Marion Bexten beginnt Dienst :Neue Gefängnisseelsorgerin in der JVA Saarbrücken eingeführt

Saarbrücken – Marion Bexten ist neue katholische Gefängnisseelsorgerin in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Saarbrücken. Die Gemeindereferentin tritt die Nachfolge von Carmen Folz an, die seit dem 1. Juni als Polizeiseelsorgerin im saarländischen Teil des Bistums Trier in Vollzeit tätig ist. Bexten arbeitet jeweils mit einer halben Stelle in der JVA sowie an ihrem bisherigen Einsatzort, der Pfarrei St. Josef Malstatt im Pastoralen Raum Saarbrücken. Vertreter des Bistums Trier, des saarländischen Justizministeriums und der JVA-Leitung würdigten im Rahmen eines Gottesdienstes in der Gefängniskapelle bei der offiziellen Schlüsselübergabe die Verdienste beider Seelsorgerinnen.
„Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf meine Arbeit hier zurück“, sagte Carmen Folz, die seit 2021 als Gefängnisseelsorgerin in der JVA tätig war. „Der Mensch ist immer mehr als seine Tat. Mehr als seine Vergangenheit und seine aktuelle Situation. Jeder trägt Würde in sich“, beschrieb sie ihre Haltung. Sie dankte für das große Vertrauen und die Unterstützung durch Anstaltsleitung und Mitarbeitende. Als besondere Höhepunkte ihrer Tätigkeit nannte sie die gemeinsamen Pilgertouren: „Gemeinsam unterwegs sein, fern des Arbeitsalltags, da wurden Erfahrungen geteilt und Gemeinschaft erfahren. Das ist auch Ausdruck dessen, was Seelsorge ausmacht: Menschen ein Stück ihres Weges begleiten.“
Darüber hinaus brachte sich die ausgebildete Kirchenmusikerin und Sängerin mit ihrem musikalischen Talent in die JVA ein und gründete einen Chor mit Sängerinnen und Sängern aus der Anstalt und von außerhalb, der die Gottesdienste mitgestaltete. „Diese Begegnungen waren für viele prägend. So kann Teilhabe gelingen.“ Trotz der Unterschiede zwischen Gefängnis- und Polizeiseelsorge bleibe der Auftrag derselbe: „Der gemeinsame Nenner ist der Mensch und unser Auftrag, Menschen zuzuhören, zu begleiten und beizustehen. Der Ort verändert sich, doch der Kern der Seelsorge bleibt“, betonte Folz.
Marion Bexten berichtete, dass der Entschluss, sich auf die Stelle als Gefängnisseelsorgerin zu bewerben, über Monate gereift sei. Seit vier Monaten ist sie nun in der JVA tätig. „Ich bin gerne hier. Trotz allem Schweren, das es hier gibt, ist es ein guter Ort. Ich habe noch nie so viele Rosenkränze verteilt wie hier. Das zeigt: Gottes Segen ist mit jedem Menschen – auch in dieser Situation. Ich stehe noch am Anfang und lerne. Ich wünsche, mich hier gut einzuleben und einen guten Platz hier zu finden“, sagte sie.
Anstaltsseelsorge hat einen unersetzlichen Wert für den gelingenden Strafvollzug

Das Bistum Trier sieht in der Gefängnisseelsorge einen wichtigen Dienst der Kirche in der Gesellschaft, betonte Ulrich Stinner, Leiter der Abteilung Seelsorge und Lebenswelten im Bischöflichen Generalvikariat und zitierte aus dem Leitfaden der Deutschen Bischofskonferenz: „Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen“ (Hebr. 13,3). Die Kirche sehe im Gefangenen zuerst den Menschen mit seiner unverlierbaren Würde. Seelsorge könne helfen, Schuld zu bewältigen, eine innere Neuorientierung zu finden und die Hoffnung auf einen Neuanfang zu stärken. Mit Blick auf Carmen Folz sagte er: „Du hast die Herausforderung gesucht und angenommen. Seelsorge in der JVA ist eine Herausforderung für das eigene Menschen- und Gottesbild und für die eigene Person. Aber genauso herausfordernd, so erfüllend ist die Aufgabe. Es geht ohne Umwege direkt um den Menschen, seine Verzweiflung, Schuld, Hoffnung und Sehnsucht. Du hast dich in diese Aufgabe mit viel Herzblut und Kompetenz hineinbegeben.“ Marion Bexten habe sich nach langer Tätigkeit als Gemeindereferentin in Tholey und Saarbrücken sehr bewusst für die Gefängnisseelsorge entschieden. „Ich lerne Sie als gewissenhaft und erfahren kennen. Sie werden der neuen Aufgabe im Team mit Gefängnispfarrer Michael Müller und in ökumenischer Verbundenheit mit der evangelischen Seelsorge professionell mit Ihrer klaren, zugewandten Art begegnen.“
Auch von Seiten der Landespolitik gab es große Anerkennung: „Wir verlieren eine hochgeschätzte und verdiente Kollegin in der Anstaltsseelsorge, aber gewinnen eine neue Kollegin, die sich bereits gewinnbringend eingebracht hat“, sagte Dr. Jérôme Lange, Abteilungsleiter für den Justiz- und Maßregelvollzug im saarländischen Justizministerium. „Sie erfüllen eine sehr schwierige Aufgabe, die nur mit sehr viel intrinsischer Motivation zu bewältigen ist.“ Er würdigte zudem, dass die Gefängnisseelsorgenden nicht nur für die Gefangenen, sondern auch für die Bediensteten und deren Familien ansprechbar seien: „Anstaltsseelsorge hat einen unersetzlichen Wert für den gelingenden Strafvollzug“.
„Die Seelsorgenden sind Teil unseres Teams“, betonte der Leiter der JVA Saarbrücken, Pascal Jenal, und hob damit eine Besonderheit seiner Anstalt hervor. Er ermutigte Marion Bexten: „Haben Sie verrückte Ideen. Denken Sie quer, wenn wir etwas betriebsblind sind. Mehr als nein sagen kann ich nicht.“ Mit Blick auf Carmen Folz ergänzte er: „Eine JVA ist kein Feuilleton. Es ist Ihnen gelungen, hier einen Geist reinzubringen, der auch Religionsfremden das Thema nahebringt. Sie haben sich sehr präsent gezeigt und ihre Arbeit ist auf fruchtbaren Boden gefallen.“ Er äußerte die Hoffnung, dass Chor und Schola auch in Zukunft fortbestehen können, da sie Menschen innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern zusammenbringen und so zur Resozialisierung beitragen. „Wir kriegen die Reaktion: Das sind ja gar keine Monster, sondern Menschen, die Fehler gemacht haben“, sagte Jenal.