Josefswallfahrt in Merzig 2026:Der heilige Josef – ein Mann der Stille und des Dienstes


Merzig – „War der heilige Josef ein Träumer?“ Mit dieser leicht provokanten Frage hat der Quierschieder Pastor Johannes Kerwer seine Predigt im Festhochamt der Merziger Josefswallfahrt begonnen. Rund 350 Pilgerinnen und Pilger waren am Donnerstag, 19. März, in die Kirche St. Josef gekommen, um den Patron ihres Gotteshauses zu feiern. Kerwer war kurzfristig für den eigentlichen Festprediger, den Tholeyer Abt P. Wendelinus Naumann eingesprungen, der wegen Krankheit absagen musste.
Im Traum erfahre Josef von Marias jungfräulicher Mutterschaft und erhalte die Warnung, dass das göttliche Kind durch Herodes in Gefahr ist. „Josef war ein Mann der Stille und ein Mann des Dienstes“, sagte Kerwer. In beidem könne er uns heute Vorbild sein. „Doch er wollte keine Flucht von der Welt begehen oder sich von seinen Mitmenschen abschotten. Für Josef war die Stille ein Ort der Begegnung mit Gott“, so Kerwer. Die Stille sei auch für das Glaubensleben heute wichtig, doch seien Menschen zu oft voll mit Bildern und Bedrängnissen, durch die Medien ständig mit Eilmeldungen und Sensationen konfrontiert, dass es schwerfalle, zur Ruhe zu kommen. Das Beispiel des heiligen Josef zeige, wie wertvoll es sei, wieder zu lernen, nach innen und nach oben zu schauen. „Damit Gott auch unsere Seele berührt und zu ihr sprechen kann.“ Die Fastenzeit sei eine gute Gelegenheit, dieses Gehen nach Innen zu üben.
Josef lädt ein zu mehr Gottvertrauen

Josef sei zugleich „der bereite Diener Gottes“, so der Pastor. „Heute wird es oft so dargestellt: nur das laute, das sensationelle Leben ist wirkliches Leben. Das verborgene Leben, die Einfachen, die im Hintergrund ihr Leben gestalten, haben das Leben nicht richtig genutzt.“ Doch Josef beweise das Gegenteil. Er habe nicht seinen selbstgedachten Lebensplan durchgeführt, sondern auf die Weisungen Gottes vertraut. „Es geht um das bedingungslose Vertrauen, dass die eigene Zukunft in Gottes Hand sicherer ist als in der eigenen.“ Loslassen bedeute nicht nur Verlust, sondern mache Platz für Neues, nämlich für Gott. Loslassen bedeute auch, Enttäuschungen und gekränkten Stolz loszulassen, um Frieden und Zuversicht zu gewinnen. „Josef lädt uns ein, Gott zu vertrauen, dass er uns gerade durch das Loslassen ein erfülltes Leben schenkt. Wir müssen bereit sein, Gott an die erste Stelle zu setzen und nicht uns selbst. Das hat der heilige Josef vorbildhaft getan.“
Neben Johannes Kerwer standen Dekan Patrik Schmidt, die Pfarrer Hans-Thomas Schmitt, Bernd Schneider, Kooperator Shyju Joseph Nedungattu und Diakon Michael Betzold der Messe vor. Für die musikalische Gestaltung des Festhochamtes zeichnete Jürgen Diedrich verantwortlich. Er hatte eigens für das Festhochamt einen Projektchor zusammengestellt.
Wallfahrt geht auf Heilungsgeschichte zurück

Über die Mittagszeit konnten sich die Gläubigen mit Gulaschsuppe aus der Küche des Malteser Hilfsdienstes stärken oder von Abiturientinnen und Abiturienten des Gymnasiums am Stefansberg mit Kaffee und Kuchen oder Schnittchen und Kaltgetränken zugunsten der Abikasse erwerben. Am Nachmittag konnte der Kreuzweg von der Josefskapelle zur Kreuzbergkapelle in Angriff genommen werden. Bereits am Vorabend des Josefstags hatten rund 200 Gläubige an der Messe mit dem Trierer Domkapitular Monsignore Ottmar Dillenburg teilgenommen.
Info: Die Verehrung des heiligen Josef hat in Merzig eine lange Tradition: 1677 wurde in Merzig die Josefskapelle errichtet. Merziger Bürger hatten sie zum Dank nach dem überstandenen Krieg und nach überstandenen Plünderungen und Brandschatzungen im Saartal gestiftet. 166 Jahre später wurde die Kapelle eine Wallfahrtsstätte: Am 19. März 1843 betete der sogenannte „krumme Nekla“ in der Kapelle und wurde auf wundersame Weise von seinen Leiden geheilt. Seit 1844 kamen jedes Jahr tausende Pilgerinnen und Pilger zum Josefstag nach Merzig mit Ausnahme der Jahre 1940, 1944 und 2020.