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Ein Jahrzehnt an der Spitze: Generalvikar von Plettenberg verabschiedet sich aus seinem Amt  :Ein ganz normaler Perspektivwechsel  

Nach fast zehn Jahren im Amt verabschiedet sich Generalvikar Dr. Ulrich von Plettenberg aus der Bistumsleitung und wechselt zurück in die Gemeindearbeit – als Pfarrer in Saarlouis.
Ulrich von Plettenberg - scheidender Generalvikar
Datum:
15. Apr. 2026
Von:
Stefan Schneider

Trier – Sein Herz schlägt für die Pastoral, und dort sieht er seine Zukunft: Nach knapp zehn Jahren im Amt verabschiedet sich Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Generalvikar des Bistums Trier, aus seiner Leitungsfunktion. Die Entscheidung sei kein spontaner Impuls gewesen. „Ich werde im Sommer 62 und wenn ich bis 70 regulär arbeiten möchte, dann habe ich noch acht Jahre vor mir. Will ich diese acht Jahre Generalvikar bleiben oder noch mal was anderes machen?“ habe er sich gefragt.  Neben diesen persönlichen Gründen hätten auch inhaltliche Gründe eine Rolle gespielt, so etwa die Überzeugung, dass Entwicklungen wie die Digitalisierung frische Impulse brauchen. „Ich bin offen für neue Entwicklungen, wie etwa die Digitalisierung, aber ich glaube auch, dass ein jüngerer Generalvikar besser mit dieser Art von Komplexität umgehen und sie auf ein anderes Niveau heben kann.“ 

Sein Werdegang als Theologe, Kaplan, Schulpfarrer und Pfarrer hat seinen Blick auf das Leitungsamt geprägt. „Ich habe versucht, die vielfältigen Perspektiven in das Amt einzubringen“, betont er. Doch die Rolle verändere auch den Menschen. „Man wird an manchen Stellen menschlich kühler, um sich nicht gefangen nehmen zu lassen.“ Die Frage, ob er mit dieser Distanz noch authentisch in der Pastoral wirken könne, sei ein wichtiger Faktor für seinen Entschluss gewesen. Besonders prägend bleibe für ihn die Bistumssynode. „Sie war ein Highlight in meinem Leben.“ Die intensiven Diskussionen und der gemeinsame Blick auf die Zukunft der Kirche hätten ihn tief beeindruckt. 

Die vergangenen Jahre waren dann sehr von Strukturfragen bestimmt. „Wir hätten gerne nach dem Abschluss der Synode inhaltlich weitergearbeitet. Im Oktober 2016, zu meinem Auftakt als Generalvikar, haben die versammelten Diözesanen Räte über diese Frage diskutiert.“ Da habe es das eindeutige Plädoyer dafür gegeben, zuerst die Struktur aufzustellen, um den Menschen Halt zu geben und ihnen zu zeigen, wo sie genau anfangen sollen. Vieles sei in den knapp zehn Jahren seiner Amtszeit angegangen oder umgesetzt worden: die territoriale Neuaufstellung des Bistums, der Haushaltssicherungsprozess, die Digitalisierung der Verwaltung. „Das sind alles Dinge, die dran waren“, zieht er Bilanz. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt er die Umsetzung der Synodenergebnisse und die Errichtung des Diözesanrates als breites Beratungs- und Beteiligungsgremium. 

Gleichzeitig habe er nie den Kontakt zu den Menschen verloren: „Mich beeindruckt immer sehr, was hinter dem Zahlenwerk steht, wie viele Menschen, wie viele Geschichten und wie viel Engagement dahintersteckt.“ Umso schmerzhaft sei gewesen, Menschen zu enttäuschen, was oft eine unvermeidbare Folge mancher Entscheidungen sei. Ebenso der Stopp aus Rom hinsichtlich der „Pfarrei der Zukunft“: „Die Enttäuschung war sehr groß. “ Es zeigten sich darin auch die Grenzen dessen, was in der Leitung möglich sei: „Manchmal komme ich mir vor wie in einem Gang voller Laserstrahlen – Gesetze, Verordnungen, Vorgaben.“ Der Weg zurück in die Pastoral falle ihm dennoch nicht schwer: „Das ist ein ganz normaler Perspektivwechsel.“ 

Das 2023 eingeführte Modell der Doppelspitze mit Leitendem Direktor bewertet er positiv: „Dank der Entlastung hatte ich die Möglichkeit, zusätzlich als Bischofsvikar im Saarland zu arbeiten, also näher an konkreten Gegebenheiten in den Kirchengemeinden. Das hat mich geerdet.“ Im Sommer wird von Plettenberg Pfarrer der Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Die Wahl sei bewusst getroffen: „Ich finde die Stadt reizvoll und es ist sinnvoll, dass Saarlouis wieder einen Pfarrer bekommt.“  

Die neue Aufgabe empfindet er keineswegs als Rückschritt: „Ich glaube, als Pfarrer habe ich durchaus gewisse Gestaltungsspielräume und mir liegt es, nahe bei den Menschen zu sein.“ Die räumliche Distanz zum Bischof werde zwar größer, doch bei dieser Zusammenarbeit bleibe das Vertrauen: „Wir waren ein eingespieltes Team. Das wird sich halten.“ Privat freut er sich auf etwas mehr Ruhe und dass sich die Work-Life-Balance ein bisschen aufbessert: mit vielleicht etwas Zeit „zum Wandern, Motorradfahren und Lesen“.