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Waldbreitbacher Franziskanerinnen feiern 200. Geburtstag ihrer Ordensgründerin:„Lebensstark – ein Leben aus Gott in Schatten und Licht“

Mit einem feierlichen Hochamt und einer Festveranstaltung feierten die Waldbreitbacher Franziskanerinnen und rund 250 Gäste am 24. Februar den 200. Geburtstag von Mutter Rosa
Die Ordensleitung mit Generaloberin Sr. M. Michaele Rohde (2. von rechts), Sr. M. Diane Tobossi (3. von rechts), Sr. Gerlinde-Maria Gard (3. von links) und Sr. Jutta Maria Musker (2. von links) zusammen mit Dr. Heinz-Jürgen Scheid, dem Vorstandsvorsitzenden der Marienhaus Stiftung, und Birgitta Lorke, der Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Marienhaus GmbH, am Sarkophag der Seligen Mutter Rosa
Datum:
27. Feb. 2026
Von:
Andrea Schulze / red

Waldbreitbach – Mit einem feierlichen Hochamt und einer Festveranstaltung feierten die Waldbreitbacher Franziskanerinnen und rund 250 Gäste am 24. Februar den 200. Geburtstag von Mutter Rosa. Am 24. Februar 1826 erblickte die Gründerin der Ordensgemeinschaft als Margaretha Flesch in Schönstatt bei Vallendar das Licht der Welt. „Unter dem Leitsatz ‚Lebensstark – ein Leben aus Gott in Schatten und Licht‘ gedenken wir heute einer mutigen Frau, deren besondere Aufmerksamkeit den Nöten und Sorgen der Armen, Kranken und Waisen galt", begrüßte Generaloberin Schwester M. Michaele Rohde die Gäste. „Mutter Rosa lebte ihr Leben aus tiefem Vertrauen in Gott, das war ihre Größe und das war ihre Stärke", so der Zelebrant Pater Dr. Hans Langendörfer in seiner Predigt. Lange Jahre habe die Ordensgründerin zurückgezogen, unsichtbar und an den Rand gedrängt in ihrer Gemeinschaft gelebt. Sie hatte keinen großen Bekanntheitsgrad und ist heute dennoch präsent in ihren Werken, in den zahlreichen Einrichtungen der Marienhaus-Gruppe.

Mutter Rosa sei eine mutige Frau mit Unternehmergeist gewesen, so Dr. Heinz-Jürgen Scheid, der Vorsitzende der Marienhaus Stiftung. Sie musste in ihrem Leben viel Gegenwind ertragen. Sie habe das im Vertrauen auf Gott ertragen. Daraus sei etwas Großes gewachsen. Durch ihr Tun habe sie die Wurzeln für die Marienhaus-Gruppe gelegt, einen der größten Arbeitgeber im Gesundheits- und Sozialwesen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. „Die Anforderungen der Zeit sind heute andere. Aber gerade im Gesundheitswesen leben wir heute auch mit Gegenwind", sagte Scheid. „Wir sehen es als Mutter Rosas Auftrag, nach wie vor die Nöte der Menschen im Blick zu behalten. Sorgen wir dafür, dass der Name Mutter Rosas auch in den kommenden 200 Jahren lebendig bleibt."

Eine Region geprägt

Ohne Mutter Rosa wäre das Wiedtal nicht das, was es heute ist, betonten die Bürgermeisterinnen von Hausen Carmen Boden und von Waldbreitbach Monika Kukla in ihrem Grußwort. Ihre Initiative, eine Gemeinschaft zu gründen, hätte die Region geprägt. Für den Ort Waldbreitbach sei das Erbe Mutter Rosas identitätsstiftend. „Denn was hier entstanden ist, ist kein bloßes institutionelles Gebilde. Es ist geistliches Erbe – konkrete Nächstenliebe, die Räume schafft, in denen Menschen getragen werden, wo sie Halt und menschliche Zuwendung erfahren", sagte Pierre Fischer, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach.

Margaretha Flesch war die älteste Tochter eines mittellosen Ölmüllers. Als sie sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter, zehn Jahre später der Vater. Da lebte die Familie in der Keltermühle im Fockenbachtal bei Niederbreitbach im Wiedtal. Margaretha sorgte für ihren Unterhalt und den ihrer sechs jüngeren Geschwister. Ihre Kindheit und Jugend waren von Armut und Not geprägt.

Von Tagelöhnerin zur Ordensgründerin

Menschen in Krankheit, Armut und Not vorbehaltlos zu helfen, verschrieb sie sich aus ihrer christlichen Verantwortung heraus schon als junge Frau. Im Herbst 1851 zog Margaretha mit ihrer epilepsiekranken Schwester Marianne in eine der leerstehenden, ärmlichen Klausen in der Kreuzkapelle nahe Waldbreitbach. Von hier aus betreute sie die Armen und Kranken der Gemeinde. Zusätzlich nahm sie Waisenkinder bei sich auf. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie als Tagelöhnerin, mit Handarbeiten und dem Sammeln von Heilkräutern.

1856 gesellten sich die ersten gleichgesinnten Frauen zu Margaretha, fünf Jahe später begann sie mit dem Bau eines Hauses auf dem Waldbreitbacher Kapellenberg. Margaretha war 37 Jahre alt, als sie am 13. März 1863 zusammen mit zwei Gefährtinnen die Gelübde ablegte. Sie nahm den Namen Schwester Maria Rosa an und wurde die erste Generaloberin. Die Gemeinschaft der Waldbreitbacher Franziskanerinnen wuchs rasch. Die erste Filiale entstand bereits wenige Wochen nach der Gründung in Adenau, viele weitere folgten. Die Schwestern widmeten sich der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege und begleiteten Kinder und Jugendliche.

Als die Amtszeit von Mutter Rosa als Generaloberin 1878 endet, sind in 22 Filialen bereits mehr als 100 Schwestern tätig – so wuchs aus dem Nichts im Vertrauen auf Gott ein beachtliches Werk: Margaretha, die keine besondere Schulbildung erfahren hatte und auch ohne geregelte Einkünfte auskommen musste, legte den Grundstein für eines der heute großen Unternehmen im Gesundheits- und Sozialbereich: die Marienhaus-Gruppe.

Im Jahr 1903 gründeten die Franziskanerinnen die Marienhaus GmbH. 2011 überführten die Schwestern die Einrichtungen in die Marienhaus-Stiftung und stellten damit die Weichen für die Zukunft der Werke neu und trugen gleichzeitig Sorge dafür, dass das Unternehmen sein unverwechselbares christliches Profil bewahrt.

Die Waldbreitbacher Franziskanerinnen

Der Kongregation gehören derzeit 104 Schwestern an, die in Konventen und Schwesterngruppen in Deutschland, Brasilien, USA und den Niederlanden leben. Sie leben ihren Auftrag und ihre Sendung in der Nachfolge Jesu und der Orientierung am Evangelium. Unveränderte Grundlage ihrer Sendung ist es auch heute, die Nöte der jeweiligen Zeit wahrzunehmen und Gottes Heil erfahrbar werden zu lassen. Zu den aktuellen sozialen Projekten der Waldbreitbacher Franziskanerinnen gehören das Kinderprojekt „Madre Rosa“ in Brasilien und der Fonds „Familien in Not" in Deutschland. Im Benin engagieren sie sich in Zusammenarbeit mit den afrikanischen Kapuzinern für die sogenannten „Hexenkinder". Mit diesen Hilfsprojekten leben die Ordensfrauen auch heute noch das Vermächtnis der Seligen Mutter Rosa Flesch.