Benediktion von Abt P. Wendelinus:Pater Wendelinus Naumann zum 87. Abt von Tholey geweiht


Tholey – „Ich bin bereit” – fünf Mal antwortet Abt Wendelinus in der vollbesetzten Abteikirche St. Mauritius in Tholey mit fester Stimme auf die Fragen von Bischof Stephan Ackermann. Er gelobt, die Sorge für die ihm als Abt anvertrauten Mitbrüder als seine erste Pflicht anzusehen, den Besitz des Klosters treu zu verwalten, der Kirche und dem Papst gehorsam zu dienen, die monastischen Gelübde und die Regeln des heiligen Benedikt einzuhalten und durch seine Lebensweise den Mitbrüdern Vorbild zu sein. Das Gelöbnis ist Teil des Zeremoniells der Benediktion („Abtsweihe“) von Abt Pater Wendelinus Naumann, die Bischof Ackermann am Sonntag, 23. November, im Rahmen eines Pontifikalamtes vorgenommen hat.
Bereits am 25. August hatte der Benediktiner-Konvent den 53-Jährigen zum Nachfolger des am 9. Juli überraschend verstorbenen Abtes Mauritius Choriol (†65) gewählt. P. Wendelinus ist der 87. Abt der Abtei Tholey, die 634 erstmals urkundlich erwähnt wurde und damit als ältestes Kloster Deutschlands gilt. Eine Amtsperiode dauert zwölf Jahre, eine Wiederwahl ist möglich. „Humilitate et misericordia“ (Demut und Barmherzigkeit) – unter dieses Leitwort stellt der neue Abt sein Wirken. An der Benediktion nahmen viele Gäste teil, darunter auch Abtpräses Franziskus Berzdorf. Musikalisch gestaltete die Choralschola der Abtei unter der Leitung von Alfons Kreuzer und Organist Christian Mees die Benediktion. „Lass ihn bedenken, welch schweres und mühevolles Amt ihm übertragen ist: Menschen auf dem Weg des Heils zu leiten und der Eigenart vieler zu dienen. Lass ihn erkennen, dass es seine Aufgabe ist, mehr zu helfen als zu herrschen“, sprach der Bischof ein Segensgebet für den neuen Abt. Anschließend überreichte er ihm die Insignien Ring, Mitra und Hirtenstab. „Tragen Sie Sorge für die Brüder, die Ihnen anvertraut sind“, so der Bischof weiter.
Abt soll helfen statt herrschen

Der Zeitpunkt der Benediktion am Christkönigstag sei seinem sowie dem Terminkalender der Abtei geschuldet gewesen – doch steckten in dem Fest auch mehrere Botschaften für einen Benediktiner-Konvent und seinen Abt. Am Sonntag vor dem ersten Advent feiert die katholische Kirche mit dem Christkönigsfest die Königswürde Jesu Christi. Doch übe Jesus seine Macht nicht mit Gewalt aus, sondern entfalte sie dort, wo Menschen bereit sind, ihn wirken zu lassen. „Das Christkönigsfest schreibt einem benediktinischen Abt und seinen Brüdern die Wachsamkeit und die Offenheit für Christus ins Stammbuch“, sagte Ackermann. Es sei der Auftrag eines Klosters, die Geschichte des Heils, die Botschaft vom Reich Gottes, in sich wirken zu lassen und davon zu erzählen – auch stellvertretend für alle Menschen inner- und außerhalb der Kirche. Die zweite Botschaft des Christkönigsfestes für den Konvent laute: „Sie sollen Christus und seiner Liebe nichts vorziehen. Sie sollen ihn König sein lassen. Christus und seine Botschaft sollen Vorrang vor allem anderen haben.“ Diese Haltung erfordere Demut. „Die Abtbenediktion am Christkönigstag erinnert daran, wer der eigentliche Herr im Haus ist: Jesus Christus.“ Dies bedeute für den neuen Abt, dass er mehr helfen statt herrschen solle. „Denn Christus herrscht und ist König.“
Das Tagesevangelium nach Lukas schilderte die Kreuzigungsszene, in der Jesus verspottet wird. Doch ein Mitgekreuzigter habe Jesus gebeten: „Denk an mich.“ Und erhielt die Zusage, mit Jesus ins Paradies zu kommen. „Der Mitgekreuzigte hatte den Mut, Jesus anzusprechen und für sich zu bitten. Aber wir dürfen auch die nicht übersehen, die das nicht können.“ Der Dienst einer Klostergemeinschaft bestehe auch darin, für die Anliegen der Menschen zu beten, die sich ihr anvertrauen, ebenso für die Anliegen der gesamten Welt. „Wir beten für Abt und Klostergemeinschaft: Jesus, denk an sie. DU weißt am besten, was ihnen zum Heil dient, damit sie zum Segen für andere werden. Amen.“
Von Gefühlen überwältigt

Er sei angesichts der hohen Anteilnahme so vieler von seinen Gefühlen überwältigt, sagte Abt Wendelinus am Ende der zweistündigen Messe. Dass seine Benediktion auf Christkönig und sein Vorgänger Abt Mauritius am Vortag seinen 66. Geburtstag gefeiert hätte, sei für ihn Gottes Fügung: „Das ist für mich nie Zufall. Das sind die kleinen Bestätigungen, die man braucht, um vor den großen Herausforderungen, an denen es nicht mangelt, nicht zu verzweifeln. Darin zeigt er sich: Gott ist an unserer Seite. Er denkt und fügt mehr, als wir für möglich halten.“ Er berichtete von seiner schweren Krankheit, die er im vorigen Jahr nur knapp überlebt habe. Dabei habe er einen Fuß verloren, wegen seiner Augen sei er noch in Behandlung. Die Zeit der Krankheit habe ihn viel gelehrt: „Der Rosenkranz war in dieser Zeit mein bester Freund. Die Kraft des Gebetes ist etwas unglaublich Tröstendes. Es war für mich eine unglaubliche Selbsterfahrung, dass er nicht von meiner Seite geht. Ich war in dieser Zeit nie gottverlassen.“
Abt überrascht und dankbar über schnelle Wahl

In seiner kurzen Ansprache nutzte Abt Wendelinus die Gelegenheit, den Partnern in Landkreis, Kommune und Pfarreiengemeinschaft zu danken. Sein Dank galt auch seiner Familie. Mutter, Bruder und weitere Verwandte hatten am Sonntag an der Benediktion teilgenommen. Doch seine Gedanken seien an diesem Tag auch bei seinen verstorbenen Großeltern und seinem verstorbenen Vater: „Ohne die Herkunft und Prägung, die man in Kindheit und Jugend erfahren hat, wird man nicht zu dem Menschen, der man heute ist.“ Dank gelte auch seiner „zweiten Familie“, den Mitbrüdern des Konvents. „Ich bin meinen Mitbrüdern für das ausgesprochene Vertrauen in der Wahl so kurz nach dem Tod von Abt Mauritius in einer derart überzeugenden Art sehr dankbar. Ich dachte nicht, dass unmittelbar nach seinem Tod sofort ein neuer Abt gewählt wird, sondern dass man zuerst einen Prior administrator einsetzt. Doch damit stand ich wohl ziemlich alleine“, sagte Abt Wendelinus. Der Konvent in Tholey sei mit derzeit elf Mönchen ein kleiner, dafür aber junger Konvent. „Meine Mitbrüder sind im Alter von 18 bis 80 Jahren, das Durchschnittsalter liegt unter 50.“ Der Konvent habe das große Glück, über eine nun fast fertig sanierte Klosteranlage zu verfügen. Eine der ersten Aufgaben sei die Neuordnung des Gästehauses, das bislang sein Vorgänger als gelernter Koch geleitet hat. Künftig solle die Gastronomie verpachtet werden.
Landrat Udo Recktenwald und der Tholeyer Bürgermeister Andreas Maldener gratulierten dem nun benedizierten Abt und versprachen, die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Abtei fortzuführen. „Von diesem Tag geht eine Botschaft an uns alle aus. Die Botschaft auch für alle, die in der Gesellschaft Verantwortung tragen, noch einmal innezuhalten und nachzudenken, ob wir in allem, was wir tun, auf dem richtigen Weg sind“, sagte Recktenwald. Maldener gedachte des verstorbenen Abtes Mauritius: „Er hat die Tradition getragen und Neues angestoßen.“ Pater Wendelinus trete dessen Erbe, an das es zu bewahren und weiterzuführen gelte. „Die Abtei ist Herz und Seele unseres Ortes. Sie ist ein Ort des Friedens in der Welt, die oft viel zu laut ist“, sagte Maldener.
Zur Person:

Wendelinus Johannes Naumann stammt aus Lebach-Thalexweiler und wurde 1972 geboren. Nach Schule und Abitur studierte er Geschichte und Kunstgeschichte. Danach war er als Historiker und Autor tätig. Schon seit seiner Jugend war er dem Tholeyer Benediktinerkloster verbunden. 2008 wurde er Vorsitzender des Fördervereins der Abtei. In dieser Funktion engagierte er sich über Jahre maßgeblich bei der Sanierung und Neuaufstellung der Abtei.
2015 trat er in die Mönchsgemeinschaft der Abtei St. Mauritius ein. Nach Postulat und Noviziat legte er im Juli 2016 seine Zeitliche und drei Jahre später seine Feierliche Profess ab. Von 2017 bis Sommer 2020 studierte er Theologie in Lantershofen. Zeitgleich war er stark engagiert in der Konzeption und Umsetzung der Sanierung der Klosterkirche. Am Festtag seines Namenspatrons Wendelinus, am 20. Oktober 2020, weihte ihn Weihbischof Robert Brahm zum Diakon. Am 6. Juni 2021 weihte Bischof Dr. Stephan Ackermann Wendelinus Johannes Naumann zum Priester.