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Arnim Lorentz leistet Freiwilligendienst in Gedenkstätte Hinzert und macht Sprachen- und Orientierungsjahr im Bistum Trier :„Man kann sich das gar nicht vorstellen“ 

Arnim Lorentz leistet seinen Freiwilligendienst in der Gedenkstätte in Hinzert und absolviert gleichzeitig ein Sprachen- und Orientierungsjahr im Bistum.
Arnim Lorentz sitzend
Datum:
31. März 2026
Von:
Inge Hülpes

Trier/Hinzert – „Man kann sich das gar nicht vorstellen“, sagt Arnim Lorentz über sein Recherche-Projekt, das er seit einem halben Jahr in der Gedenkstätte des ehemaligen SS-Sonderlagers in Hinzert erstellt. Der 18-Jährige recherchiert im Rahmen seines Freiwilligendienstes die Lebens- und Leidenswege jugendlicher Häftlinge, die während des Zweiten Weltkrieges dort interniert waren. Seit vergangenem Herbst absolviert er zudem das Felixianum, das Sprachen- und Orientierungsjahr im Bistum Trier, wo er mit sieben anderen jungen Leuten auf dem Gelände des Jugendhauses und Priesterseminars im Herzen der Trierer Altstadt lebt.   

Zu sehen: Innenansicht der Gedenkstätte mit Blick auf den Standort der Baracken

An dem Ort, an dem Arnim heute an fünf Tagen die Woche recherchiert, Gruppen begleitet und Gedenkarbeit leistet, wurden im Dritten Reich Menschen von den Nazis interniert, zu härtester körperlicher Arbeit gezwungen und ermordet. Arnims Recherche-Fokus liegt dabei auf 14- bis 20-jährigen Häftlingen. Wie hießen sie und wo kamen sie her? Und vor allem: Wie kann man ihre Haftbedingungen und den Alltag im Lager rekonstruieren? Das Projekt ist zwar noch nicht beendet, Arnim kann aber schon erste Ergebnisse vorweisen. Inzwischen hat er herausgefunden, dass von 1941 bis 1943 circa 163 Jugendliche in Hinzert inhaftiert waren. Doch die Aktenlage ist oft bruchstückhaft, auch weil in den Wirren der letzten Kriegsmonate Dokumente durch Bombardierungen zerstört wurden oder die Nazis sie selbst vernichtet haben: „Die genaue Gesamtzahl festzustellen, gestaltet sich schwierig, weil drei Jahre kaum oder gar nicht dokumentiert sind.“ Während seiner Recherche stößt er auf das Schicksal eines 14-jährigen ukrainischen Jugendlichen, der als Zwangsarbeiter in dem Lager interniert wurde. „Das ist schon bedrückend, weil man sich das kaum vorstellen kann, dass so junge Menschen solch harte Arbeit und solche Qualen erleben mussten.“ Trotz der täglichen Konfrontation mit dem Grauen, das sich während der NS-Zeit nur einen Katzensprung entfernt von dem Hochwald-Dorf abgespielt hat, macht Arnim seine Arbeit gern. „Ich habe einen eher wissenschaftlichen als emotionalen Blick darauf“, erklärt der junge Mann. 

Wissen aneignen und besser argumentieren 

Gräberfeld auf dem Gelände des ehemaligen SS-Sonderlagers Hinzert

Während der vergangenen Monate hat Arnim viel gelernt über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte – und möchte dieses Wissen weitergeben. In der Schule werde der Nationalsozialismus nämlich leider zu wenig und zu lückenhaft behandelt, findet er. Insbesondere mit Blick auf rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft sei es wichtig, sich damit zu befassen. „Man merkt auf jeden Fall, dass Leute gerade wegen aktueller Themen hierhin kommen, weil das die Leute besorgt und sie mehr darüber wissen wollen“, was damals geschehen ist. Andererseits habe er auch schon erlebt, dass einzelne Besucher gar nicht daran interessiert seien, sich wirklich zu informieren, sondern nur Plattitüden oder gar Fake News von sich geben. Etwa wenn jemand vordergründig den Eindruck erwecke, sich mit Geschichte auszukennen, „aber komplett unwissend ist, dann regt mich das schon ein bisschen auf, weil das teilweise sehr gefährlich ist, vor allem in der Politik.“ Mit dem Wissen, das er sich inzwischen angeeignet habe, könne er aber gut gegenargumentieren. „Die Personen bleiben dann allerdings meist nicht lange“, bedauert Arnim. 

Einen Ausgleich zur Arbeit findet Arnim in seiner Freizeit: Seit 2025 verbringt er jede freie Minute auf der Kartbahn. Wenn er im kommenden Sommer seinen Freiwilligendienst und das Felixianum beendet, möchte er nochmal die Schulbank drücken – und dann sein Hobby zum Beruf machen und in den professionellen Motorsport einsteigen. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man Kart fährt. Das hat mich direkt fasziniert.“ Auch das Felixianum bietet eine Fülle an Angeboten in der Freizeit wie etwa Gesprächsrunden mit den Mentor*innen, gemeinsame Gebete und Meditationen. Mit Kirche hatte Arnim zunächst wenig am Hut, berichtet er. „Ich hatte aber gar keine Probleme, mich im Felixianum einzufinden.“ Irgendwann kam er doch über den Glauben ins Grübeln, erzählt er: „Es hat irgendwann einfach angefangen. Ich bin morgens aufgewacht und dann war es einfach da.“ Seitdem befasse er sich intensiver mit dem Thema Religion, schaut Youtube-Videos, hört Podcasts und liest Bücher über verschiedene Religionen und unterschiedliche Facetten des Glaubens. Zudem finde sich im Felixianum immer jemand, mit dem man tiefgründige und persönliche Gespräche führen könne, wenn man möchte. Für Arnim ist das einer der Hauptgründe, das Sprachen- und Orientierungsjahr zu wagen: „Man kann hier super soziale Kontakte knüpfen – ich habe neue Freunde kennengelernt durch das Felixianum.“ 

Information Felixianum 

Das Felixianum ist eine christliche Orientierungszeit nach der Schule, im Studium, während der Ausbildung, als Orientierungs- und/oder Sprachenjahr. Eine Möglichkeit, für zehn Monate mit anderen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren in einer WG mit eigenem Appartement mitten im Herzen der Trierer Innenstadt zu leben und Orientierungsangebote und/oder Sprachkurse zu belegen. Wer sich für das Felixianum interessiert, findet hier weitere Informationen: www.felixianum.de