Community – wo aus Fremde Heimat wird
Manchmal braucht es gar nicht viel, damit sich ein Mensch zu Hause fühlt: ein vertrautes Gesicht, ein „Ciao, come stai?“, der Klang der eigenen Sprache – oder der Duft von Pasta, der Erinnerungen an einen Sonntag bei der Familie weckt.
Community klingt modern. Für uns ist sie jedoch eine sehr alte Geschichte. Eine Geschichte von Menschen, die ihre Heimat verlassen und in Deutschland ein neues Leben begannen. Menschen, die hier vielleicht zunächst fremd waren, aber in unserer Mission ein Stück von dem wiederfanden, was sie zurücklassen mussten: Sprache, Kultur, Glauben und Gemeinschaft.
Schon Ende der 60er Jahre entstand bei uns das Doposcuola. Kinder und Jugendliche kamen nach der Schule zusammen, lernten, spielten, sprachen Italienisch und begegneten anderen, die dieselben Wurzeln hatten. Es war mehr als Hausaufgabenhilfe. Es war ein Ort der Begegnung. Ein Ort, an dem ein Kind spüren konnte: Ich bin nicht allein. Es gibt andere, die meine Sprache sprechen, meine Lieder kennen und vielleicht dieselben Geschichten von zu Hause hören.
Damals ahnte wahrscheinlich niemand, was daraus einmal entstehen würde.
Heute sind viele dieser Kinder selbst Eltern oder Großeltern. Manche bringen ihre eigenen Kinder und Enkel in die Mission. So begegnen sich Menschen verschiedener Generationen: die Nonna, die von ihrem Dorf in Italien erzählt; der Vater, der zwischen zwei Kulturen aufgewachsen ist; und das Enkelkind, das besser Deutsch als Italienisch spricht und trotzdem fragt: „Nonna, wie war das früher?“
Genau dort wird Gemeinschaft lebendig.
Sie entsteht, wenn wir gemeinsam Gottesdienst feiern und unsere Freude, Sorgen und Hoffnung vor Gott bringen. Sie entsteht bei unseren italienischen Festen und Traditionen, wenn gekocht, gesungen, gelacht und erzählt wird. Und sie lebt in unserer Sprache – einer Sprache, die nicht nur Worte vermittelt, sondern Gefühle, Erinnerungen und Identität.
Unsere Mission ist zu einem Ort geworden, an dem Generationen einander begegnen. Die Älteren schenken ihre Geschichten und Erfahrungen. Die Jüngeren bringen neue Ideen, Fragen und Wege mit. Dazwischen wächst etwas Kostbares: ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Denn Gemeinschaft bedeutet nicht, dass wir alle gleich sind. Sie lebt davon, dass unterschiedliche Lebensgeschichten, Generationen und Erfahrungen zusammenkommen. Was uns verbindet, ist nicht nur unsere Herkunft. Es ist der Wunsch, miteinander unterwegs zu sein.
Vielleicht ist das die schönste Aufgabe unserer Mission: nicht nur ein Stück Italien in Deutschland zu bewahren, sondern Heimat weiterzugeben.
Eine Heimat, die nicht an einen Ort gebunden ist. Eine Heimat, die in einem Gebet entstehen kann, in einem gemeinsamen Fest, in einem Lächeln, in einem Teller Pasta oder in einem einfachen „Ciao“, das sagt: Schön, dass du da bist.
Und vielleicht ist genau das unsere Community:
Nicht nur einen Ort zu haben, an dem man willkommen ist – sondern Menschen zu haben, bei denen man sich zu Hause fühlt.
Cornelia Sirbu, Italienische Katholische Mission Saarbrücken


















