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Zahlreiche Menschen im Bistum Trier leiten ehrenamtlich kirchliche Beerdigungen :Ehrenamtlich Begräbnisse leiten und Menschen begleiten 

Bei einer Fachtagung in Wittlich ging es um das neue Bestattungsgesetz und die wachsende Bedeutung dieses Dienstes.
Bei der Tagung für die Begräbnisleitenden in Wittlich erläutert Stefan Nober von der Fachgruppe Bestattungsdienst (links) das neue rheinland-pfälzische Bestattungsgesetz.
Datum:
11. Apr. 2026
Von:
Stefan Endres/red

Wittlich/Bistum – Im Bistum Trier gibt es inzwischen 50 Frauen und Männer, die eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Leitung von Begräbnissen absolviert haben. Elf von ihnen haben am jüngsten, dem bereits vierten Qualifizierungskurs teilgenommen und Ende Februar ihre Zertifikate erhalten. Doch auch danach werden sie mit geistlichen Angeboten und thematischen Fortbildungen durch die „Fachgruppe Bestattungsdienst“ im Bistum begleitet.

31 Absolventinnen und Absolventen haben sich am 21. März in Wittlich zu einer jährlichen Fachtagung und zum Austausch getroffen. Im Mittelpunkt des Treffens im Pfarrheim St. Bernhard standen das neue rheinland-pfälzische Bestattungsgesetz, seine Herausforderungen für den kirchlichen Beerdigungsdienst sowie die Rolle, die damit für die Ehrenamtlichen im Bestattungsdienst einhergeht.

Ehrenamtlich engagiert in Niedtal und Rehlingen: Nicole Spelz-Mehrhof  

Zu den Teilnehmenden, die sich vor diesem Hintergrund über ihre Rolle und ihr Selbstverständnis ausgetauscht haben, gehört auch Nicole Spelz-Mehrhof aus dem saarländischen Teil des Bistums. Die 56-Jährige ist für die Pfarreien Niedtal und St. Maria Magdalena Rehlingen für den Beerdigungsdienst beauftragt.„Ich habe schon früh gute Erfahrungen in der Familie mit den Themen Sterben, Tod und Trauer gemacht und daher keine Berührungsängste damit“, sagt Spelz-Mehrhof, die den zweiten Ausbildungskurs des Bistums absolviert hat. Inzwischen habe sie über 20 Beerdigungen geleitet, im Schnitt seien es eine bis zwei pro Monat – mehr sei ihr wegen ihrer Berufstätigkeit nicht möglich. „Am Anfang war es für manche noch unklar, warum da eine Frau ist, die das macht, und den Angehörigen musste ich es manchmal erklären“, sagt sie über die anfangs ungewohnte Situation in der Pfarrei. Aber ihr Dienst habe sich schnell herumgesprochen. „Die Angehörigen sind dankbar für meine Begleitung, und auch von anderen bekomme ich Lob, zum Beispiel nach einem Begräbnis.“ Von der Pfarrei für die Leitung einer Beerdigung angefragt werde sie in der Regel nur in den Fällen, in denen die Angehörigen kein Sterbeamt wünschten. Bei den Trauergesprächen beobachtet sie, dass es manchen Angehörigen leichter falle, sich gegenüber einer Frau zu öffnen. Aber sie ist sich auch ihrer „persönlichen Grenzen“ bewusst, sagt Spelz-Mehrhof. „Wenn eine sehr junge Person stirbt oder ein Familienvater von kleinen Kindern, dann berührt mich die Lebensgeschichte zu sehr und ich könnte mich emotional nicht abgrenzen“, ist sie sich bewusst. „Dann bin ich froh, dass ich den Dienst ehrenamtlich mache und eine Beerdigungsanfrage auch ablehnen kann.“

Ehrenamtlich engagiert in Daun: Ewald May 

Zu den Teilnehmenden des Qualifizierungskurses gehört auch Ewald May. Er wohnt in Oberstadtfeld in der Pfarrei Daun Heilig Geist und wird in einem Gottesdienst voraussichtlich im April offiziell für einen Einsatz im Pastoralen Raum Daun beauftragt. „Früher habe ich den Kontakt mit Trauernden vermieden“, verrät der Pensionär, der 48 Jahre als Finanzbeamter tätig war. Doch dann habe er nach und nach Aufgaben in der Pfarrei übernommen, habe Totengebete gehalten, ist seit dem Jahr 2009 Küster und unter anderem als Messdiener und Krankenkommunionhelfer im Einsatz. „In meiner Aufgabe als Küster habe ich dann Trauerfamilien besucht“, erzählt May von seinen zunehmenden Erfahrungen mit Trauernden. „Das hat sich immer weiterentwickelt und wurde zu einer Art von Kondolenzgesprächen, sodass ich schon mal gefragt wurde, ob ich nicht die Beerdigung übernehmen könne“, berichtet May. Und irgendwann wollte er das auch – und ist auf das Qualifizierungsangebot für ehrenamtliche Begräbnisleiter aufmerksam geworden. „Als Küster habe ich bereits an mehreren Sterbeämtern teilgenommen und Fürbitten und Lesungen am Grab gehalten“, sagt er über seinen Weg, über den er sich nach und nach ganz praktisch auf die künftige Aufgabe als eigenverantwortlicher Begräbnisleiter vorbereitet und dafür Sicherheit gewinnt. Vor anderen sprechen, dass könne er eigentlich ganz gut. „Dennoch wird die Anspannung groß sein, denn es gibt auch Erwartungen von außen, zum Beispiel von der Familie. Aber dem sehe ich mich gewachsen“, gibt sich May mit Blick auf seine künftigen Einsätze zuversichtlich.

Ehrenamtlich engagiert in Blankenrath: Christa Hastenpflug 

Die 63-Jährige Christa Hastenpflug hat den ersten Ausbildungskurs absolviert und ist seit dem 2022 für ihren Dienst in der Pfarrei Hl. Maria Blankenrath (Pastoraler Raum Cochem-Zell) beauftragt. Sie hat Theologie im Fernkurs studiert und wäre eigentlich gerne Gemeindereferentin geworden, erzählt sie. Doch dazu habe sie sich zu spät entschlossen und sei stattdessen seit langem ehrenamtlich tätig. „Als in der Corona-Zeit Verstorbene einsam beerdigt wurden und der Pfarrer manchmal drei Bestattungen pro Woche halten musste, bin ich auf den Gedanken gekommen und habe mich dann für den ersten Kurs angemeldet“, erzählt die Blankenratherin über die Möglichkeit, sich doch noch seelsorgerisch zu engagieren. 35 Begräbnisse habe sie bisher geleitet, wegen ihrer vollen Berufstätigkeit könne sie aber nur an Freitagen und Samstagen. Sie habe bisher nur positive Rückmeldungen bekommen, berichtet Hastenpflug. Darunter seien Briefe und Postkarten, aber auch unmittelbare, dankbare Worte („Schön, dass Du da warst“) bei Kondolenzgesprächen. Sie hat dabei den Eindruck gewonnen, dass weibliche Angehörige mit ihr anders reden könnten als mit einem Pastor. Doch sei ihr Dienst, „bei dem ich immer noch sehr aufgeregt bin“, noch manchmal erklärungsbedürftig, und gelegentlich werde sie für eine Pastorin gehalten, erzählt sie. „Ich tue den Menschen gut, und sie tun mir gut durch ihre Anerkennung“, resümiert Christa Hastenpflug. „Auf einem schweren Weg mitgegangen zu sein, ist ein gutes Gefühl.“

Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer erhielten Ende Februar ihre Zertifikate.

Auf den Umgang mit diesen Herausforderungensind die ehrenamtlichen Begräbnisleiter*innen im Qualifizierungskurs vorbereitet worden. Die Ausbildung dauert ein Jahr und umfasst alle relevanten Inhalte rund um den Bestattungsdienst. Dazu gehören die spirituelle Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer, die Reflexion eigener Erfahrungen, die Vermittlung theologischer und biblischer Grundlagen, der Blick auf die besondere Zeit zwischen Tod und Bestattung,die Gespräche mit Trauernden und die Verkündigung, die Rolle bei der Leitung eines Begräbnisses, der Umgang mit neuen Bestattungsformen, die Bedeutung des Abschiedsrituals sowie die Liturgie der Bestattung. Der Kurs erstreckt sich über sechs Module an Wochenenden sowie eine parallele Hospitationsphase, die von Mentoren begleitet wird.Im Frühjahr soll ein nächster Kurs beginnen. Interessierte können sich bei Michaela Tholl von der diözesanen Fachgruppe Bestattungsdienst melden unter Tel.: 0651-7105-581 oder E-Mail: michaela.tholl@bistum-trier.de. Alle Infos gibt es auf www.bistum-trier.de/glaube-und-seelsorge/seelsorge/bestattung/.

Austausch beim Treffen

Seit dem Jahr 2021 gibt es den ehrenamtlichen Dienst, der in der Folge der Trierer Bistumssynode und der von ihr angestoßenen Kirchenentwicklung entstanden ist. Ziel der Qualifizierung Ehrenamtlicher für den Beerdigungsdienst ist es, angesichts vielfältiger kirchlicher und gesellschaftlicher Veränderungen ein qualitätsvolles kirchliches Begräbnis zu gewährleisten.