Ritualmordlüge und Judenpogrome: der „heilige Werner von Oberwesel“

Alles fängt an mit einem mysteriösen Leichenfund: Um Ostern des Jahres 1287 wird bei Bacharach am Mittelrhein die übel zugerichtete Leiche eines männlichen Jugendlichen gefunden. Der Junge heiße Werner, verbreitet sich, und er sei von Juden in Oberwesel ermordet worden – wenige Kilometer rheinab von Bacharach. Es kommt zu blutigen Pogromen gegen jüdische Gemeinden im Rhein-Mosel-Raum – und zu einer jahrhundertelangen Verehrung des „heiligen Werner“ als Märtyrer, vor allem in Bacharach und Oberwesel. Erst in den 1960er Jahren wird Werner aus dem Heiligenkalender des Bistums Trier gestrichen, die letzte Wernerprozession zieht 1971 durch die Straßen von Oberwesel. Der Mittelrhein-Historiker Walter Karbach schildert im Gespräch mit Stefan Weinert die Ritualmordlüge und den Märtyrerkult um den „heiligen Werner von Oberwesel“.