Übergabe ist vollzogen: Tim Sturm folgt auf Ulrich von Plettenberg :Wechsel im Amt des Generalvikars

Trier – Amtswechsel im Bischöflichen Generalvikariat Trier: Bischof Dr. Stephan Ackermann hat bei einem Festakt am 17. April in Trier den bisherigen Generalvikar des Bistums Trier, Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, aus dem Amt verabschiedet und Nachfolger Tim Sturm offiziell begrüßt.
Bischof Ackermann dankte Ulrich von Plettenberg für die „gute, intensive Zeit miteinander“. Der 61-jährige von Plettenberg sei auch als Leiter der Bischöflichen Verwaltung „im Innersten Seelsorger geblieben“. Nach nur sehr kurzer Bedenkzeit habe er das Amt 2016 angenommen. Das zeige die Eigenschaft des scheidenden Verwaltungschefs, „einen Auftrag, der - vielleicht auch überraschend – auf ihn zukommt, beherzt anzugehen“ und „den Mut zu haben, in unüberschaubare Situationen zu gehen, den ersten Schritt zu wagen“. Dieses beherzte Vorgehen habe auch herausgefordert, aber von Plettenberg sei immer bereit gewesen, Perspektiven und Rückmeldungen anderer anzunehmen und wenn nötig Kurskorrekturen zu machen. Die Amtszeit des Generalvikars von Plettenberg habe ganz im Zeichen der Synodenumsetzung gestanden: Selbst Synodaler, sei von Plettenberg der richtige Mann dafür gewesen, aus dem Geist der Synode heraus die Umsetzungsprozesse auf den verschiedenen Ebenen mitzugestalten und zu -verantworten. Exemplarisch für die vielen angestoßenen Prozesse nannte Bischof Ackermann die Reform der Dekanate und Pfarreien und die Etablierung einer spürbar stärkeren synodalen und partizipativen Beratungs- und Entscheidungskultur.
Gestalten, was die Zeitstunde fordert
In den zehn Amtsjahren habe es auch gegolten, „das anzunehmen und zu gestalten, was die Zeitstunde, in der wir stehen, von uns fordert“, sagte Ackermann und nannte an erster Stelle die Aufarbeitung und die wirksame Bekämpfung verschiedener Formen des Machtmissbrauchs in der Kirche. Auch die Sicherung des Bistumshaushaltes, die Bewältigung der Corona-Pandemie und die Herausforderung durch den wachsenden Rechtspopulismus und Rechtsextremismus hob der Bischof hervor: „Auch da waren wir, insbesondere Du, in einer speziellen Situation ganz besonders gefordert und Du hast in dieser Situation klar und konsequent das konkretisiert, was wir Bischöfe als Grundlagenpapier gegen völkischen Nationalismus verabschiedet haben.“ Er sei sehr froh, so Ackermann, dass Ulrich von Plettenberg nicht nur Pfarrer in Saarlouis werde, sondern als Domkapitular und Bischofsvikar für das Saarland weiter Verantwortung in der Diözese übernehme.
Von Plettenbergs Nachfolger Tim Sturm dankte der Bischof für die Bereitschaft, die Aufgabe des Generalvikars zu übernehmen: „Ich bin der Überzeugung, dass Du für diese Aufgabe sehr gut geeignet bist.“ Sturm hatte in den zurückliegenden Jahren bereits in der Pfarrseelsorge, der Jugend- und Berufepastoral gearbeitet. Als Leiter der Priesterausbildung und Regens des Priestereminares seit Juli 2024 habe Sturm Erfahrung in der Leitung einer Einrichtung mit den personellen und administrativen Anforderungen, die damit verbunden sind, gesammelt. In den vergangenen Wochen habe der 40-Jährige sich bereits in das neue Amt eingearbeitet: „Damit ist der Anfang gemacht, und es kann mit frischer Kraft weitergehen“, sagte Ackermann.
Mitverantwortung übernehmen in vertrauensvoller Zusammenarbeit
Für die Mitarbeitendenvertretung sprachen Markus Krogull-Kalb und Laura Leinweber. Krogull-Kalb würdigte von Plettenbergs „Art als Teamplayer, mit uns zu denken, zu planen, zu verwerfen und Entscheidungen zu treffen” als „stilprägend” für die Amtszeit. Leinweber ergänzte, die Einbeziehung der Mitarbeitendenvertretungen in wichtige Arbeitsgruppen und Prozesse hätten sich in diesen Jahren etabliert. Nicht nur Manager, sondern immer auch Seelsorger sei Ulrich von Plettenberg gewesen. Dem neuen Generalvikar Sturm sagten Krogull-Kalb und Leinweber zu, Mitverantwortung zu übernehmen in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit: „Die Kolleginnen und Kollegen wollen sich für das Bistum einsetzen.” Klare Kommunikation und Transparenz formulierten sie als Wünsche im Miteinander – und die Zusage, „dass wir um gute Lösungen, um geeignete Wege und Maßnahmen diskutieren und im besten Sinne streiten werden”, wie Leinweber sagte.
„Gottes Kraft geht alle Wege mit“
In seinen Worten zum Abschied nannte Dr. Ulrich von Plettenberg als einen Höhepunkt seiner Amtszeit das große Zutrauen, das ihm entgegengebracht worden sei, nicht nur vom Bischof, sondern auch von den Mitarbeitenden in Pastoral und Verwaltung, das ihn zusammen mit dem Rückhalt in Familie und Freundeskreis getragen habe. Besonders die Umsetzung der Diözesansynode habe ihn geprägt: „Es war für mich etwas Besonderes, verantwortlich mitwirken zu dürfen an der Umsetzung dessen, was wir an Perspektivwechseln und neuen Wegen, ausgehend von den ‚Zeichen der Zeit‘, den gesellschaftlich prägenden Entwicklungen, formuliert haben.“ Von einer wechselseitigen Wirkung zwischen Kirche und Welt, zwischen Evangelium Jesu und Interessen und Bedürfnissen der Menschen, solle kirchliches Leben und Handeln geprägt sein. „So wollen wir es im Bistum Trier mit den Perspektivwechseln der Synode, mit der missionarischen und diakonischen Kirchenentwicklung und - das soll hier nicht verschwiegen werden - mit den Erkenntnissen aus der tiefen Krise, ausgelöst durch die Verbrechen des sexuellen Missbrauchs in der Kirche, umsetzen.“ Gleichzeitig sei die Synodenumsetzung auch ein gewaltiger Lernprozess für das Bistum und ihn persönlich in Sachen Transformation gewesen. „Schrittweises und gut strukturiertes Vorgehen, Einbeziehen durch Beteiligung, transparente Kommunikation – das hat nicht immer gleich gut geklappt. An manchen Stellen haben wir Lehrgeld bezahlen müssen“, reflektierte von Plettenberg. Aber die Verantwortlichen hätten zunehmend an Sicherheit gewonnen: „Das zeigt sich auch darin, dass Widerstände geringer und Beteiligung größer werden.“
Seinem Nachfolger Tim Sturm wünschte er „Lust und Freude am Mit-Gestalten und -Entscheiden in der Kirche. Und noch mehr sage ich dir in Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit an der Alfred-Delp-Schule Hargesheim und als Ermutigung einen Satz des Schulpatrons zu: ‚Gottes Kraft geht alle Wege mit!‘“ Von Plettenberg sagt, er nehme Abschied „in tiefer Dankbarkeit für die Weg- und Verantwortungsgemeinschaft durch Höhen und Tiefen“ mit dem Bischof, mit dem Generalvikariat, mit dem gesamten Bistum und darüber hinaus mit Menschen, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung übernehmen und „in echter Vorfreude auf das, was mich an kirchlichem Leben, an pastoralen Aufgaben, an Begegnungen und Kontakten in Saarlouis und im Visitationsbezirk Saarbrücken erwartet“.
„Freude auf das Kommende“
Der neue Generalvikar sprach von „Freude auf das Kommende“ und dankte Bischof Ackermann ebenso wie den Anwesenden und den Mitarbeitenden des Bistums für den „Vorschuss an Vertrauen“, den er seit der Ernennung spüre. „Generalvikar und alter ego des Bischofs zu sein, bedeutet für mich mehr als die Ausübung einer Verwaltungsaufgabe. Ich sehe meinen Auftrag darin, dir und den Gläubigen in unserem traditionsreichen Bistum durch Mitdenken, Beraten und Leiten zu dienen“, sagte Sturm. Die gemeinsame Arbeit brauche „das Mitdenken, oft auch das Über-den-Tellerrand-hinausdenken, und das beherzte Anpacken von uns allen. Ich schaue in Ihre Gesichter und sehe so viel Kompetenz, so viel Herzblut.“ Für viele sei der Dienst für das Bistum Trier nicht einfach irgendein „Job“: „Er ist Zeugnis. Auch daraus lebt unsere Trierer Kirche Tag für Tag.“
Sturm betonte, alles Tun im Generalvikariat und in den Verwaltungseinheiten, in der Seelsorge oder der Caritas müsse sich letztlich der Frage unterziehen: „Dient es dazu, Menschen mit Jesus Christus in Kontakt zu bringen?“ In der Konsequenz bedeute das, nicht zu fragen, wie der Status quo gehalten werden oder das nostalgische Kirchenbild früherer Zeiten erhalten werden könne. Das erfordere den Mut, Altes würdig zu verabschieden. Das schmerze, aber „es macht es uns leichter, in die Zukunft zu gehen, aus der Gott uns entgegenkommt“. Generalvikar Sturm nannte „ungehobene Schätze“ aus dem Synodenabschlussdokument, die zu einer Glaubenserneuerung und praktizierter Nächstenliebe führen können. Er wünsche allen daran Beteiligten „Mut und ein gesundes Selbstbewusstsein und die Freiheit, der Zukunft mehr zuzutrauen als der Vergangenheit“. Die Herausforderungen seien gewaltig: „Der Wind ist rau, die Ressourcen werden knapper, und die Fragen der Menschen werden lauter oder leiser, je nachdem, wie weit wir uns von ihnen entfernt haben.“ Aber der Weg gehe weiter, „denn der Auferstandene lebt und geht mit uns“, betonte Sturm und bat die Anwesenden: „Lassen Sie uns gemeinsam diesen Weg gehen. Nicht nebeneinanderher, sondern miteinander.“
Dillenburg und Struth als stellvertretende Generalvikare
Der Festakt, bei dem die Bistumsgemeinschaft durch hauptamtlich Mitarbeitende wie ehrenamtlich Engagierte vertreten war und an dem Gäste und Vertretungen aus benachbarten Bistümern sowie aus Politik, Bildungswesen und Gesellschaft teilnahmen, wurde von Florian Gepp und Janin Kanitz moderiert, die beide im Büro von Generalvikar und Leitendem Direktor arbeiten. Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung vom Banthuschor des Bischöflichen Generalvikariates und Mark Niehaus (Violine) und Bettina Schneider (Klavierbegleitung) von der Alfred-Delp-Schule Hargesheim.
Von Plettenberg bleibt Domkapitular am Hohen Dom zu Trier; ab Sommer wird er Pfarrer der Pfarrei St. Ludwig Saarlouis und als Bischofsvikar für das Saarland tätig sein. Tim Sturm hat das Amt des Generalvikars am 15. April offiziell angetreten. Bischof Ackermann gab bei dem Festakt bekannt, dass neben Msgr. Ottmar Dillenburg künftig auch Matthias Struth, Bereichsleiter Kinder, Jugend und Bildung im Bischöflichen Generalvikariat, als stellvertretender Generalvikar fungiert. Weitere Informationen zu Amt und Person des Generalvikars sind unter Generalvikar | Unser Bistum Trier - Verwaltungsportal zu finden.