Pastoraler Studientag in Vallendar widmet sich der Seelsorge :Menschen in Krisenzeiten Halt geben

Vallendar – „Anforderungen an die Seelsorge in Krisenzeiten“: Unter diesem Thema hat der diesjährige Pastorale Studientag für Seelsorger*innen und Mitarbeitende aus dem Bistum Trier und der Caritas am 1. September in Vallendar gestanden. Mehr als 120 Personen folgten der Einladung der Bereiche „Seelsorge und Kirchenentwicklung“ und „Personal“ im Bischöflichen Generalvikariat (BGV) Trier.
„Es ist ein Thema, das uns emotional berührt, aber es handelt sich auch um den Kern unserer Kompetenz: für Menschen da sein“, führte Dr. Thorsten Hoffmann, Abteilungsleiter Ausbildung und Personalentwicklung im BGV, in das Thema des Tages ein. „Es ist ein Thema, das uns alle herausfordert“, ergänzte Annika Burggraaff, Mitarbeiterin im Team Personalentwicklung. „Wir leben in einer veränderten Welt. Auch wir in Deutschland sind betroffen“, sagte Bischof Dr. Stephan Ackermann. „Regierungsseitig hat es dazu geführt, dass die beiden großen Kirchen gebeten wurden, ein Rahmenkonzept für Seelsorge in Krisen zu erstellen. Wir wollen uns dieser Anfrage nicht entziehen – wir haben etwas einzubringen “, so Ackermann. Die Veröffentlichung des ökumenischen Rahmenkonzepts „Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“ und der Studientag laden dazu ein, auf Seelsorge in besonderen Krisensituationen und bei sogenannten Großschadensereignissen zu schauen – auch jenseits großer politischer Fragen.
„Ein Konzept auch für Friedenszeiten”
Als Referent sprach Dr. Martin Seidnader aus München, der an der Erarbeitung des ökumenischen Papiers mitgewirkt hat. „Es ist kein militärisches, sondern ein kirchliches Konzept, das auch in Friedenszeiten anwendbar ist“, erklärte der Theologe. „Wir hoffen, dass der militärische Fall nie eintreten wird, aber Krisen können wir uns nicht verwehren, und die Aufgabe besteht darin, sich vorzubereiten.“ Es gelte, Fragen nach Rollenverständnis, eigener Haltung, Resilienz und Vernetzung zu stellen und Antworten darauf zu finden.
Neben dem Impuls von Seidnader gab es kurze Impulse, eingespielt als Videos, von Personen aus Zivilgesellschaft und Politik zur derzeitigen Situation mit ihren multiplen Krisen. Diese Beiträge und die Ausführungen von Seidnader führten zu vielfältigen Rückmeldungen aus dem Plenum: So kam der Vorschlag, sich an gut vernetzten und eingespielten Bereichen wie der Notfallseelsorge zu orientieren, oder die Erfahrungen aus der Flutkatastrophe 2021 zu nutzen. Zudem wurde appelliert, dass sich die Kirche stärker für den Frieden einsetze, und es wurden Bedenken geäußert, dass es als selbst betroffene Person eine Herausforderung sei, als Seelsorgerin oder Seelsorger angefragt zu sein.
Wunsch nach konkreten Handlungsempfehlungen
Die Teilnehmenden wünschten sich konkrete Handlungsempfehlungen von der Bistumsleitung. Darauf gingen Mechthild Schabo, Leiterin des Bereichs Seelsorge und Kirchenentwicklung, und Bischof Ackermann ein, indem sie einen Einblick in den bereichsübergreifenden Austausch der Arbeitsgruppe „Krisenresilienz” gaben. Hier arbeiten verschiedene Bereiche innerhalb des BGV und der Caritas an einem kompakten Papier, das der Seelsorge vor Ort in außerordentlichen Krisenzeiten unterstützend dienen soll. „Wenn wir diesen Entwurf erstellt haben, gehen wir damit auf die Leitungsteams in den Pastoralen Räumen zu, um ihn mit ihnen zu besprechen und zu überprüfen“, betonte Schabo.
Der Wunsch des Bischofs an die Anwesenden lautete, das Thema wahrzunehmen, sich diesem zu stellen, das ökumenische Papier zu lesen und dabei auch zu prüfen, was die Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie Mitarbeitenden für die Seelsorge im Allgemeinen daraus ziehen können.
„Menschen Halt geben, ihnen zuhören, für sie da sein”
Den Abschluss des Tages bildete ein Friedensgebet, das von Weihbischof Robert Brahm gestaltet wurde. „Wir haben uns heute bewusst mit aktuellen Krisensituationen auseinandergesetzt und sind der Frage nachgegangen, was wir als kirchliche Gemeinschaft dagegenhalten können“, so Brahm. „Wir haben keinen staatlichen oder militärischen Auftrag, aber die Aufgabe, Menschen Halt zu geben, ihnen zuzuhören und als Gemeinschaft für sie da zu sein“, betonte der Weihbischof. „Frieden ist möglich. Diese Hoffnung lebendig zu halten, ist unsere Aufgabe.“
An dem Studientag nahmen auch Dr. Dieter Skala, Leiter des Katholischen Büros in Mainz und somit Schnittstelle zwischen Kirche und Politik, Generalvikar Tim Sturm sowie Ulrich Stinner, Leiter der Abteilung Seelsorge und Lebenswelten, teil und brachten sich in den Austausch ein.
Pastorale Studientage finden im Bistum Trier regelmäßig statt. Nach dem Auftakt im Visitationsbezirk Koblenz folgen Veranstaltungen in Saarbrücken (15. September) und Trier (10. November). An den Angeboten nehmen Mitarbeitende der Pastoral, darunter Pfarrer, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferent*innen sowie Mitglieder der Leitungsteams der Pastoralen Räume und Leitungspersonen der Caritas teil.