Zum Inhalt springen

10 Jahre Frauenkirche Köllerbach:Frauenpower pur!

Die Frauenkirche in Köllerbach hat ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Gestartet als Frauen(T)Raum blicken die Engagierten auf 111 Veranstaltungsformate zurück.
Katja Zeimet-Backes (links) und Heidelinde Bauer riefen vor zehn Jahren das Projekt Frauen(T)Raum ins Leben.
Datum:
27. Apr. 2026
Von:
Ute Kirch

Köllerbach – „Sind die gegen Männer?“ – dieses Vorurteil ist Gemeindereferentin Heidelinde Bauer und Pastoralreferentin Katja ZeimetBackes manches Mal begegnet, als sie im Frühjahr 2016 ihre Idee vorstellten, im damaligen Dekanat Völklingen ein neues kirchliches Angebot speziell für Frauen zu gründen. Heute, zehn Jahre später, ist die Frauenkirche Köllerbach eine feste Größe im Pastoralen Raum Völklingen – offen, kreativ, spirituell und weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Am Sonntag, 26. April, haben rund 200 Menschen in der Begegnungskirche in Köllerbach den zehnten Geburtstag der Frauenkirche mit einem Wortgottesdienst, Kuchen und Currywurst gefeiert. Eine eigens für das Jubiläum gestaltete Ausstellung dokumentiert die vielfältigen Angebote von den Anfängen als Projekt Frauen(T)Raum bis zur heutigen Frauenkirche. „Die Frauenkirche ist heute eine feste Größe im kirchlichen Leben des Saarlandes“, würdigten Katja Biewer und Francesco Caglioti vom Leitungsteam des Pastoralen Raums Völklingen das Engagement.  

Ein Frauenraum entsteht: Von der Idee zur festen Gemeinschaft 

Mit einem Wortgottesdienst begannen die Frauen die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Frauenkirche.

„Die Ursprungsidee war, dass wir die Talente von Frauen fördern wollen“, sagt Bauer. Es sollten Räume geschaffen werden, in denen Frauen ihre Träume in Bezug auf Glauben, Engagement und Gemeinschaft auf neue Weise leben können. „Wir als Hauptamtliche wollten nicht diejenigen sein, die alles vorgeben, sondern die Frauen sollen selber das umsetzen können, was sie interessiert.“ 90 Frauen wurden angeschrieben, 60 folgten der Einladung zum Auftakttreffen im Mai 2016. Rund 20 Frauen bilden bis heute das feste Planungsteam. „Mich traf dieses Schreiben in einer Phase, in der ich mich aus Enttäuschung von der ehrenamtlichen Arbeit in der Pfarrei zurückgezogen hatte“, sagt Anke Schindler, die von Anfang an mit dabei ist, ebenso wie Maria Grün. „Ich freute mich ungemein darauf, frauenpastorale Arbeit in der Kirche nach vorne zu bringen. Frauenpower pur!“, sagt Grün, die als ehemalige Leiterin einer katholischen Kita erfahren hatte, wie schwer es Frauen in der Kirche haben können, sich durchzusetzen. Auch Stefanie Jirgal, die sogar zeitweise aus der Kirche ausgetreten war, fand in der Frauenkirche eine spirituelle Heimat: „Zusätzlich bei einem Frauenprojekt mitzuarbeiten, war für mich die perfekte Ergänzung zur Arbeit in der Pfarrei.“  

Über den Sommer 2016 entstand gemeinsam das erste Programm, der Eröffnungsgottesdienst im September zog rund 200 Besucherinnen und Besucher an. Die erste große Veranstaltung, der „Ladies’ Markt“, bei dem Frauen Selbstgemachtes wie Seifen oder Kunsthandwerk verkauften, lockte 300 Menschen an. Von Beginn an suchten Bauer und ZeimetBackes den Dialog mit bestehenden katholischen Frauengruppen wie der kfd oder den Elisabethenvereinen. Sie stellten ihre Vision vor und machten deutlich, dass es sich nicht um ein Konkurrenzangebot handeln sollte. Mit Erfolg: „Wir wurden sehr wohlwollend empfangen“, sagen beide. Einige Gruppen unterstützten die neue Frauenkirche sogar finanziell. 

Ein Zuhause fand die Frauenkirche in der Begegnungskirche in Köllerbach, die damals nicht mehr für Gottesdienste genutzt wurde. „Die Räume waren heruntergekommen, im heutigen Gruppenraum war Schimmel“, erinnern sich die Initiatorinnen. Doch sie sahen Potenzial: barrierefrei, flexibel bestuhlbar, offen für neue Formen. Mit Putzaktionen, Farbanstrichen und viel Eigenleistung machten die Frauen den Ort zu ihrem Ort. 

Vielfalt, Spiritualität und Engagement 

„Wir sehen uns als Ermöglicherinnen“, sagt Katja ZeimetBackes. Wer eine Idee hat, bekommt Unterstützung bei der Umsetzung. Feste Bestandteile des Programms sind monatliche Gottesdienste, Zeiten der Stille mit Meditation, ein Nähtreff, ein Kaffeenachmittag. In zehn Jahren kamen so 111 verschiedene Veranstaltungsformate zusammen, darunter LachYoga, TaiChi, Waldbaden, Gottesdienste am Lagerfeuer, Autorenlesungen, Kinoabende. Während der CoronaPandemie verlagerten sich viele Angebote ins Digitale. Seit drei Jahren kümmert sich zudem ein Team um den Brotschrank an der Begegnungskirche, ein anderes Team pflegt den Innenhof, wieder andere bestücken die Webseite. Ein besonderer Höhepunkt ist der jährliche Stationengang im November. „Oft kommen Menschen erstmals zu diesem Angebot – und dann immer wieder“, berichten Bauer und ZeimetBackes. Auch die Gottesdienste gestalten die Frauen selbst, für die Eucharistiefeier werden sie von Krankenhauspfarrer Andreas Noster unterstützt.  

Prägend war anfangs die Handarbeitsgruppe „WollLust“: Beim Stricken und Häkeln teilten die Frauen Lebensthemen, gaben sich gegenseitig Zuspruch und erfuhren Gemeinschaft. Angebote wie diese zeigen dem Leitungs-Duo die Notwendigkeit reiner Frauenangebote, um einen Schutzraum zu bieten. Mit der Zeit seien auch Männer – häufig die Partner der engagierten Frauen – auf die Angebote aufmerksam geworden und hätten gefragt, ob sie auch zu Veranstaltungen wie dem Kinoabend kommen dürfen. „Männer dürfen auch zu den Veranstaltungen kommen, doch die Planung im Team bleibt in reiner Frauenhand. Männer würden hier die Dynamik ändern“, stellen Bauer und Zeimet-Backes klar. „Wir nennen uns Frauenkirche – ein Ort für alle Menschen.“ Vor zwei Jahren erhielt das Projekt offiziell den Namen, unter dem es längst bekannt war: Frauenkirche. Heute kommen nicht nur katholische, sondern auch evangelische Frauen, ebenso Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind. Neben Pastoralem Raum und der Pfarrei Oberes Köllertal wird die Frauenkirche auch von der Ehrenamtsabteilung des Bistums Trier gefördert. Zur Finanzierung tragen die Frauen selbst bei – durch Spenden und auch mit einem kleinen Shop, in dem sie Kerzen, Trostgeschenke für Trauernde, Sonnenfänger oder Segenspäckchen anbieten. 

Während früher klassische Gruppenangebote wie Bibelnachmittage und Besinnungstage im Vordergrund standen, gebe es heute verstärkt den Wunsch nach individueller Seelsorge und Gesprächen. Im Moment sei das Thema Gesundheit stark nachgefragt. So musste der Workshop zum Herstellen von Tinkturen und Salben nach Hildegard von Bingen aufgrund der hohen Nachfrage wiederholt werden. Genutzt werden die Angebote von Frauen weit über Köllerbach hinaus, überwiegend von der Generation 60plus –Veranstaltungen wie der Discoabend lockten hingegen auch jüngere Frauen an. Neue Mitstreiterinnen sind jederzeit willkommen. „Wir sind kein geschlossener Kreis, in dem es Neue schwer haben, Anschluss zu finden“, betont ZeimetBackes. „Bei uns gibt es eine echte Willkommenskultur.“