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Umfangreiche Publikation zur Baugeschichte des Trierer Doms vorgestellt:Die Baugeschichte einer „außergewöhnlichen“ Bischofskirche

Am 1. Mai wurde die 700 Seiten starke Monografie über den Trierer Dom von Dr. Dominik Jelschewski vorgestellt.
Vier Männer und eine Frau stehen im Trierer Dom vor dem Altar. Zwei Männer halten ein Buch in der Hand.
Datum:
4. Mai 2026
Von:
Stefan Endres / red

Trier – Seit dem Jahr 2015 ist die Baugeschichte der ältesten Bischofskirche Deutschlands, des Trierer Doms St. Peter, umfangreich und mit modernsten Methoden erforscht worden. Am 1. Mai ist nun die daraus entstandene, über 700 Seiten starke Monografie vorgestellt worden. Sie belegt die baugeschichtliche Ausnahmestellung des Gotteshauses und präsen-tiert neue Erkenntnisse.

Bei der öffentlichen Vorstellung des Werks im Dom betonte der Dompropst, Weihbischof Jörg Michael Peters, die Kontinuität des Gebäudes. Es sei sich seit über 1.600 Jahren als Ort für den Gottesdienst, für den es errichtet wurde, treu geblieben, sagte Peters bei seiner Begrüßung am Weihetag von St. Peter. Er dankte dem Autor und Bauforscher Dr. Dominik Jelschewski und allen Unterstützern für den nun vorliegenden „großen Wurf“. Damit sei der Dom umfassend und in einer Weise erforscht, „wie sie in ihrer Gesamtheit bisher nie vorgelegen hat“, sagte der Leiter des Domkapitels, das die Untersuchung beauftragte. 

Die Steine befragen – und zum Reden bringen

„Baugeschichtlich ist der Dom ein äußerst spannendes Objekt. Eine solche Fülle erhaltener Zeugnisse verschiedenster Bauepochen über 1.600 Jahre bis in die jüngste Zeit dürfte keine weitere Kathedralkirche weltweit aufweisen“, sagte Professor Dr. Manfred Schuller von der Technischen Universität München in seiner Vorstellung des Projekts. Trotz dieser Bedeutung habe es – wie bei anderen Domen und Kathedralen auch – ein „Forschungsvaku-um“ gegeben, betonte Schuller, der die vierjährige finanzielle Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft mitbeantragt hatte. „Das Projekt war ein methodischer Modellversuch. Für die Bauforschung ist das Bauwerk die erste Quelle. Wir befragen die Steine und bringen sie zum Reden“, sagte Schuller über das Projekt und die Methode. Jelschewski habe in einer „Mischung von Archivrecherchen, traditionellen Methoden der Bauforschung und modernstem High-Tech im Vermessungswesen“ die Studien betrieben. Dabei kamen Drohnen, Laserscanning und modernste „Fotogrammetrie“, die mithilfe von Fotoaufnahmen dreidimensionale Darstellungen und Modelle ermöglicht, zum Einsatz. Die entstandene Publikation helfe auch der künftigen Forschung bei der „Einordnung dieses im gesamten Abendland einzigartigen Architekturkonglomerats“ aus Stilen aller Epochen, die sich stets untereinander respektiert und die römischen Anfänge bewahrt hätten.

Neue Erkenntnisse

Ein Mann im Anzug steht an einem Rednerpult und spricht zum Publikum

Als Hauptautor des Werks gab der 1981 geborene Ingenieur Jelschewski einen Einblick in seine Bauforschung, die Methoden, die Dom-Baugeschichte und ausgewählte neue Ergebnisse. Dabei beleuchtete er unter anderem die „bautechnisch besonders spannende“ Einwölbung des Domes, die trotz ihrer beispiellosen Spannweite von 17 Metern bisher in der Forschung nicht entsprechend gewürdigt worden sei – „obwohl es sich um eines der größten und gewagtesten Umbauprojekte des gesamten 13. Jahrhunderts gehandelt haben dürfte“. Einer der vermeintlich gotischen Türme stammt laut dem Architekten aus der Zeit um 1720 und ist „somit rund 400 Jahre jünger als bisher angenommen“, sagte Jelschewski. Auch gewähre die neue Dokumentation erstmalig einen Überblick über die Eingriffe und Veränderungen der Bausubstanz im Rahmen der großen Domrenovierung aus den Jahren 1962 bis 1974, wodurch sie als ein Teil der Baugeschichte verstehbar werde. Der entstandene Band ermögliche es trotz seines Umfangs auch interessierten Laien, die wesentlichen Ergebnisse anhand von 89 anschaulichen 3D-Visualiserungen der Bauphasen nachzuvollziehen.

Zu den Autoren, die mit Beiträgen aus ihren Fachgebieten in dem Forschungsband vertreten sind, gehört unter anderen der Bistumsarchäologe und frühere Museumsdirektor Pro-fessor Dr. Winfried Weber. Er gab bei der Buchvorstellung einen Einblick in den antiken sogenannten Quadratbau des Doms, der – lange im Zentrum der wissenschaftlichen Dis-kussion stehend – entgegen früheren Annahmen erst nach dem Jahr 390 fertiggestellt wor-den sei. Möglich wurde die neue Datierung durch die ebenfalls erfolgte dendrochronologi-sche Untersuchung aller bisherigen und neuen Holzfunde. Andreas Rzepecki, Leiter des Dendrochronologischen Forschungslabors des Rheinischen Landesmuseums Trier, stellte einige der gemeinsam mit seiner Vorgängerin Mechthild Neyses-Eiden mit Hilfe der „Baumzeitlehre“ analysierten Befunde vor. „Es sind 125 Proben datiert“, sagte Rzepecki über eine Datenbasis, auf deren Grundlage der Dom als „Jahrtausendbauwerk“ bezeichnet werden könne.

Einen Einblick aus dem Gebiet der „Kunsttechnologie“ gab Dominik Jelschewski stellvertretend für den Restaurator DDr. Thomas Ludgen. In ihrem Fokus standen neue Erkenntnisse zu einem 2,20 Meter hohen, gemalten Fries aus dem Jahr 1037, bei dem es sich um das „größte bekannte romanische Mäanderband handeln dürfte“, so Jelschewski. Dr. Georg Breitner, Diözesankonservator und Leiter des Amtes für Kirchliche Denkmalpflege des Bis-tums, würdigte abschließend das Forschungsprojekt aus denkmalpflegerischer Sicht und die Bedeutung für das Bauwerk, das seit 40 Jahren Teil des Unesco-Weltkulturerbes ist. Zuvor dankte Dominik Jelschewski der Vielzahl von Unterstützern des Projekts. Im An-schluss an die Präsentation, die Lisa Kondratenko (Gesang) und Benedikt Simon (Keyboard) musikalisch begleiteten, lud Dompropst Peters zu Begegnung und Austausch in die Remise des Museums am Dom ein. 

Info

Dominik Jelschewski: Der Dom zu Trier. Baugeschichte und Bauforschung. Mit Beiträgen zur Bauforschung, Dendrochronologie, Archäologie und Kunsttechnologie. Erschienen in der Reihe „Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte“, Band 156. 720 Seiten, ISBN 978-3-402-24604-7, erhältlich im Buchhandel zum Preis von 99 Euro.