Profanierung der Kirche St. Josef:Schmerzhafter Schritt in Schattertriesch


Schmelz-Schattertriesch – Abschied nehmen hieß es am Sonntag für die Gläubigen im Schmelzer Ortsteil Schattertriesch von ihrer Kirche St. Josef. Weit über 100 Christinnen und Christen waren zur Entwidmung des Gotteshauses gekommen, die im Rahmen eines letzten Gottesdienstes vorgenommen wurden. Zelebriert wurde die heilige Messe vom Trierer Generalvikar Ulrich von Plettenberg und dem Schmelzer Pfarrer Thomas Damke. „Ich würde Ihnen heute gerne hinter die Stirn sehen. Was geht Ihnen heute durch Kopf und Herz?“, richtete von Plettenberg das Wort zu Beginn seiner Predigt direkt an die Gemeindemitglieder. „Viele der heute Anwesenden haben womöglich noch selbst mit Hand angelegt, als die Kirche in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre erbaut wurde. Viele verbinden wichtige Lebensereignisse mit diesem Gotteshaus, und viele haben hier Trost und Zuflucht in schweren Zeiten gefunden.“
Menschen hätten schon immer vor solchen Situationen gestanden, betonte von Plettenberg und griff damit die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas auf, die die Zerstörung des Tempels in Jerusalem zum Thema hatte. Profanierungen nähmen zu. Und so bildeten die Gläubigen in Schattertriesch eine traurige Leidensgemeinschaft mit vielen anderen katholischen Gemeinden. „Dies ist nur ein Abschied vom Gebäude, aber kein Abschied von Gott“, appellierte er an die Gottesdienstteilnehmenden. „Der Glaube bewahrt nicht vor Übel, aber er gibt uns Hoffnung, Sinn und Halt für das Leben.“ Der Gottesdient endete mit dem formalen Profanierungsakt: Generalvikar von Plettenberg verlas die Profanierungsurkunde des Bischofs, Pfarrer Thomas Damke und Gertrud Krämer-Petry vom lokalen Team entfernten das Allerheiligste aus dem Tabernakel und den Altarstein mit der Reliquienplatte aus dem Altar und brachten beides aus der Kirche. Das Reliquiar wird nun in der Kirche in Außen aufbewahrt.
Krämer-Petry hatte zu Beginn der heiligen Messe Rückschau auf die vergangenen Jahre gehalten. Nachdem dringend notwendige und große Investitionen zum Erhalt des Gebäudes, darunter Betonsanierung, Dachsanierung, Sanierung der Glockenanlage und die komplette Erneuerung der Heizungsanlage, von der Kirchengemeinde St. Marien Schmelz (Außen) nicht mehr gestemmt werden konnten, habe man im Frühling dieses Jahres schweren Herzens den Antrag auf Profanierung gestellt, berichtete sie. 2024 sei das Gotteshaus nach dem Ausfall der Heizungsanlage zur Sommerkirche geworden. Gottesdienste durften deshalb hier seitdem nur noch in den Monaten April bis September gefeiert werden. Dass die Profanierung aber so schnell Wirklichkeit wurde, habe alle überrascht.
Sie dankte dem 1980 gegründeten Arbeitskreis Schattertriesch, der über Jahre mit dem Patronatsfest am 1. Mai und einem weiteren Fest zum Erntedank sowie der Vermietung des „Sälchens“ unter der Kirche für private Feiern erhebliche Einnahmen für den Unterhalt der Kirche erwirtschaftet worden. Persönlich erwähnte sie in diesem Zusammenhang Marliese Hackenberger und deren Mann Werner, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz das Team der Ehrenamtlichen zusammengehalten hätten. Es sei sogar Geld für Investitionen übriggeblieben, unter anderem in den Tabernakel und die Orgel. Zum Schluss lud sie alle Anwesenden noch zu einem Umtrunk ins „Sälchen“ ein, von der viele Besucher Gebrauch machten.
"Wahrlich keine leichte Aufgabe"

Generalvikar von Plettenberg danke zum Abschluss allen, die an der Gestaltung des Gottesdienstes mitgewirkt haben, darunter Organistin Gabi Fröhlich und der Kirchenchor „Cäcilia St. Marien“ Schmelz. Ein weiteres Dankeschön richtete er „an all die vielen ehrenamtlich in der Gemeinde tätigen“ sowie an die beiden Küsterinnen Maria Holz und Monika Adam, die so viel Herzblut in ihre Arbeit gesteckt hätten, außerdem den Gremien, den Seelsorgern und Seelsorgerinnen und Pfarrer Damke, die den Glauben in Schattertriesch lebendig gehalten hätten. „Die Schließung einer Kirche ist das letzte, was man sich als Pfarrer wünscht, da es eine der schwersten und schmerzlichsten Aufgaben ist“, sagte Pastor Damke. Doch es gehe darum, auch schmerzliche Prozesse zu begleiten und Liebgewordenes zu beenden. Dies sei „wahrlich keine leichte Aufgabe“.
Info: Anfang der 1960er-Jahre wurde erfüllte sich der Wunsch der Gläubigen in Schattertriesch nach einer eigenen Kirche. Der Spatenstich erfolgte am 9. September 1962 und bereits zweieinhalb Jahre später, am 1. Mai 1965, die Weihe des Gotteshauses, das den Heiligen Josef als Schutzpatron hat. Über die künftige Verwendung der Kirche ist laut Pfarrer Damke noch nicht entschieden.