Wallfahrt 2024

Ein Festival der guten Laune
Hildegard von Bingen – eine Heilige, die schon lange als solche verehrt wurde,
bevor sie erst fast 850 Jahre nach ihrem Tod heiliggesprochen wurde. Diese
Ordensfrau, Heilkundige, Dichterin, Kirchenlehrerin und vor allem auch
Visionärin war Ziel einer Wallfahrt, an der 65 Ordensleute aus dem Bistum Trier
teilgenommen haben. Ein Tag der Begegnung, des Austauschs, des Gebets aber
vor allem auch ein Tag der guten Laune.
Die Heilige Hildegard ist vielen Menschen vor allem durch ihr großes Wissen in der
Naturheilkunde und vielleicht auch durch ihre Visionen, die in mehreren Schriften
festgehalten wurden, bekannt. Ich hatte mich vor mehr als 20 Jahren mit der großen
Heiligen etwas intensiver beschäftigt, als ich während meiner Ordensausbildung eine
Morgenandacht zu ihren Visionen gestaltet habe. Ganz besonders fasziniert hat mich
ihr selbstbewusstes und charismatisches Auftreten. Die um 1098 im rheinhessischen
Bermersheim in eine Adelsfamilie geborene Hildegard hatte im frühen 12. Jahrhundert
als Frau und Nonne einen ganz besonderen Platz in der Kirche, aber auch in der
Gesellschaft.
Sie war nicht nur in enger Verbindung mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa, mit Papst
Eugen III., mit König Heinrich II. von England und mit dem heiligen Bernhard von
Clairvaux, sondern stand diesen Persönlichkeiten auch beratend zur Seite. Es scheint
so, als ob sie in der damaligen Zeit als sehr emanzipierte Frau ihren Platz in der
katholischen Kirche hatte. Sicherlich gab es auch Widersacher, die Hildegard von
Bingen kritisch gegenüberstanden aber sie ließ sich davon nicht abbringen, und das
hat mich schon als Novize ganz besonders beeindruckt. Sicherlich auch deshalb, weil
ich mir damals schon dachte, dass sich unsere Kirche in der heutigen Zeit mit Blick auf
die Rolle der Frau die eine oder andere Orientierung geben lassen könnte.
Ja, und zu dieser großen Heiligen haben sich am 9. Oktober dieses Jahres zwei mit
Ordensleuten voll besetzte Busse auf den Weg gemacht. Nicht nur bei der Führung
von Schwester Klara Antons OSB in der Abteikirche St. Hildegard, sondern auch bei
der Eucharistiefeier mit Prälat Dr. Georg Holkenbrink in der Pfarrkirche von Eibingen,
wo die sterblichen Überreste der Heiligen in einem goldenen Schrein aufbewahrt
werden, wurde uns das Leben und Wirken Hildegards nochmals bedeutsam vor Augen
geführt.
Neben dieser großen Heiligen war aber auch noch genügend Platz für Austausch und
Begegnung, nicht nur beim Mittagessen, sondern auch auf der Busfahrt von Koblenz
und Trier nach Eibingen. Auch wenn wir bei dieser Wallfahrt gerade mal 65
Ordensleute von insgesamt rund 800 im Bistum Trier lebenden Ordensschwestern und
Ordensbrüdern waren, war es dennoch lebendig, fröhlich und - wie Schwester Ursula
von den Arenberger Dominikanerinnen zurecht auf ihrer Insta-Story festhielt - „ein
Festival der guten Laune.“
Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten 20 Jahren solch ein Ereignis
stattgefunden hat, aber eine große Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren
der Meinung, dass solch ein Event regelmäßiger stattfinden sollte.
Bruder Antonius