Hilfstransport in die Ostukraine: Erfahrungen von Lebensfreude und Zerstörung :Solidarität mit der Ukraine ist weiter nötig

Trier/Isjum – Bilder der Zerstörung einerseits, Lebensfreude und Offenheit der Menschen andererseits: Wenn Florian Dienhart und Tobias Schneider von ihrer Reise nach Isjum in der Ukraine berichten, bekommen die sonst nur medial vermittelten Bilder des vom russischen Angriffskrieg geplagten Landes und der Menschen eine große Eindringlichkeit. Schneider und Dienhart waren vor gut sechs Wochen mit einem Team von sechs Frauen und Männern im Rahmen eines Hilfstransports der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Trier in der Ostukraine.
Von Resilienz, also Widerstandsfähigkeit, erzählen die beiden, herzlichen Empfängen und gemütlichen Abenden in Gastfamilien, Lebensfreude und dem Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen und anzupacken - und das in einer Stadt, die bei der russischen Besatzung 2022 zu einem großen Teil zerstört wurde. „Auch oder gerade unter diesen harten Bedingungen gestalten die Menschen in Isjum ihr Leben, sie resignieren nicht“, sagt Florian Dienhart. Die Stadtbevölkerung versuche inmitten von Zerstörung und Unsicherheit, schöne Orte zu schaffen, etwa indem sie Blumen anpflanze mitten in den Trümmern. Ihm sei es gelungen, durch die freundliche Aufnahme der Menschen beinahe zu vergessen, dass er in einem Kriegsgebiet ist. Dienhart ist Priester im Bistum Trier und arbeitet als Kaplan und Sekretär von Bischof Ackermann. Zweimal schon war er in der Ukraine seit Kriegsbeginn, jeweils im Westen. Durch den Aufenthalt einer Jugendgruppe aus Isjum im vergangenen Jahr im Jugendhaus des Bistums entstand bei ihm der Wunsch, sich konkret zu engagieren und einen Hilfstransport zu begleiten.
Deutsch-Ukrainische Gesellschaft Trier unterstützt Partnerstadt Isjum

Hier ist die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft Trier aktiv. Seit gut zweieinhalb Jahren existiert sie; das Trierer Stadtratsmitglied Tobias Schneider ist einer der beiden Präsidenten. „Wir haben uns bei der Suche nach einer Städtepartnerschaft sehr bewusst für eine Stadt mit großem Hilfsbedarf entschieden“, erzählt er. Das 2.600 Kilometer von Trier entfernte Isjum liegt nur 25 Kilometer von der Kriegsfront entfernt. „Dort leben Menschen, Familien mit Kindern – da muss es möglich sein, Unterstützung zu leisten“, erklärt er schlicht auf die Frage nach seiner Motivation, in ein Kriegsgebiet aufzubrechen. „Hart“ sei das Leben dort, die Unbeschwertheit verloren gegangen. Fünfmal war er bereits in Isjum. „Wir bereiten uns immer gut vor, gehen keine unnötigen Risiken ein, und passen aufeinander auf“, sagt er.
Das hat Dienhart als „Neuling“ in der Gruppe auch genauso empfunden. Er habe von Anfang an das Gefühl gehabt, dass sich die Gruppenmitglieder aufeinander verlassen können. „Und die Menschen vor Ort haben auch ein gutes Gespür für und Erfahrungen mit Gefahrensituationen.“ Weil präzise mit den Verantwortlichen in Isjum abgesprochen war, was benötigt wird, konnten sie die Hilfsgüter – Pflegematerial, Spielsachen, Musikinstrumente, Werkzeuge, Isomatten und vieles mehr – passgenau verteilen.