Bischof Ackermann feiert Karfreitagsliturgie im Trierer Dom :Karfreitag eröffnet Raum für echtes Mitgefühl

Trier – Die Liturgie an Karfreitag ist keine Flucht aus der grausamen Realität dieser Welt: „Vielmehr öffnet sie den Blick auf das Ganze der Wirklichkeit.“ Das hat Bischof Dr. Stephan Ackermann an Karfreitag (3. April) im Trierer Dom erklärt.
Er teilte mit der Gottesdienstgemeinde seine Frage, ob die gottesdienstliche Feier an diesem Tag das grausame Geschehen des Leidens und Sterbens Jesu nicht „allzu verträglich“ mache und mit ausdrucksstarken Riten wie der Kreuzenthüllung, der Kreuzverehrung und der feierlichen Grablegung eine „unzulässige Ästhetisierung“ sei.
Ackermann fragte, ob die Liturgie nicht drastischer „die Leiden der Menschen unserer Tage“ vor Augen stellen müsse: Fotos von der Front in der Ukraine, Dokumentationen vom Überfall der Hamas auf das Festivalgelände vom 7. Oktober 2023, Bilder von zerstörten Kliniken in Gaza, Fotos verstümmelter Folteropfer des Assad-Regimes, Zeugnisse unschuldiger Opfer unter der Zivilbevölkerung oder Schicksale von Menschen, die mit einer tödlichen Krankheit kämpfen.
Die Liturgie des Karfreitags jedoch wolle nicht schockieren. „Gerade damit eröffnet sie die Möglichkeit, dass in uns Bilder von Menschen, die leiden, aufsteigen können und ihren Platz bekommen. Mit ihrer diskreten Zurückhaltung gibt die Liturgie uns Raum für echtes, tiefes Mitgefühl.“
Gleichzeitig scheine am Karfreitag schon die Botschaft von Ostern auf: „Das Schlussbild dieser Welt ist nicht grausam und hässlich, sondern hell und schön. Denn am Ende siegt die Liebe.“ Diese Hoffnung gebe „die Kraft, uns der Welt zu stellen mit all dem Schönen und Schrecklichen, das es in ihr gibt, und dafür zu beten und zu arbeiten, dass diese Welt besser und menschlicher wird und damit dem Willen Gottes mehr entspricht“.
Im Trierer Dom wird die Passion nach dem Evangelisten Johannes traditionell gesungen, in diesem Jahr in der Version des in Bernkastel geborenen Komponisten und früheren Trierer Domorganisten Hermann Schroeder (1904-1984).