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CSD-Gottesdienst & Demonstration

AK Queer - CSD Trier 2026
Datum:
30. Juli 2026
Von:
Raphael Foltin

Das Bistum Trier beim Christopher Street Day 2026

In Liebe verbunden

Freitag, 17. Juli, 19:30 Uhr, St. Gangolf am Hauptmarkt. Der Abend vor dem Christopher Street Day.

„In Liebe verbunden" — das war nicht nur eine Überschrift, sondern ein Programm: verbunden über die Grenzen hinweg, die Menschen sonst voneinander trennen. Herkunft. Konfession. Lebensform. Zugehörigkeit.

In der Predigt stand ein Bild im Zentrum, das viele mitgenommen haben: das Watt. Ist es Land oder Meer? Es ist beides, nur zu unterschiedlichen Zeiten. Zweimal am Tag verschiebt sich die Grenze, und niemand käme auf die Idee, das für einen Mangel zu halten. Die Schöpfung selbst kennt Räume, die sich einer sauberen Trennlinie entziehen — und sie sind nicht die Ausnahme von der Ordnung, sondern Teil davon. Wer dort ein Entweder-oder erzwingen will, hat die Landschaft nicht verstanden.

Zelebrant war Domkapitular Dr. Markus Nicolay. Der Gottesdienst wurde in Deutsche Gebärdensprache gedolmetscht.

Segen ohne Vorbedingung

Herzstück des Abends war das Segensangebot. An mehreren Stationen im Kirchenraum, sichtbar gemacht durch bunte Regenbogenschirme, konnten Menschen sich einzeln oder zu zweit segnen lassen.

Ohne Anmeldung. Ohne Vorbedingung. Ohne Prüfung von Glaube, Herkunft, Identität oder Orientierung.

Wichtig ist dabei eine Unterscheidung, die leicht untergeht: Was hier geschah, waren persönliche, seelsorgliche Segnungen — zugewandt, spontan, an der einzelnen Person orientiert. Es war keine formalisierte Feier, die eine Ehe nachbildet oder ersetzt. Ein Segen sagt einem Menschen zu, dass Gott ihn im Blick hat. Mehr braucht er nicht, und weniger wäre zu wenig.

Die Regenbogenschirme griffen ein Motiv auf, das unsere Arbeit seit Jahren begleitet: „Unter Gottes Himmel haben alle Platz!"

Wer wollte, nahm Regenbogenschnipsel mit Mutmach-Worten mit. Danach standen wir noch eine Weile vor der Kirche zusammen.

Der Gottesdienst war Teil des offiziellen Programms der Pride Weeks, die SCHMIT-Z seit Anfang Juli mit Lesungen, Filmabenden, Vorträgen und einer Lichter- und Gedenkfeier im Queergarten gestaltet hatte. Dass eine katholische Feier in diesem Programm ihren festen Platz hat, ist selbst ein Ergebnis: Vor wenigen Jahren wäre das in Trier kaum denkbar gewesen.

Samstag auf der Straße

Am 18. Juli, 12:30 Uhr, Porta Nigra. Mittendrin eine Gruppe aus dem Bistum, mit dem Regenbogenbanner von Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Jugend im Bistum Trier.

Das Motto des Tages: „HUMAN – united in pride". Die Schirmherrschaft hatte die Psychotherapeutin Sabine Maur übernommen.

Ab 14 Uhr wurde der Palastgarten zum Pride Village. Der Arbeitskreis „Queer im Bistum Trier" stand dort mit einem eigenen Tisch: Material, Postkarten, Regenbogenbändchen — und Zeit.

Die wurde gebraucht. Menschen, die wissen wollten, ob es das wirklich gibt: eine Anlaufstelle in der katholischen Kirche. Menschen, die von Verletzungen erzählten, manche Jahrzehnte alt. Menschen, die stehenblieben und nichts sagten. Ein Infostand ist bei so einem Anlass keine Werbefläche, sondern für einige der erste niedrigschwellige Kontakt zu einer Kirche, von der sie sich längst abgewandt hatten.

Warum wir da sind

Seit 2023 ist das Bistum Trier beim Christopher Street Day in Trier präsent. Der Grund dafür ist kein taktischer, sondern ein theologischer.

Die Trierer Diözesansynode hat 2016 festgehalten, dass Menschen in unterschiedlichen Lebensformen zur Kirche gehören und dass ihre Erfahrungen ernst zu nehmen sind. Das ist der diözesane Auftrag, auf dem diese Arbeit steht — kein Sonderweg, sondern ein Beschluss, den das Bistum sich selbst gegeben hat.

Dahinter steht der biblische Grundsatz der Gottebenbildlichkeit: „männlich und weiblich schuf er sie" (Gen 1,27). Die Exegese liest diese Wendung heute weithin als Merismus — als Nennung zweier Pole, die das Ganze dazwischen mit einschließt, so wie „Himmel und Erde" nicht zwei Dinge meint, sondern alles. Der Vers grenzt also nicht ab, sondern öffnet. Und die Zusage, die er trägt, gilt allen Menschen ohne Ausnahme. Sie ist keine Zusage, die sich an Bedingungen knüpfen ließe.

Ein CSD ist für viele der eine Tag im Jahr, an dem die Angst nicht mitläuft — ein Ort, an dem sie sich nicht erklären müssen. Dass Kirche an einem solchen Ort ansprechbar ist, ist keine Zusatzleistung. Es ist Seelsorge. Wir sind da, weil Sichtbarkeit hilft.

Kontakt

Die Queerpastoral im Bistum Trier ist ganzjährig ansprechbar — für Einzelgespräche, für Anfragen aus Pfarreien und Einrichtungen, für Fortbildungen.

queerpastoral@bistum-trier.de | Tel. 0651 7105162 www.bistum-trier.de/queer | Instagram: @queerpastoral_trier

Das 2. Netzwerktreffen „Queer im Bistum Trier" findet am 6. November 2026 von 14:30 bis 19:00 Uhr im Pfarrheim St. Bernhard in Wittlich statt. Einladung und Anmeldung folgen.