Zum Inhalt springen

Mit Erasmus+ als Erzieherin ins Ausland:Wenn Ausbildung Grenzen überschreitet

Drei angehende Erzieherinnen der Bischöflichen Edith-Stein-Schule in Neunkirchen absolvierten ein Auslandspraktikum in Rom.
Giulia Tuttolomondo, Lisa Lambert, Louisa König (von links) besichtigen mit Pastoralreferent Markus-Krogull-Kalb den Campo Santo Teutonico im Vatikan.
Datum:
22. Dez. 2025
Von:
Ute Kirch

Neunkirchen/Rom – Während der Ausbildung in Deutschland eine Zeitlang im europäischen Ausland leben und arbeiten? Für Lisa Lambert, Giulia Tuttolomondo und Louisa-Felize König wurde genau das Wirklichkeit. Die drei angehenden Erzieherinnen aus Neunkirchen verbrachten vom 10. November bis 19. Dezember sechs Wochen in der italienischen Hauptstadt Rom und absolvierten ihr Blockpraktikum am Kindergarten der Deutschen Schule. Neben der pädagogischen Arbeit und dem Alltag in einer internationalen Metropole sammelten sie Erfahrungen, die weit über den Unterricht hinausgingen. „Diese Erfahrung ist unbezahlbar“, sagen die drei rückblickend. „Wir haben nicht nur für die Ausbildung, sondern wirklich fürs Leben gelernt.“

Möglich gemacht hat dies die Edith-Stein-Schule in Trägerschaft des Bistums Trier. Die Bischöfliche Fachschule für Sozialpädagogik in Neunkirchen trägt seit 2022 offiziell den Titel „Europaschule des Saarlandes“ – ein Alleinstellungsmerkmal in der saarländischen Bildungslandschaft. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die Schule in europäischen Bildungsprogrammen aktiv und versteht die Europäische Union nicht nur als politischen Zusammenschluss, sondern als realen Lebens- und Arbeitsraum für junge Menschen. „Die Möglichkeit, an den europäischen Programmen teilzunehmen, ist zunehmend eine zentrale Motivation für die Bewerbung um einen Schulplatz an der Edith-Stein-Schule“, sagen die Projektleiter Karin Biehler und Uwe Schäfer. Die Praktika sollen den Schülerinnen und Schülern helfen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, fachlich sicherer zu werden und andere Kulturen besser zu verstehen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Vergleich: Wie arbeiten Kindertageseinrichtungen in Deutschland, und wie sieht frühkindliche Bildung in anderen europäischen Ländern aus? „Dazu gehören auch bildungspolitische Hintergründe, pädagogische Konzepte, Leitbilder und methodisch-didaktische Ansätze“, sagt Projektleiter Uwe Schäfer.

In Rom konnten Lambert, Tuttolomondo und König ihre fachlichen Fähigkeiten direkt in der Praxis vertiefen. Begleitet wurden die drei vor Ort von Praxisanleiterinnen. „Diese Anleitung geschieht in Rom in vorbildlicher Weise, genauso wie die Zusammenarbeit auf der Organisationsebene“, bedankte sich Schäfer bei der Leiterin des Kindergartens Marion D'Angelo. Die drei Praktikantinnen bereiteten ein pädagogisches Angebot für die Kinder vor, das von einer Lehrkraft der Edith-Stein-Schule begutachtet und mit den Anleiterinnen reflektiert wurde.

Neben der Arbeit im Kindergarten war ein religionspädagogisches Seminar am Campo Santo Teutonico, einer deutschen Enklave im Vatikan, ein besonderer Höhepunkt des Praktikums. Pastoralreferent Markus Krogull-Kalb führte an historischem Ort ein Seminar zum Thema „Erschließung eines Kirchenraums mit Kindern und für Kinder“ sowie „Erkundung und Erschließung eines Friedhofs mit Kindern“ durch. Die Seminarinhalte reichten von der Vorbereitung in der Kita über Einstiegsmöglichkeiten vor Ort und der pädagogisch-methodischen Gestaltung des Friedhofsrundgangs bis hin zu Gedenkritualen und Reflexionsmöglichkeiten.

Praktika in sieben europäischen Ländern

Rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler nutzt jedes Jahr die Möglichkeit, ein sechswöchiges Blockpraktikum bei einer sozialpädagogischen Partnereinrichtung in einem anderen EU-Land zu absolvieren. Prag, Paris, Warschau, Riga, Dublin oder eben Rom. Getragen werden die Auslandsaufenthalte vom EU-Bildungsprogramm ERASMUS+. Allein im November und Dezember 2025 absolvierten 22 Schülerinnen und Schüler ihr Praktikum in sieben europäischen Ländern. Die Finanzierung erfolgt vollständig über EU-Stipendien. Die Versicherungen übernimmt die Schule.

Doch Europa endet für die Fachschule nicht beim Praktikum. Im Schulentwicklungsprogramm ERASMUS+ (KA2) arbeitet die Edith-Stein-Schule mit Partnerschulen aus Belgien, Polen, Italien, Rumänien und Portugal zusammen. „Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich bei diesem Programm intensiv mit einem Thema sowohl innerhalb ihrer eigenen Schule als auch bei gemeinsamen Arbeitstreffen in den Partnerschulen“, erklärt Projektleiterin Karin Biehler. In der Vergangenheit bearbeiteten sie Themen wie Inklusion, Zivilcourage, Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie Demokratiebildung und Mitbestimmung. Diese Themen spielten auch in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern eine wichtige Rolle. Neben Präsenztreffen gibt es auch Online-Meetings. Die Teilnahme an diesem europäischen Programm ist ein wichtiger Baustein der Schulentwicklung und fördert wie alle europäischen Aktivitäten der Schule nicht nur die fachliche Ausbildung, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung. Dieser ganzheitliche Ansatz folgt dem Leitbild der katholischen Schulen in Trägerschaft des Bistums Trier: „Den ganzen Menschen bilden.“