Pastoraler Raum Bernkastel-Kues initiiert Projekt in der Familien-Seelsorge :Überraschungsboxen begleiten Kommunionkinder und ihre Familien

Brauneberg – Die achtjährige Ida sitzt mit ihrem kleinen Bruder Willie, Mama Jessica (43) und Papa André (40) am großen Esstisch der Familie in der gemütlichen Küche mit moderner Blumentapete. In ihrer Hand hält die Drittklässlerin aus Brauneberg mit dem blonden Bobschnitt kleine Kärtchen mit selbst formulierten Fragen, die sie den drei anderen stellt: „Was ist meine Lieblingseissorte?“ Antwort: After Eight. „Welches ist mein Lieblingsstofftier?“ Es sei verraten: Das Seepferdchen. Dann ist Papa dran: Was ist sein Lieblingsfilm? Die ein oder andere Antwort enthüllt sogar noch für die Eltern neue Erkenntnisse. Das Kartenset stammt nicht etwa aus einem gekauften Spiel, sondern ist neben anderen Überraschungen Inhalt einer Box mit der Aufschrift „gerade da…voller Wunder“. Diese „Familienbox“ ist eine neue Initiative der Familienseelsorge im Pastoralen Raum Bernkastel-Kues und soll Familien auf dem Weg zur Erstkommunion und darüber hinaus begleiten.
„Katechese am Küchentisch“
Einer der Ideengeber ist Roland Hinzmann, Pastoralreferent und Leitungsteammitglied im Pastoralen Raum Bernkastel-Kues. Gemeinsam habe man sich im Team gefragt, was vielen Menschen aus ihrem eigenen Glaubensleben positiv in Erinnerung sei. „Ganz oft kommt da die Antwort: Die Erstkommunion. Also wollten wir da ansetzen und den Familien etwas an die Hand geben, das kindgerecht und kreativ ist. Denn die Vermittlung von Glauben und Werten funktioniert am besten über Vertrauenspersonen und durch gemeinschaftsstiftende Erlebnisse“, sagt Hinzmann. Es sei eine Erfahrung aus der Corona-Zeit, dass solche „Katechesen am Küchentisch“ gut funktionieren können. „Wir möchten das System Familie in all ihrer Vielfalt stärken und dazu anregen, zu schauen, was einen als Familie und im Leben trägt.“ So bekommen alle 200 angemeldeten Kommunionkinder und ihre Familien im Pastoralen Raum über einen Zeitraum von vier Monaten insgesamt vier Boxen zu verschiedenen Themen wie „Unter unserem Zelt“ oder „Was glauben wir“. Den Abschluss der Aktion wird nach der Erstkommunion ein gemeinsames Familienpicknick auf dem Kueser Plateau bilden.
Leuchtende Sterne, ein Familienwappen und die abendliche Erzählrunde
Bei Ida scheint das Konzept gut anzukommen. Stolz berichtet sie von weiteren „Überraschungen“ aus der Box, die sie richtig schön fand: „In dieses Heftchen sollte man Sterne malen für alle Personen, die einem im Leben wichtig sind. So habe ich am Ende einen ganzen Himmel voller Menschen, die für mich da sind.“ Grün, rosa, lila oder türkis leuchten Idas Familien- und Freunde-Sterne; dickere Verbindungslinien führen zu ihren Eltern und ihrem Bruder, dünnere zu Freunden und Verwandten. Die Idee gefiel ihr sogar so gut, dass sie das Ganze gleich nochmal in Groß angefertigt hat. „Da war auch ein kleiner Klebestern dabei, der nachts leuchtet“, sagt Ida und verrät auch, wo sie ihn aufgeklebt hat: „auf mein Bücherregal, damit ich ihn in der Dunkelheit vom Bett aus sehe.“
Idas Mutter Jessica Licht gefällt besonders die Anregung, jeden Abend eine kleine Erzählrunde in der Familie einzulegen. Jeder hält dazu reihum einen Stein in der Hand und sagt, wofür er oder sie an diesem Tag dankbar ist. Dabei liegt Idas selbst gestaltetes Familienwappen in der Mitte. Das war ebenfalls einer der Kreativimpulse zum Ausschneiden. Vier Symbole hat sie für das Wappen gewählt: Ein Stofftier, das „Kuscheln“ symbolisiert, eine Hand für „Hilfsbereitschaft“, ein Kreuz für „gläubig“ und eine Gitarre für „Musikalisch“. Dinge, die in ihrer Familie wichtig sind und sie prägen. Wenn die Familie abends mal eine Runde vergisst, ist es erstaunlicherweise der vierjährige Willie, der daran erinnert, erzählt sein Vater André Licht.
Ein weiteres Bild von Kirche
Glaube spiele in ihrer Familie eine Rolle, sagen die Lichts, und zwar nicht nur, weil André Licht als katholischer Religionslehrer am Gymnasium arbeitet. „Es ist einfach etwas, das Halt geben und schöne Erinnerungen für das ganze Leben schaffen kann“, sagt er. Mit seinen älteren Schülern bespreche er oft auch kritisch Fragen zu Glauben und Kirche, wobei ihm auffalle, dass viele ein sehr enges Bild von Kirche haben. „Für sie ist Kirche häufig nur das Gebäude und der Sonntagsgottesdienst. Dabei bilden ja alle Mitglieder einer Kirchengemeine die Kirche. Der Begriff meint mehr als nur die Institution.“ Deshalb finde er die Idee der Boxen prima – so könne die Familie aktiv eingebunden werden.
Dabei versteht sich das Angebot laut Hinzmann als Zusatz zu der Kommunionvorbereitung, die jährlich von vielen engagierten Ehrenamtlichen in den Gemeinden durchgeführt wird. Durch die Überraschungsboxen kann jede Familie selbst begleitend danach fragen, was sie stärkt, was ihnen „heilig ist“, wo es im Alltag „Lichtmomente“ zu sammeln gibt. In der zweiten Box werden die Kinder etwa spielerisch dazu animiert, das Klischee vom „Mann auf der weißen Wolke“ mal beiseite zu lassen und zu überlegen, wie Gott für sie ganz persönlich ausschaut oder spürbar wird. Mit all diesen Erfahrungen im Familienkreis wird der 12. April, der so genannte Weiße Sonntag, für Ida ein ganz besonderer Tag werden, genau wie für viele Tausend katholische Kinder deutschlandweit. Dann wird sie ihr weißes Kleid und einen Kranz aus frischen Blumen tragen und ein großes Fest mit ihrer Familie feiern. Vor allem aber wird sie teilnehmen an etwas, das Christen seit 2.000 Jahren weltweit gemeinsam feiern: Das Brot teilen, miteinander essen und damit die Freude lebendig halten, dass Jesus auch heute mitten unter den Menschen ist – denn diese Bedeutung hat das Sakrament der Eucharistie.
Unterstützt werden die Überraschungsboxen von der Helmut-Gammel-Stiftung, dem Bonifatiuswerk, der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Trier und von „Andere Zeiten“. Konzipiert und designt wurden sie von der Agentur ruach.jetzt.