Susanne Wagner leitet den Sachausschuss Geschlechtergerechtigkeit im Katholikenrat Trier :Frauen raus aus der zweiten Reihe!

Trier/Perl – Susanne Wagner ist engagiert. Es liegt ihr am Herzen, dass alle Geschlechter in der katholischen Kirche gerecht behandelt werden. Als Mitglied des Katholikenrates im Bistum Trier leitet die pensionierte Lehrerin den siebenköpfigen Sachausschuss Geschlechtergerechtigkeit, der sich in regelmäßigen Abständen trifft. Ihre Vision? „Eine Kirche, in der die Charismen der Gläubigen so genutzt werden, dass jeder und jede die Aufgaben übernimmt, für die er oder sie besonders befähigt ist – ganz unabhängig vom Geschlecht.”
Mit wachem Blick beobachtet die 63-Jährige daher die Entwicklungen nach der Welt- und der Trierer Bistumssynode. „Die Ergebnisse muss man nach einer gewissen Zeit evaluieren, um zu prüfen, ob sich denn wirklich etwas verändert, und die Ergebnisse überhaupt umgesetzt werden“, erklärt sie. Aktuell auf dem Tisch liegt das Thema „Predigerinnen“. Es geht darum, unter welchen Umständen Laien in Eucharistiefeiern predigen dürfen, wo dies bereits geschehen ist und wo diese Bitte abgelehnt wurde. Dazu gab es jüngst eine vom Sachausschuss initiierte Umfrage, die den Status Quo sichtbar machen soll – die Ergebnisse werden in den kommenden Wochen erwartet.
Ein Thema, das die Gemüter bewegt, erzählt Wagner, die vom Pastoralen Raum Merzig in den Trierer Katholikenrat entsandt wurde. Die Reaktionen auf Frauen, die predigen, seien größtenteils sehr positiv, zuweilen jedoch forsch und manchmal gar völlig unangemessen im Ton. Dass Veränderung nottut, sei jedoch augenscheinlich. Mit Bestürzung nähmen viele Katholik*innen wahr, dass sich immer mehr junge Frauen von der Kirche abwendeten, „weil diese dort, hart ausgedrückt, wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Und das ist mit Blick auf die Intention Jesu falsch”, so Wagner, die während ihrer Laufbahn in Deutschland und Luxemburg tätig war. In der benachbarten Erzdiözese referierte sie als Mitglied der dortigen Frauenkommission etwa über „geschlechterspezifisches Verhalten zwischen Genetik und Sozialisation und gestaltete Weiterbildungen zum Thema „Quo vadis, Fra an der Kiirch?“.
Den Glauben weitergeben ist lebenslanges Anliegen
In ihrer Heimatpfarrei übernimmt Wagner liturgische Dienste als Kommunionhelferin und Lektorin. „Gesagt zu bekommen: Du gehörst in die zweite Reihe – einfach mit Verweis auf das Kirchenrecht, ist Hybris. Es ist überheblich, Frauen die Berufung, die sie spüren, abzusprechen.” Ihr Verständnis von Kirchenrecht sei, dass es die Gläubigen unterstützen solle, ihren Glauben zu leben und ihren Weg zu Gott zu finden. „Wenn dieses Kirchenrecht aber patriarchalem Hierarchiedenken entspringt, frage ich mich: Müssen wir da nicht endlich etwas ändern? Es leuchtet mir nicht ein, wieso verstandbegabte Menschen allein aufgrund ihres Geschlechts unterschiedlich behandelt werden sollten”, erläutert die Theologin, die auch Philosophie und Latein studiert hat. „Es ist mein lebenslanges Anliegen, den Menschen den Glauben nahezubringen. Wenn ich mich im Neuen Testament umschaue, sehe ich keinen Grund dafür, dass die Gewaltenteilung in der Kirche so sein sollte, wie sie ist.” Sie bedauere, dass nach all den Fortschritten im Zuge des Zweiten Vatikanums die Errungenschaften der Laienbeteiligung inzwischen nicht mehr von allen als Wert erachtet werden. Diese Fortschritte und die Ziele des Synodalen Weges einzufordern und weiterzuentwickeln, stehe nun auf der Agenda des Sachausschusses Geschlechtergerechtigkeit, der derzeit aus fünf Frauen und zwei Männern besteht, darunter auch die Gleichstellungsbeauftragte des Bistums, Susanne Kramer.
Weitere Informationen zur Arbeit des Sachausschusses Geschlechtergerechtigkeit gibt es auf https://www.bistum-trier.de/unser-bistum/personen-und-aemter/kirchliche-raete/katholikenrat/uebersicht/index.html.