Begegnungsangebote unterstützen beim Verarbeiten der Flutkatastrophe:Mehr als ein Kaffeekränzchen

Altenahr – Von „ich kann es nicht mehr hören“ zu „ich muss immer wieder über meine Erlebnisse sprechen“ bis „zeitweise leide ich unter Ängsten und habe Schlafstörungen“ – die Betroffenen in den Hochwassergebieten spüren noch heute extrem unterschiedliche Gefühle in Bezug auf den Sommer 2021. „Und all das darf sein“, betont die Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer aus der Pfarrei St. Andreas Ahreifel. Infolge der Flut sind viele Projekte entstanden, die auch fünf Jahre nach der Katastrophe noch von großer Bedeutung sind.
„Das Sicherheitsgefühl und das Vertrauen vieler Menschen wurde maßgeblich beschädigt“, weiß die Seelsorgerin aus vielen Gesprächen. Gut, dass es vielfältige Angebote gibt, die den Betroffenen Unterstützung bieten können. „Bei unterschiedlichen Begegnungsmöglichkeiten passiert so viel Gutes, Menschen stärken sich dort gegenseitig, daher ist es wichtig, dass diese auch weiterhin Bestand haben.“ Dazu zählen unter anderem die Klappcafés in verschiedenen Orten entlang der Ahr, das Familienzelt in Altenahr oder der Frühstücksplausch in Kirchsahr. „Am Anfang haben Hauptamtliche und Netzwerkpartner die Projekte gestemmt, aber jetzt werden viele Projekte von Ehrenamtlichen maßgeblich getragen und organisiert. Es haben sich gute Teams entwickelt“, freut sich Kremer-Breuer. „Aber auch über diese kirchlichen Angebote hinaus ist in den einzelnen Orten viel entstanden, was sich etabliert hat.“
Neben offenen Treffs gibt es thematische Veranstaltungen mit Kooperationspartnern, zu denen Referentinnen und Referenten eingeladen werden. Achtsamkeit, Kreativität, gemeinsames Kochen oder tiergestützte Erlebnisse sind einige Schlagworte, die Kremer-Breuer hierzu nennt. Die Treffen laden ein zur Vernetzung, schaffen neue Perspektiven, man könne gemeinsam Ideen entwickeln und „man ist nicht allein.“ Die Konzepte wirken auch der zunehmenden gesamtgesellschaftlichen Tendenz zur Vereinsamung entgegen, ist sich die Seelsorgerin sicher. „Es braucht nicht viel: eine gute Atmosphäre, einen Raum, in dem man sich angenommen und wertgeschätzt fühlt und eine Herzlichkeit spürt.“
Wie geht es mit Projekten weiter?
Kremer-Breuer handle aus ihrem christlichen Verständnis heraus und das laute, da zu sein, mit den Menschen gemeinsam zu schauen, was ihnen Kraft geben kann und dazu Projekte zu entwickeln und zu begleiten. Die Angebote werden alle sehr gut angenommen und sind oftmals ausgebucht. Die Rückmeldungen seien überaus positiv und dankbar. „Aber ich habe die Sorge, wie es mit diesen Sachen Ende des Jahres weitergeht, wenn viele wertvolle Fluthilfefonds und Förderungen auslaufen“, so Kremer-Breuer. „Wie können wir das, was die Menschen vor Ort so sehr benötigen, weiterhin personell und finanziell stemmen?” So wird es in Zukunft zusätzlich darum gehen müssen, kreative Ideen zu entwickeln, wie finanzielle Förderungen möglich sein können. „Wenn wir davon ausgehen, dass der Wiederaufbau zehn Jahre dauern wird. Warum wird dann davon ausgegangen, dass sich das Herz, die Seele schneller wieder erholt?“
Zeit, Ruhe und kompetente Anlaufstellen
„Die Menschen hier haben erst nach vier Jahren angefangen, Angebote zum Beispiel zu Resilienz zu nutzen.“ Vorher standen viele materielle und finanzielle Aufgaben im Rahmen des Wiederaufbaus an. Zwar komme das Thema „Flut“ nicht mehr in jedem Gespräch vor, trotzdem sei es wichtig, geschützte Räume zu eröffnen, wo Menschen zugehört wird und sie ihre eigenen Themen einbringen können. Auch der Austausch zu anderen Lebensthemen wie Erziehung, Partnerschaft sowie beruflichen und persönlichen Zukunftsängsten sei enorm wichtig. „Wenn Herausforderungen und Veränderungen im Leben anstehen, kommt die Flut immer wieder zur Sprache. Das Leben der Menschen ist geprägt in zwei Zeitabschnitte: vor und nach der Flut“, weiß Kremer-Breuer, die selbst an der Ahr wohnt. Das werde auch immer so sein, doch um mit diesem einschneidenden Ereignis leben zu können, brauche es Zeit, Ruhe und kompetente sowie verlässliche Anlaufstellen.
Über die genannten Möglichkeiten gibt es eine Vielzahl weiterer Angebote und Anlaufstellen, betont Kremer-Breuer. „Ich ermutige alle dazu, diese Unterstützungsmöglichkeiten wahrzunehmen.“ Weitere Informationen zu kirchlichen Angeboten gibt es auf www.bistum-trier.de/dasein/themen/fluthilfe/ und in den jeweiligen Pfarrbüros in der Pfarrei St. Andreas Ahreifel, Tel.: 02643-1558 oder auch in der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler, Tel.: 02641-34737.