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Nacht der offenen Kirchen in Saarwellingen:Vielfalt des Glaubens erleben

Begegnungen, Glaubensimpulse und kulturelle Vielfalt standen im Mittelpunkt der Nacht der offenen Kirchen in Saarwellingen.
Innenraum einer Kirche mit holzverkleideten Wänden und einer erhöhten Empore im Hintergrund. Zentral an der Rückwand hängt ein großes Kruzifix, flankiert von zwei weiteren Heiligenfiguren. Vor dem Altarbereich stehen mehrere Staffeleien mit Kunstwerken, darunter farbige Gemälde und schwarz‑weiße Grafiken. Auf dem Boden vor dem Altar sind weitere gerahmte Bilder aufgereiht. Der Altar ist mit einem roten Tuch bedeckt, darauf stehen Kerzen und Mikrofone. Rechts im Vordergrund spielt eine Person Gitarre und singt in ein Mikrofon. Links und im Hintergrund sitzen Besucher in Kirchenbänken und verfolgen die Veranstaltung. Die Beleuchtung ist warm und lässt den Holzraum klar hervortreten.
Datum:
25. März 2026
Von:
Ute Kirch
Im Innenraum einer Kirche betrachten zahlreiche Besucher ausgestellte Kunstwerke. Im Vordergrund steht ein großer, strukturierter Bildträger auf einem rot gedeckten Tisch, beleuchtet von einer kleinen Lampe. Daneben brennt eine Kerze. Viele Menschen stehen dicht beisammen und schauen die Kunstwerke aus der Nähe an oder unterhalten sich darüber. Im Hintergrund sind weitere Bilder auf Staffeleien zu sehen sowie eine Holzempore und die holzverkleidete Wand der Kirche. Die Szene ist warm beleuchtet und vermittelt den Eindruck einer gut besuchten Ausstellung.

Saarwellingen – Livemusik, Lichtshow, Figurentheater, Kunst, Spiritualität und Begegnung – das und einiges mehr hat am Freitag, 20. März, die Nacht der offenen Kirchen in Saarwellingen geboten. Von 17 bis 23 Uhr hatten vier katholische und eine neuapostolische Kirche ihre Türen geöffnet, um Kirche und Glauben auf vielfältige und besondere Art und Weise zu präsentieren.

Ein Kamishibai (japanisches Bildtheater) zur Geschichte des heiligen Josef machte in der neuapostolischen Kirche den Anfang. Im Anschluss stellte in der Kirche Maria Königin in Obersalbach Dr. Thomas Albrecht Kunstwerke des saarländischen Künstlers Ernst Alt (1935 - 2013) vor. Ein Programmpunkt, der auch Menschen anlockte, die sonst nicht zu den Gottesdienstteilnehmenden zählen. „Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt in einer Kirche war“, sagte eine Besucherin. Aber es habe sie schon länger gereizt, sich einmal mit der Kunst von Ernst Alt auseinanderzusetzen. Mit Albrecht, der über Jahrzehnte mit dem Künstler befreundet war, hatten die Besucher einen versierten Kenner, der das weite Spektrum von Alts Schaffen vorstellte: Linolschnitte aus der frühen Zeit sowie biblische und mythologische Bilder seiner späteren Werke. Begleitet wurde dieser Programmpunkt durch Live-Musik von Lucia Neu, einer Singer-Songwriterin aus Obersalbach.

"Gott kann alles sein"

In einer Kirche steht eine Person vor einer großen weißen Pinnwand oder Tafel auf einem Holzstativ. Die Person schreibt mit einem Stift etwas auf die Tafel. Darauf befinden sich bereits mehrere handgeschriebene Begriffe und Sätze zum Thema „Gott“, die sternförmig angeordnet sind. Der Kirchenraum ist mit hellen Steinwänden, verzierten Säulen und einem kunstvoll gestalteten Ambo im Hintergrund ausgestattet. Rechts steht ein mit einem weißen Tuch bedeckter Altar. Die Szene ist warm beleuchtet und zeigt einen interaktiven Moment während einer Kirchenveranstaltung.

„Menschen die Türen zu öffnen, die sonst nicht in die Kirche kommen, ist ein Hauptanliegen der Nacht der offenen Kirchen“, sagt Gemeindereferentin Stefanie Kallenborn. Auch sei es eine gute Gelegenheit, die Vielfalt der Kirchen in der Pfarrei zu zeigen. Das Programm sei vollständig von Ehrenamtlichen geplant und durchgeführt worden. Mit im Vorbereitungsteam sind Chantal Nutzenberger und Gerhard Maiworm, die gemeinsam die Doppelspitze des neuen Pfarrgemeinderats der Pfarrei St. Josef Saarwelligen bilden. „Die Nacht der offenen Kirchen steht unter dem Leitwort ,Heiliger Josef‘, den Termin haben wir bewusst in die Nähe des Josefstags gelegt, der am 19. März gefeiert wird“, sagte Maiworm. Der heilige Josef stehe für einen Glauben, der nicht laut ist, aber tragfähig. Er symbolisiere Verlässlichkeit und Vertrauen.

Nutzenberger, die auch Religionslehrerin ist, gestaltete den Programmpunkt in der Kirche St. Marien in Reisbach. „Anders als bei den griechischen, römischen oder nordischen Göttern haben wir Christen kein direktes Bild von Gott. Aber Glaube lebt davon, von Gott zu sprechen“, sagte sie und rief dazu auf, miteinander ins Gespräch über sein persönliches Gottesbild zu kommen. „Bilder kann man faken, deswegen müssen sie hinterfragt werden. Dennoch steckt ein Teil des Ursprungs in ihnen. Das ist eine Chance, wie wir über Gott reden können, ohne ihm einen Stempel aufzudrücken. Gott kann alles sein“, so Nutzenberger. In der einen Hälfte des Kirchenschiffs konnten sich die Besucher mit biblischen Gottesbildern auseinandersetzen, auf der anderen Seite mit dem Gottesbild, wie es sich uns in modernen Filmen und Popsongs präsentiert. Via QR-Codes konnten die Besucher mit ihren Smartphones Lieder und Filmszenen abspielen und sich die deutsche Übersetzung der Liedtexte anzeigen lassen. Das lokale Team bewirtete die Gäste im Vorraum der Kirche mit Kartoffelsuppe. Gestärkt konnten sich die Besucherinnen und Besucher dann in der Kirche St. Bartholomäus in Schwarzenholz im Rahmen der Ausstellung „Religionsfreiheit unter Druck – Christen in Gefahr“ des katholischen Hilfswerks „missio“ über Christenverfolgung in der Welt informieren. Hier waren die Gäste auch zu einem offenen Singen unter der musikalischen Leitung von Eric Paulus (Klavier) und Kerstin Heuser (Geige) eingeladen.

Gottesdienst, Agape und Spiritual Floor

Spiritual Floor im Pfarrheim Saarwellingen.

Zum Abschluss feierten die Teilnehmenden einen ökumenischen Gottesdienst in St. Blasius, der von Gemeindereferentin Stefanie Kallenborn und dem Vorsteher der Neuapostolischen Kirche, Uwe Heuser, geleitet wurde und Elemente aus allen Programmpunkten zusammenführte. Parallel zum Gottesdienst wurde das angrenzende Pfarrheim zum „Spiritual Floor“. Bereits am Vortag hatten die Messdiener gemeinsam mit Philipp Lauer-Nutzenberger drei Stunden lang die Sound- und Lichtanlage aufgebaut. Lauer-Nutzenberger, selbst Hobby DJ, legte zu später Stunde EDM, House und Techno-Musik auf – unter anderem mit Tracks von Worship Nation und dem portugiesischen Priester und DJ Padre Guilherme. „Ich war sofort begeistert von seiner Verbindung aus moderner elektronischer Musik, Glauben und einer offenen, einladenden Atmosphäre“, sagte Lauer-Nutzenberger.

Die Nacht der offenen Kirchen in Saarwellingen findet seit 2013 alle zwei Jahre statt. Sie war ins Leben gerufen worden, um das Zusammenwachsen der einzelnen Kirchorte zu fördern. 

Pfarrei St. Josef Saarwellingen:Eindrücke von der Nacht der offenen Kirchen

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