Schwer kriminell ging es zu in der Evangelischen Kirche Güdingen, die kurzerhand in eine Krimi-Kirche umfunktioniert wurde. Pfarrer Christian Bauer, der beim Saarländischen Rundfunk auch in der Tatortwelt zu Hause ist, präsentierte zunächst mit zusammen Diakonin Melanie Diekmann zusammen biblische Fälle wie den Sündenfall im Paradies (Adam und Eva), den Brudermord (Kain und Abel), Verleumdung und falsche Beschuldigung (Susanna) sowie Machtbegehren und ein vertuschter Mord (David). Anschließend stellte Klaus Brabänder seinen inzwischen zwölften saarländischen Kriminalroman „Feuerwerk“ eher ungewöhnlich vor, denn er las das Ende vor. Eher kriminell-heiter wurde es mit „Gegen Mord ist kein Sauerkraut gewachsen“ von Marion Demm-Zech und ihrem Saarbotage-Team. Multimedial unterstützt und in den szenenpassenden Outfits wurde ihr Buch reichlich belebt mal als Gangster, mal als Polizisten verkleidet bis hin zum Auftritt als Blues Brothers.
Das Kontrastprogramm konnten Besucherinnen und Besucher in der Protestantischen Stadtkirche Homburg erleben. Hier zeigten rund 20 Obdachlose ihre Kunstwerke. „Wir wollen unsere Gäste sichtbar machen und ihnen Selbstvertrauen geben“, sagt Annette Orlinsky von der ökumenischen Wärmestube Saarbrücken. Sie hat die Schau mit dem Titel „Nomaden der Neuzeit“ entwickelt und den Abend zusammen mit Pfarrer Joachim Wörner organisiert. Aufs Foto möchten die meisten Künstler lieber nicht. Volker Herbert ist die Ausnahme. Im „Wärmestuben“-Shirt und mit Zylinder hat er keine Berührungsängste und zeigt gerne die Objekte, beispielsweise ein „Kettenbild“, das vor dem Altar ausgebreitet ist und immer noch fortgesetzt werden kann. Kunst von und mit Obdachlosen in der Kirche, noch dazu in Homburg? Durchaus ein Wagnis, wie Dekan Dr. Thomas Holtmann bestätigte. „Es ist mal etwas anderes für die Menschen, die normalerweise zu uns kommen.“ Aber der Kontrast funktioniert. Auch von auswärts sind Interessierte gekommen, um sich inspirieren zu lassen.
Lautes Lachen statt stiller Andacht gab es in der Kirche St. Marien in Schmelz-Außen. Die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer schlüpfte in ihre Paraderolle des Ruhrpott-Originals Erna Schabiewsky, eine Frau, die weiß, wo im Himmel der Hammer hängt. Mit ihrem zweistündigen Bühnenprogramm „Nochmal auf ANFANG“ blickte sie mit Humor und spitzer Zunge auf das Leben in Kirche und Gemeinde und insbesondere die Rolle der Frau. „Gäbe es nur TV-Gottesdienste, wäre ich evangelisch. Da sieht man wenigstens mal eine Frau“, erklärte Erna ihrem Publikum. Gerade während der Corona-Pandemie habe sie sich Gottesdienste im Fernsehen angeschaut. Die schlimmsten seien die katholischen Messen aus Österreich gewesen. „Da denke ich: Mensch, dass die im 18. Jahrhundert schon Kameras hatten und das heute noch streamen!“ Klagen über fehlenden Nachwuchs in Frauenverbänden nimmt sie gelassen: „Für die kfd kann man gar nicht alt genug sein! Bei uns wurde eine Ü85-Gruppe gegründet. Wir wollen alle 100 werden – die besten Jahre liegen noch vor uns!“
In Bexbach machen es sich viele Gäste schon am Pfingstfeuer bei herzhaften Leckereien bequem. Das offizielle Programm ist bei Einbruch der Dämmerung gerade zu Ende gegangen, aber noch Einzelne sitzen an den Mitmachstationen. Hoffnungskerzen kann man hier gestalten. Das 14-köpfige Bexbacher Team lebt auch den ökumenischen Grundgedanken der Nacht der Kirchen. Das Programm wird gemeinsam vorbereitet und dann abwechselnd in der katholischen Pfarrkirche und der Protestantischen Kirche durchgeführt. In diesem Jahr begrüßen Mitglieder des protestantischen Presbyteriums am Eingang der Kirche St. Martin. Das Pfingstfeuer brennt – auch ideell. „Man muss ja etwas bieten, um die Menschen zusammenzubringen“, sagt Heiko Rauch NdK-Team. So wundert es nicht, dass der Vorplatz der Martinskirche bei angenehmen 20 Grad auch noch nach 23 Uhr gut gefüllt ist.
Die Nacht der Kirchen wird unterstützt von der Pax-Bank, Saartoto, der Regierung des Saarlandes, der Stiftung GLAUBEN.LEBEN, dem Sparkassenverband sowie Einzelspendern.