Begegnung mit der Natur in der „Woche der Stille” :Stille im Wald

Trier – Auf dem Weg hoch von der Haltestelle Pallien über die Bitburger Straße versperrt Nebel die Sicht und lässt Trier nur noch erahnen. Auch der Weißhauswald ist von dichten Nebelschwaden durchdrungen. An seinem Rand kommen an diesem Novembersamstag sechs Frauen zusammen. Gleich werden sie mal auf, mal abseits der Wege tiefer in den Wald gehen. Was sie da tun? Sie sind nicht auf der Suche nach Kräutern oder Pilzen, zumindest nicht heute. Die sechs Frauen sind auf der Suche nach der Stille.
Anlass zu dieser Suche bot die jährlich in Trier stattfindende „Woche der Stille“, die dieses Jahr bereits zum sechsten Mal stattgefunden hat. In diesem Rahmen lud der Kneipp-Verein Trier ein, gemeinsam Zeit in der Natur zu verbringen. Eingangs informierte Sigrid Ertl, erste Vereinsvorsitzende, über den Verein und über Pfarrer Sebastian Kneipp, dessen Lehre im ausgehenden 19. Jahrhundert den Anstoß zur Gründung der heute bekannten Kneipp-Vereine gab. Nachdem Ertl die Bedeutung der Stille in dessen Gesundheitsverfahren betont hatte, machte die Gruppe sich auf den Weg. An einem von buntem Herbstlaub eingebetteten Ort abseits der Straßen und Wege, trug Viviane French, zweite Vorsitzende des Kneipp-Vereins, einen Auszug aus Rilkes „Das Buch vom mönchischen Leben“ vor. Mit einem Lied überließ sie die Teilnehmerinnen für eine halbe Stunde sich selbst, dem Wald und der Stille. Nach dieser Einzelzeit voller Ruhe kam man erneut zusammen und tauschte sich über die Erfahrungen im Wald bei Ingwer- und Kräutertee aus. „Sehr froh, zufrieden und dankbar“, blickte Viviane French auf die von ihr ausgerichtete Veranstaltung zurück. „Das Thema dieser Veranstaltung war auch mir eine Einladung, mich noch mal mehr mit der Stille zu beschäftigen.“ Auf die Frage, ob sie und der Kneipp-Verein sich vorstellen könnten, im nächsten Jahr erneut eine Veranstaltung anzubieten, gab es eine klare Zusage: „Nächstes Jahr wird es eine ähnliche Veranstaltung wieder geben.“ Lisa Schiffner aus Trier, die zum ersten Mal an der „Woche der Stille“ teilgenommen hat, gefällt die Idee, der Stille eine ganze Woche zu widmen. „Ich bin sehr dankbar für dieses Angebot heute. Ich nehme auf jeden Fall etwas für mich mit.“ Diesen Eindruck teilten auch die übrigen Teilnehmerinnen.
Auf dem Weg hinab zur Haltestelle Pallien bahnt sich schließlich die Sonne ihren Weg durch die Nebelbänke, enthüllt die Stadt und funkelt auf der Mosel: Ein kurzes Erlebnis der Stille, bevor sich der lärmende Alltag in Form hupender Autos auf der Kaiser-Wilhelm-Brücke wieder ins Bewusstsein drängt.
Woche der Stille

Dieses Jahr fand in Trier bereits zum sechsten Mal die „Woche der Stille“ statt. Vom 1. bis 9. November konnten Menschen an insgesamt 62 kostenfreien Angeboten aus Kunst, Kultur und Musik mit rund 40 ehrenamtlich Mitwirkenden eine Auszeit vom Alltag nehmen und die heilende Kraft der Stille erleben. Laut den ersten Hochrechnungen, so Maik Bierau, Mitglied der Initiativgruppe hinter der „Woche der Stille“, haben rund 900 Menschen die Angebote der Aktion wahrgenommen. Ausdrücklich dankt er allen Mitwirkenden.
Weitere Informationen zur „Woche der Stille“ finden sich hier.
Eine Spende zur Unterstützung der „Woche der Stille“ ist hier möglich:
Kontoinhaberin: Katholische Kirchengemeinde Hl. Edith Stein
Verwendungszweck: "Woche der Stille"
IBAN: DE45 5855 0130 0000 9715 07
BIC: TRISDE55 Sparkasse Trier
Informationen zum Kneipp-Verein Trier finden sich hier.