Backtag für misereor:Wo Solidarität gebacken wird


St. Wendel. „Unser tägliches Brot gib uns heute“, steht in dunklen Lettern auf dem Holzbackofen im Pfarrgarten neben der Kirche St. Anna in St. Wendel. Seit 7 Uhr in der Früh sind die ersten Mitglieder des Backteams um Hausmeister und „gute Seele“ Klaus Keller im Einsatz. Der Ofen braucht seine Zeit, bis er auf Betriebstemperatur ist. Nun, um die Mittagszeit, können die ersten knapp 20 Brote in den zwei Kammern des Ofens bei 330 Grad braun und knusprig werden.
Einmal im Quartal veranstaltet der „Verein zur Erhaltung kirchlicher Traditionen der Kirche St. Anna“ im St. Wendeler Stadtteil Alsfassen solche Brotbacktage am eigenen Holzbackofen. An diesem Samstag aber backen die zehn Ehrenamtlichen aus der Pfarrei für den guten Zweck, ganz im Sinne der Widmung ihres Backofens.
In der Fastenzeit lädt das katholische Hilfswerk Misereor nämlich Bäckereien, Gruppen und Einrichtungen zum Brotbacken zugunsten hungernder Menschen weltweit ein. Für das Brotback-Team des Kirchvereins in St. Wendel war es Ehrensache, da mitzumachen. „Wir haben extra einen Sonderbacktag in die Fastenzeit gelegt, um uns an der Aktion zu beteiligen“, berichtet Keller. Beim Sonderbacktag zur Soli-Brot-Aktion gibt es ein reduziertes Angebot mit „nur“ den drei Sorten Vollkornbrot, Dinkel-Joghurt-Brot und Roggenmischbrot. Sonst gehören auch Weizenmisch- und Walnussbrot zum Sortiment.
Backergebnis hängt vom Wetter ab

Fünf Euro kostet etwa ein 750 Gramm schweres Roggenmischbrot. Ein Euro davon spendet das Back-Team im Rahmen der Soli-Brot-Aktion an Misereor, dazu alles aus der Spendendose fürs Team. Dafür verzichtet der Verein auf einen Teil seines Gewinns, denn im Gegensatz zur Ausschreibung des katholischen Hilfswerks hat sich der Verein entschieden, den Spendenbetrag nicht auf den regulären Brotpreis aufzuschlagen. „Wir wollten mit dem Preis nicht noch höher gehen, weil das die Leute so ein bisschen abschreckt“, erklärt Klaus Keller. Zudem gehe es bei den Backtagen auch darum, den Verein bekanntzumachen. Da die ursprünglich eigenständige Pfarrei St. Anna zum 1. Januar 2026 in der fusionierten Pfarrei Hl. Wendelin St. Wendel aufgegangen ist, trägt der Verein mit seinen Angeboten maßgeblich dazu bei, „die Kirche im Dorf“ – hier: im Stadtteil – zu lassen. Mit den Einnahmen finanziert der Verein kirchliche Veranstaltungen und unterstützt notwendige Sanierungen am Kirchengebäude und Pfarrheim.
Ortswechsel ins Pfarrheim, das an Backtagen zur Backstube wird. Hier werden die nächsten Teige vorbereitet. Portioniert und geknetet wird zumeist von Hand, nur bei großen Teigmengen unterstützt anfangs eine Teigmaschine. An diesem Tag zehn, sonst bis zu 13 Personen gehören zum regelmäßigen Back-Team des Vereins. „Anders würde es auch gar nicht gehen“, sagt Christel, die an der Teigmaschine steht. 60 bis 70 Brote werden pro Backtag vorbestellt. Ohne großes Team wäre das nicht zu leisten. Und selbst dann kann das Pensum noch zur Herausforderung werden. „Es ist krass, wie abhängig wir vom Wetter sind“, weiß Marion, die von Anfang an dabei ist. Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, all das mache den Backvorgang im Open-Air-Holzofen „unberechenbar“.
Das Team nimmt es sportlich. „Früher hatten sie Spaß“, meint jemand. „Heute immer noch!“, ertönt die Antwort. Die Stimmung in der Runde ist bestens, das Team eingespielt. Ab und zu gibt es einen Knall in der Backstube. Die wenigsten zucken noch zusammen. Nur ein Teig, der durch die Gärung einen Deckel aufdrückt. Gelächter in der Runde, und weiter geht’s.
Neue Blütenbrote für Muttertag getestet

Nicht nur die Stimmung ist gut. Das Backteam ist die maßgebliche Stütze des Vereins von St. Anna. Innerhalb von zwei Jahren, zwischen 2019 und 2021, haben Klaus Keller und sein Team den Holzbackofen in Eigenleistung errichtet. Seit der Einweihung inmitten der Pandemie ist der Ofen regelmäßig im Einsatz: bei den Backtagen, aber auch als Pizza- oder Flammkuchenofen beim Pfarrfest, am Adventsmarkt oder am Messdienertag. Auch mit den Kommunionkindern wird einmal im Jahr Brot gebacken. So stiftet der Ofen Gemeinschaft – und Sinn.
Die Backtage kommen gut an. Nicht zuletzt, weil sich das Team immer wieder etwas Neues einfallen lässt. An diesem Tag werden verschiedene Blütenbrote in kleiner Größe zum Testen gebacken, mit Mandeln, Dinkel-Blüten oder Hagebutte-Hibiskus. „Wenn die was werden, gibt es sie als Special zum Backtag am Muttertags-Wochenende“, kündigt Rita vom Backteam an. Sie hat die verschiedenen Tee- und Blütenmischungen zusammengestellt. Der Sonderbacktag zur Soli-Brot-Aktion kam ihr gerade recht fürs Probe-Backen.
Am Abend stehen die Tüten voller frisch gebackener, duftender Brote zur Abholung nach der Vorabendmesse bereit.