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Ökumenisch-queerer Gottesdienst mit Segnung für Einzelpersonen und Paare :Nicht bloß geduldet, sondern gewollt 

100 Menschen feierten einen ökumenisch-queeren Gottesdienst bei den Heilig-Rock-Tagen – offen, vielfältig und mitgestaltet vom AK Queer im Bistum Trier.
Segen für alle
Datum:
24. Apr. 2026
Von:
Inge Hülpes
Mitglieder des AK Queer haben den Gottesdienst vorbereitet

Trier – Sanft schimmert das Licht der Abendsonne durch die Fenster des Trierer Doms und strahlt auf den Regenbogen, der die Stufen der Altarinsel bedeckt. Rund 100 Menschen sind gekommen, um gemeinsam den Ökumenischen Gottesdienst am 22. April im Rahmen der Heilig-Rock-Tage (HRT) zu feiern, der vom Arbeitskreis (AK) Queer im Bistum Trier mitgestaltet wurde. „Unbegreiflich – ich hoffe“, das Leitwort des diesjährigen Bistumsfests, setzt den Akzent in dieser liturgischen Feier unter dem Motto „Unter Gottes Himmel haben alles Platz“.  

Raphael Foltin, Theologischer Referent für Queerpastoral, und Ulrike Laux, Pädagogische Referentin im Bischöflichen Generalvikariat leiten den AK Queer

„Unsere Hoffnung kommt von Gott und wurde sichtbar in Jesus Christus“, so leitet Domkapitular Matthias Struth den Gottesdienst ein, dem er gemeinsam mit Pfarrerin Vanessa Kluge von der Evangelischen Kirchengemeinde Ehrang vorsteht. Hoffnung trage ein besonderes Wort in sich, betont er: Die Liebe, die stets mit der Würde eines jeden Menschen zu tun habe. Das diesjährige Leitwort der HRT sei für viele queere Personen ein Lebensgefühl, nämlich die Hoffnung auf Veränderung und Akzeptanz, erklären daraufhin Raphael Foltin, Theologischer Referent für Queerpastoral, und Ulrike Laux, Pädagogische Referentin im Bischöflichen Generalvikariat Trier. Sie leiten den AK Queer, in dem sich Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam dafür einsetzen, dass Gemeinden und Einrichtungen der katholischen Kirche zu Orten werden, wo queere Menschen sich willkommen fühlen. „Nicht bloß geduldet, sondern gewollt“, so Laux, die sich bei allen bedankt, „die noch da sind und noch hoffen. Wir hoffen auf eine Kirche, die sich bewegen lässt“. Foltin ergänzt: „Danke für die Chance, die Kirche zu werden, die wir sein wollen.“  

Segen für alle Paare, die sich lieben 

Pfarrerin Kluge bei der Predigt

In ihrer Predigt bezieht sich Pfarrerin Kluge auf „Die Heilung der blutflüssigen Frau“ aus dem Evangelium nach Markus (Mk 5,25-34): „Jesus sieht Menschen, so wie sie sind: zum Glück nicht perfekt und nicht gleich. Was ein Glück, dass jede und jeder einzigartig ist!“ Während über den Köpfen der Gottesdienstgemeinde ein rosafarbener Luftballon schwebt, erklingt die Stimme von Julius Milde, Mitglied im AK Queer, durch den Kirchraum. Bei dem Lied „Ich bin, was ich bin“ halten manche Gottesdienstteilnehmer*innen sich an den Händen. Viele von ihnen folgen der Einladung, sich von Domkapitular Struth, Pfarrerin Kluge, Pfarrer Matthias Holzapfel und Beate Heß (Mitglied im sredna-Leitungsteam, Herz-Jesu Trier) segnen zu lassen – ganz gleich, ob als Einzelperson oder als Paar. Denn die Möglichkeit der Segnung homosexueller Paare ist seit 2025 in der offiziellen pastoralen Linie der Trierer Diözese verankert. Die zugrundeliegende vatikanische Erklärung „Fiducia supplicans“ (2023) bezeichnete der Trierer Bischof Stephan Ackermann damals als einen „theologischen und pastoralen Durchbruch“. Ein weiterer Hoffnungsschritt auf dem Weg hin zu einer Kirche, die niemanden mehr ausschließt.  

Info: Was ist „Queer"?

Julius Milde singt „Ich bin was ich bin'

„Queer“ ist ein Sammelbegriff für alle, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht der Mehrheit, also der heterosexuellen Norm, entspricht, darunter Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und inter* Menschen (LGBTIQ*). Neben dem Gottesdienst, der musikalisch von Domorganist Marcel Eliasch und einem Chor des AMG Trier unter der Leitung von Ulrich Krupp gestaltet wurde, gab es weitere Angebote der Queer-Pastoral im Rahmen der HRT: einen Infostand, den rund 120 Menschen besuchten, das Mittagsgebet auf dem Trierer Hauptmarkt sowie eine digitale Infoveranstaltung für Eltern von queeren Jugendlichen, an der 15 Personen teilnahmen.  

Weitere Informationen und eine Übersicht der Queerpastoral-Angebote gibt es auf www.bistum-trier.de/queer.