10 Jahre Flüchtlingshilfe Ehrang: Migranten erzählen von ihren Erfahrungen:„Ehrang ist jetzt meine Heimat“

Trier-Ehrang – Ihre Geschichten sind unterschiedlich, doch eins verbindet die Menschen, die am 30. November in der Remise in Trier-Ehrang im Mittelpunkt gestanden haben: Sie alle sind im Laufe der vergangenen zehn Jahren als Flüchtlinge zu uns nach Deutschland gekommen. Darunter Balsam Alwai aus dem Sudan, die inzwischen die zehnte Klasse besucht und ihr Abitur schaffen möchte, um Medizin zu studieren und später einmal Kinderärztin zu werden. Oder Tarek Rashwani aus Syrien, der sechzehn Monate Kirchenasyl bekam und währenddessen in einem Pfarrhaus lebte. Sein Studium der Finanzwirtschaft in Damaskus konnte er auf Grund seiner Flucht nicht beenden. „Aktuell bereite ich mich auf meine B2-Prüfung in Deutsch im Januar vor und bewerbe mich auf Ausbildungsstellen“, erzählte er. Die beiden sind nur zwei von fünf Geflüchteten, die sich trauten, vor Publikum über ihre Ankunft in Deutschland zu erzählen. Und sie stehen stellvertretend für unzählige Menschen, die ehrenamtliche Unterstützung angenommen haben.
"Sie schenken Herz, Zeit und Hoffnung"
Bischof Ackermann
Zu dem Nachmittag in der Remise hatte der Arbeitskreis Flüchtlinge in Ehrang anlässlich seines zehnjährigen Engagements für Geflüchtete und Migranten eingeladen. „Staatlich wäre diese Arbeit nicht leistbar“, sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der als Ehrengast ein Grußwort sprach. „Die Integrationsarbeit hat sichtbar menschliche Kontakte hergestellt. Hilfe ist keine Einbahnstraße, man bekommt etwas zurück.“ Auch Bischof Stephan Ackermann, der terminlich leider verhindert war und dafür im Dezember das Café International besuchen wird, sendete ein Grußwort anlässlich der Feier und bedankte sich für die geleistete Arbeit: „Seit nunmehr einem Jahrzehnt – ausgelöst durch die Ankunft vieler Menschen im Jahr 2015, die unter den Folgen von Krieg und Bedrohung litten – schenken Sie Zeit, Herz und Hoffnung. Danke für Ihre Ausdauer, Ihre Offenheit und Ihren Mut, sich auf oft nicht einfache Wege einzulassen.“

Das Herz der Flüchtlingshilfe in Ehrang ist das „Café International“. Dort treffen sich alle zwei Wochen montags im Pfarrheim in Ehrang von 15 bis 18 Uhr Ehrenamtliche und Flüchtlinge zum Austausch. Der Arbeitskreis unterstützt seine Schützlinge unter anderem beim Deutschlernen, bei Behördengängen oder Bewerbungsprozessen.
Anlässlich des runden Geburtstags gab es in der Remise auch einer Ausstellung, was in den zehn Jahren rund um das Café International an konkreter Hilfe und kulturellen Initiativen geleistet worden ist. Eines wurde in der Remise an diesem Tag nicht nur sichtbar und hörbar, sondern auch fühlbar: Die Dankbarkeit der Menschen, für die Ehrang zur Heimat geworden ist.