Museum am Dom beleuchtet Abendmahl zwischen Sakrament, Kunst und Kitsch :Sonderausstellung „Zu Tisch!“ eröffnet

Trier – Das Museum am Dom hat am Freitag, 27. März, die neue Sonderausstellung „Zu Tisch! Das Letzte Abendmahl zwischen Sakrament, Kunst und Kitsch“ eröffnet. Die Präsentation widmet sich einem der ikonischsten Bildmotive der Weltkunst und beleuchtet dessen Wirkung und Wandel über zwei Jahrtausende. Besucher*innen erwartet ein vielseitiger Rundgang, der das Motiv des Abendmahls von der liturgischen Verehrung über vielfältige kulturelle Interpretationen bis hin zur Popkultur nachzeichnet.
Ein Motiv von universeller Kraft
Das „Letzte Abendmahl“ zählt zu den meistzitierten Szenen der Kunstgeschichte. Die Darstellung Christi im Kreis der Jünger entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer universellen Chiffre für Gemeinschaft, Verrat, Abschied und Hoffnung. Die Ausstellung macht sichtbar, wie das Motiv weit über seinen biblischen Ursprung hinauswuchs und zum Spiegel gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen wurde.
Nach der Begrüßung durch den neuen Museumsdirektor Dr. Jürgen von Ahn sprach Weihbischof Jörg Michael Peters über die zeitlose Kraft des Themas. Er betonte:
„Für mich ist immer wieder beeindruckend, wie lebendig und zeitlos das Motiv, und wie vielfältig es bis heute in verschiedensten Stilrichtungen dargestellt wird. Es ist immer noch etwas, was Menschen wichtig ist, vielen Menschen ganz wichtig ist, denn für gläubige Christen ist die sonntägliche Mitfeier der Eucharistie Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, nicht nur persönlich einmal verstärkt zu reflektieren, um was geht in dieser Darstellung; und vielmehr noch dahinter, was diese Darstellung bezeichnet, nämlich den lebendigen Mitvollzug dessen, was Jesus beim letzten Abendmahl getan hat: Ins Gespräch zu kommen, den Dialog zu finden – das ist die Einladung, zu der diese Ausstellung einen Beitrag leisten will.“
Die Worte des Direktors: Ein Blick in die Ausstellung
Anschließend führte Museumsdirektor von Ahn in die thematische Breite der Schau ein. Er eröffnete seine Ausführungen mit den Worten: „Es geht um ein Motiv, das wie kaum ein anderes in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt ist: Christus im Kreise seiner Jünger. Wir laden Sie ein, heute einen Weg mit uns zu gehen, der von tiefster religiöser Verehrung über profane Massenware bis hin zur Darstellung des im wahrsten Sinne ‚Letzten‘ führt.“ Darauf aufbauend erläuterte er den Aufbau des Rundgangs. Dieser beginnt bei der spirituellen Bedeutung des Abendmahls und dem Ursprung der Eucharistie. Neben Einblicken in die Herstellung von Wein und Hostien zeigt die zentrale Vitrine wertvolle Vasa Sacra (heilige Gefäße), ergänzt durch Skulpturen und sakrale Kunst, die bereits beim Jesuskind auf die Passion hinweisen. Als besonderes Highlight stellte von Ahn das Werk von Michael Triegel heraus, dessen konzentrierte Darstellung Christi die dramatische Spannung des Moments eindrucksvoll spürbar mache. Zudem öffne die Ausstellung auch globale Perspektiven. Internationale Künstlerinnen und Künstler übertragen das gemeinsame Mahl in ihre jeweiligen kulturellen Kontexte – mit lokalen Speisen, traditionellen Gewändern oder völlig neuen Bildlösungen. So werde bewusst, wie universell die Frage „Wer sitzt mit uns am Tisch?“ ist.
Darüber hinaus thematisiert die Ausstellung profane Varianten des Motivs – von Souvenirs über Alltagsgegenstände bis hin zu humorvollen Neuinszenierungen. Dadurch werden auch Fragen nach dem Verhältnis von sakralem Bildthema und Popkultur sichtbar. Im abschließenden Teil der Ausstellung verwies von Ahn auf zeitgenössische Mahnmale. Die Unterwasserskulptur von Jason deCaires Taylor interpretiert das Abendmahl als Sinnbild existenzieller Krisen – der leere Tisch wird hier zum stummen Zeugen von Verlust und ökologischer Bedrohung.
Dank an Leihgeber und Mitwirkende
Zum Ende der Eröffnung dankte von Ahn allen Beteiligten sowie den zahlreichen Leihgebern, darunter dem Kunstarchiv der Jesuitenmission Nürnberg, privaten Sammlern wie Norman Turner und Dr. Richard Hüttel, dem Museum am Dom Würzburg, dem Trierer Domschatz sowie mehreren Kirchengemeinden des Bistums Trier.
Rahmenprogramm und Laufzeit
Im Foyer haben Besucher*innen die Möglichkeit, die Szene des Abendmahls humorvoll selbst nachzustellen und fotografisch festzuhalten. Nach der Eröffnung fand in der Remise ein gemeinsamer Umtrunk mit Brot und Wein statt – eine stimmige Ergänzung zu den zentralen Themen der Ausstellung. Die Ausstellung ist vom 27. März bis 19. Juli 2026 während der regulären Öffnungszeiten des Museums zu sehen: Dienstag bis Samstag von 9 bis 17 Uhr sowie sonntags und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr.