel. Daher sei es das Anliegen von „Meet Klezmer!“ Wissen über jüdische Religion und Traditionen zu vermitteln. „Vor allem aber wollen wir gegenseitiges Interesse von Mensch zu Mensch wecken“, betont er. „Musik kann oft mehr vermitteln als Worte. Dabei lernen sie, dass es keine Rolle spielt, ob jemand Jude, Christ oder Moslem ist.“

Helmut Eisel improvisiert mit der Schülerin Ella Maria

Für die Elf- und Zwölfjährigen ist der Workshop auch die erste Begegnung mit Klezmer – den weinenden, klagenden Melodien, die sich mit fast lachenden, tänzerischen Läufen abwechseln. „Klezmer versucht, menschliche Gefühle nachzuahmen – besonders die Stimme. Orchester und Solist kommunizieren miteinander“, erklärt Eisel der Klasse. Die Schülerinnen und Schüler spielen ihre Instrumente erst seit anderthalb Jahren. „Vor knapp vier Wochen haben wir mit den Proben angefangen. Die Stücke für das Klezmer-Konzert sind viel schwieriger als die Stücke, die wir sonst in unserer wöchentlichen Probe üben“, sagt Jochen Clemens, „aber ich habe den Eindruck, gerade weil es so schwer ist, sind viele hochmotiviert und hängen sich richtig rein.“ Die besondere Schwierigkeit bei Klezmer: Hier ist nicht nur das Spielen nach Noten gefragt, sondern auch die Improvisation, die freie Interpretation. So sind die Schülerinnen und Schüler auch als Solisten gefordert. Abwechselnd improvisieren sie auf ihren Instrumenten bei Tarra’s Freilach, einem fröhlichen Klezmer-Tanz in lebhaftem Tempo. Helmut Eisel greift mit seiner Klarinette die Soli der Schüler auf – dadurch entsteht eine Kommunikation. „Ihr seid alle verdammt gut!“, lobt Helmut Eisel die Bläserklasse. 

Mit „U’mishirat ha’asavim (Aus dem Gesang der Gräser)“ führen die Sechstklässler auch ein Stück mit Gesang auf Hebräisch auf. „Gar nicht so leicht“, finden die Kinder. 

Zum Projekt gehört normalerweise der Austausch mit israelischen Musikern. Doch aufgrund des Krieges können die israelische Saxophonistin Vered Kreiman und der Pianist Johnatan Shenkar nicht nach Saarbrücken reisen. Alternativ werden sie via Internet in die Synagoge gestreamt. „Da haben wir schon während Corona Erfahrung mit“, meint Eisel. Sie erzählen den Schülerinnen und Schülern von ihrem Leben, ihrer Musik und beantworten Fragen. Nach der Probe lud die Synagogengemeinde die Bläserklasse zum koscheren Essen ein – also Speisen, die nach jüdischen Gesetzen erlaubt und zubereitet sind – insbesondere die strikte Trennung von Fleisch und Milch. 

Jede der teilnehmenden Schulen – neben den Willi-Graf-Schulen sind dies die Gemeinschaftsschule Riegelsberg, das Robert-Schumann-Gymnasium Saarlouis sowie das Warndt-Gymnasium Geislautern – führt am Sonntag drei Stücke auf. Zum Schluss wird der Raum rund um den Toraschrein voll, wenn alle vier Schulen gemeinsam das Abschlusslied spielen.

Info

Abschlusskonzert „Meet Klezmer!“ am Sonntag, 22. März 2026, 17 Uhr, Synagoge Saarbrücken. Lortzingstraße 8. Eintritt 20 Euro, ermäßigt 15 Euro/ frei für Mitglieder der Synagogengemeinde Saar. Karten ausschließlich an der Abendkasse. Schirmherrin: Ministerpräsidentin Anke Rehlinger.