Experten-Tipps und Austausch bei Veranstaltung des Caritasverbands Westeifel :Wie können wir uns an Wetterextreme durch den Klimawandel anpassen?

Bitburg – Mehr Sickerflächen in Gemeinden, eine veränderte Nutzung von Feldern in der Landwirtschaft oder der private Hochwasserschutz durch dichte Kellerwannen, Mauern vor Lichtschächten und Stelzenbauweise: Land, Kommunen und Bürger sind gefordert, wenn es darum geht, sich an ein verändertes Klima mit mehr Starkwetterereignissen wie dem Jahrhundert-Hochwasser von 2021 anzupassen. Dazu hat der Caritasverband Westeifel, der sich seit fünf Jahren in der Wiederaufbauhilfe und Fluthilfe stark macht, eine Podiumsveranstaltung mit Experten und Expertinnen in Bitburg veranstaltet, die einmal mehr verdeutlichte: Jede noch so kleine Maßnahme wird sich für die Zukunft auszahlen.
„Klimaanpassung im Dialog – Wetterextreme immer häufiger?“ lautete das Motto des von Christian Thome (Trierischer Volksfreund) moderierten Nachmittags, zu dem der Caritasverband Westeifel am 8. November ins Haus der Jugend eingeladen hatte. Im Zentrum des Austauschs mit Expertinnen und Experten stand die Frage: Wie können wir uns besser auf Starkregen, Hochwasser und Hitze vorbereiten? Was hat uns die verheerende Flut im Ahrtal und der Eifel von 2021 gelehrt? Nach der Begrüßung durch Caritasdirektor Winfried Wülferath und Grußworten von Staatssekretär Erwin Manz und Landrat Andreas Kruppert, gab es Hintergrundinformationen und praktische Tipps. Wettermoderatorin Claudia Kleinert ging auf die Klimaveränderungen ein, die ein gesamtgesellschaftliches Handeln unabdingbar machten und die Politik in die Pflicht nähmen. Am Ende ihres Vortrages sagte sie mit Blick auf den nicht ganz voll besetzten Saal: „Ich habe gedacht, hier müsste ganz Bitburg sitzen und der Raum aus allen Nähten platzen.“ Man dürfe vor dem Klimawandel und den Folgen nicht die Augen verschließen.

Einen Überblick über Gründe, warum der Eifelkreis Bitburg-Prüm im Gegensatz zum Ahrtal beim Hochwasser 2021 noch vergleichsweise glimpflich wegkam, gab Professor Wolfgang Büchs von der Universität Hildesheim. Was Prüm und Ahr unterscheide, seien vor allem die vielen Rückhaltebecken der Prüm sowie ihre stärker verzweigten Zuflüsse. Ansonsten gebe es aber auch im Eifelkreis noch viel Potenzial: Verstärkter Maisanbau für Biogasanlagen trockne den Boden aus – hier seien andere Anbaumethoden und das Pflanzen von Hecken und Grünflächen an Rändern von Feldern gefragt. Außerdem liege der Kreis über 200 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, was versiegelte Siedlungs- und Verkehrsflächen angehe. Büchs hinterfragte, ob Campingplätze wirklich direkt an den Flüssen liegen und teilweise für sie Auenlandschaften zerstört werden müssten. Außerdem forderte er verstärkte Wald-Pflanzungen: Je höher die Wurzeldichte, desto höher die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern. Es gelte, jetzt zu handeln, denn die Anlage von Auenwäldern brauche rund 20 bis 25 Jahre, bis sie entsprechend Hochwasser-schützend wirken könne. Reinhard Vogt vom HochwasserKompetenzCentrum Köln hatte in seinem unterhaltsamen Vortrag konkrete Praxistipps für Privatleute mitgebracht: Vom kleinen Mäuerchen vor Lichtschächten über das Vermeiden von Schottergärten als „Gärten des Grauens“ bis hin zu öffentlichen Entwässerungssystemen und Schwammstädten mit begrünten Dach- und Fassadenflächen. Joachim Weber vom Technischen Hilfswerk und Joachim Larisch vom Katastrophenschutz gaben am Ende eine Übersicht über die vielfältigen Hilfsleistungen unterschiedlicher Dienste von DLRG bis Feuerwehr und THW sowie über Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Die Veranstaltung war Teil des „Endspurts“ der Flut- und Wiederaufbauhilfe des Caritasverbands Westeifel. Seit 2021 hat der katholische Verband bei der Antragsstellung für Wiederaufbauhilfe unterstützt, selbst finanzielle Mittel bereitgestellt, psychosoziale Beratung angeboten und Projekte in Gemeinden zur Stärkung der Gemeinschaft initiiert sowie Aktionen für Kinder und Jugendliche umgesetzt. Ende 2026 endet der Projektzeitraum. Mit der „Endspurt“-Kampagne soll noch einmal motiviert werden, die Chance auf Wiederaufbauhilfe zu ergreifen.
Mehr Informationen gibt es beim Caritasverband Westeifel bei Fluthilfekoordinator Alexander Knauf unter E-Mail: a.knauf@caritas-westeifel.de oder unter Tel.: 06561- 9671-0.