Ausstellung von Fachstelle Prävention und Diözesanstelle Weltkirche eröffnet :Heilig-Rock-Tage: Wenn Kunst Brücken baut

Trier – Jedes T-Shirt steht für einen Menschen: 100 Exemplare, bedruckt mit unterschiedlichen Szenen, schwingen sacht an einem Gestell im Trierer Domkreuzgang. Die Installation „Recognize. React – Unsichtbare Geschichten in der Menge“ will damit auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen: Gewalt. Am 16. April ist die Ausstellung eröffnet worden. Sie ist während der Heilig-Rock-Tage (17. bis 26. April 2026) zu sehen.
Beim Durchgehen zwischen den Kleidungsstücken steht eine ganz bestimmte Idee im Hintergrund: „Wir haben Kursskizzen über Missbrauchserfahrungen auf T-Shirts übertragen und daraus die Nachahmung einer Menschenmenge geschaffen. Die Idee ist, dass wir jeden Tag an Tausenden von Menschen vorbeikommen. Jeder von ihnen hat seine eigenen Erfahrungen, Wunden und Verletzungen. Unsere Aufgabe ist es, Menschen zu sehen, die Hilfe brauchen, und ihnen zu helfen. Wir glauben, dass Kunst keine Grenzen kennt und jeden anspricht. Sie kann viele Brücken bauen“, erklärt Khrystyna Shabat, Leiterin des Child Dignity Center der Katholischen Universität der Ukraine. Das Zentrum stellt die Installation, die als Wanderausstellung an verschiedenen Orten unterwegs ist, zur Verfügung.
Einem sensiblen Thema künstlerisch Ausdruck verleihen
Die Künstlerin Uliana Krekhovets aus der Ukraine hat die Graphiken auf den T-Shirts gestaltet. Sie entstanden im Rahmen des internationalen Projekts „SAFEGUARDING. Child’s Safety in the Church Environment“ (deutsch: „SCHUTZ. Kindersicherheit im kirchlichen Umfeld“). Das Projekt erwuchs aus einer Kooperation von Präventionsfachkräften aus sechs Ländern: Polen, Kroatien, Slowakei, Tschechische Republik, Ungarn und Ukraine. Diese haben gemeinsam einen Online-Kurs zum Thema Prävention entwickelt. In Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstand dabei eine Reihe von Illustrationen, die dem sensiblen Thema Kindesmissbrauch künstlerisch Ausdruck verleihen und Grundlage der Installation „Recognize. React“ sind.
Dass das gelungen ist, freut Bischof Dr. Stephan Ackermann: Nach 16 Jahren intensivster Beschäftigung mit Prävention, Intervention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt sei dies keine „falsche Form von Ästhetisierung eines schmerzlichen Themas“, sondern „die Möglichkeit, sich niedrigschwellig einem Thema zu nähern, vor dem Menschen zurückschrecken“, sagt er bei der Eröffnung der Installation. Dass die Ausstellung während der Heilig-Rock-Tage im Domkreuzgang zu erleben sei, in der „Laufzone rund um den Dom“, gebe dem Thema einen öffentlichen Raum. Der Bischof würdigte auch die internationale Kooperation hinter dem Projekt. Sie zeige: „Wir sind als katholische Kirche eine Lerngemeinschaft.“ Er hoffe, dass die Besucherinnen und Besucher der Installation „sich anrühren lassen, ins Nachdenken kommen und sensibilisiert werden“ für die gemeinsame Weiterarbeit in der Prävention.
Es geht nicht um Kunst, sondern die Erfahrung
„Die Ausstellung bringt uns mit Menschen in Osteuropa in Kontakt und sie zeigt unsere Verbundenheit“, erläutert Dr. Thorsten Hoffmann, Leiter der Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier. „Als Christinnen und Christen verbindet uns weltweit unser Glaube und damit auch der Einsatz für Gerechtigkeit und für die Achtung der Würde jedes Menschen.“
Ivanka Rudakevych, Koordinatorin des Projekts, ergänzt: „Kunst hilft uns, über schwierige Themen wie Missbrauch zu sprechen. Das sind Themen, bei denen es oft schwer ist, die richtigen Worte zu finden, um Menschen zu erreichen, sie sensibler zu machen und gleichzeitig traumatisierende Auswirkungen zu vermeiden.“
„Zunächst geht es darum, die Installation einfach wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen“, erklärt Dr. Andreas Zimmer, Präventionsbeauftragter für das Bistum Trier. Gemeinsam mit der Diözesanstelle Weltkirche hat die Fachstelle Prävention gegen sexualisierte Gewalt die Installation nach Trier geholt, unterstützt vom Osteuropa-Hilfswerk Renovabis. Dennoch gibt es auch Erklärtafeln. Wenn gewünscht, gibt es auch die Möglichkeit, sich die Installation gemeinsam mit einem Mitarbeitenden der Fachstelle zu erschließen. „Ich glaube, wenn man das Grundanliegen verstanden hat, geht es auch ohne Worte“, ist sich Zimmer sicher. Heike Faehndrich von Renovabis sieht in der Installation eine „Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen“ und einen Beitrag „dass aus Erinnern ein verlässliches Reagieren wird“.
Die Vernissage wurde musikalisch umrahmt vom Kinderchor „Bravo“ der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Trier. Deren Präsidentin Anna Stetska appelliert an die Gäste und an die Besucherinnen und Besucher der Installation: „Wir müssen darüber sprechen, wie wir unsere Kinder schützen.“
